Salamanca, Spanien. Ein Attentat auf den Präsidenten der USA, und fast gleichzeitig ein verheerender Bombenanschlag auf ein internationales Treffen zur Bekämpfung des Terrorismus. Viele Opfer, Chaos, Entsetzen, und mittendrin eine Gruppe Personen. 8 BLICKWINKEL erzählt, wie diese Minuten aus dem jeweiligen, ja, Blickwinkel dieser Personen ablaufen. Was da passiert. Was diese Personen wissen. Und vor allem was sie nicht wissen. Für den Zuschauer ergibt sich am Ende ein schlüssiges Bild, aber eben auch nur für den Zuschauer …
Rex Brooks: Knüppelharte Nachrichtenredakteurin, die eine Horde von Kameraleuten quer über die Plaza der Stadt jagt, und gleichzeitig das Bindeglied ist zwischen der Reporterin draußen vor dem Ü-Wagen und dem Nachrichtensprecher daheim im Studio. Rex Brooks sieht auf ihrem Bildschirm, wie der Präsident von den Kugeln getroffen wird. Sie hört eine kleinere Explosion. Und Thomas Barnes stürmt in ihren Übertragungsraum und will die Bilder des Attentats überprüfen.
Thomas Barnes: Special Service-Agent, der dem Präsidenten letztes Jahr einmal das Leben gerettet hat indem er die für diesen bestimmte Kugel mit seinem eigenen Körper auffing, und jetzt seinen ersten Einsatz seit diesem Zwischenfall hat. Sein Job ist es, den Präsidenten bei der Rede auf der Plaza zu beschützen. Und gleichzeitig allen zu zeigen, dass er wieder fit ist. Da, ein Mann in der Menge greift in die Jackentasche! Ein schneller Schlag auf den Arm - und die Kamera des Touristen fällt zu Boden. Und da, ein sich bewegender Vorhang in einem eigentlich leeren Gebäude. Vielleicht nur der Wind. Vielleicht ein Attentäter? Und wer ist der Mann, der mit dem Rücken zum Präsidenten filmt? Genau dorthin, wo der Vorhang sich bewegt, der sich nicht bewegen dürfte …
Howard Lewis: Tourist aus den USA, der eine Auszeit von der Familie braucht und eine Europareise macht. Mit seiner Videokamera filmt er alles was für ihn eine fremde Welt ist und was ihn fasziniert. Und das Ereignis, den eigenen Präsidenten live zu erleben, lässt er sich natürlich nicht entgehen. Er filmt die Gebäude rund um die Plaza. Er filmt den Präsidenten. Er filmt, als die Kugeln ihr Ziel treffen. Und er filmt immer noch, als eine Frau eine Tasche unter die Bühne schleudert. War die Frau nicht vorhin mit dem Spanier zusammen, der sich als spanischer Polizist entpuppt?
Enrique: Ein spanischer Polizist, dessen Aufgabe es ist, den Bürgermeister von Salamanca zu beschützen. Da er aber in Zivilkleidung unterwegs ist, kollidieren seine Interessen auf Schärfste mit denen von Thomas Barnes. Ist Enrique wirklich ein Polizist? Wer ist die Frau, die er mit ihrem Liebhaber gesehen hat, und die er dafür böse rügt? Ist das die Frau mit der Tasche? Wieso sitzt diese Frau jetzt als Rettungssanitäterin in einer durch die Stadt rasenden Ambulanz, die Enrique wie ein Verrückter verfolgt?
Präsident Ashton: Der Mann, um den sich narrativ alles dreht. Ein US-Präsident hat aber natürlich eine komplett andere Sicht auf die Dinge als ein Personenschützer, ein Tourist oder eine Nachrichtenredakteurin. Ein US-Präsident sieht Dinge, die sonst niemand weiß, außer seinen engsten Vertrauten. Und auch die vielleicht nicht immer …
Die Geschichte an sich ist nicht unbedingt logisch, und in dem Augenblick, in dem das in sich geschlossene Konzept des Sprengstoffanschlags verlassen wird und aus dem Film eine hektische und übereilte Hetzjagd durch die vollgestopften Straßen Salamancas wird, in dem Augenblick verliert der Film leider auch einiges von seiner inneren Spannung, was aber durch das hohe Tempo durchaus wettgemacht wird. Die erste Hälfte von 8 BLICKWINKEL hingegen ist so grandios aufgebaut, mit den Menschenmengen, dem Attentat auf den Präsidenten und der Explosion auf der Plaza, und dies alles immer und immer wieder, jeweils mit einem anderen Hauptakteur und einer anderen subjektiven Darstellung, dass die kleinen Löcher in der Story weder auffallen noch interessieren. Die Story baut einen immensen Druck auf und kann diesen Druck auch sehr lange halten. Der Zuschauer wird in den Strudel der Erlebnisse gerissen und fühlt sich, als ob er bei dem Anschlag tatsächlich live dabei ist. Inklusive der anschließenden Erschöpfung.
8 BLICKWINKEL erzählt einen Zeitraum von ungefähr einer halben Stunde aus den Perspektiven unterschiedlicher Menschen. Jeder sieht etwas anderes, jeder erlebt etwas anderes, und die Kreuzungspunkte dieser Menschen, wenn sie sich treffen und Informationen oder auch Kugeln austauschen, sind die Fixpunkte der Geschichte. Rund um diese Punkte baut sich eine ungeheure Spannung auf, reißt die Dynamik der Erzählung der Zuschauer mit sich fort und presst ihn erfolgreich auf sein Sofa. So und nicht anders geht gut unterhaltendes Actionthriller-Kino mit Anspruch! Ein Film, den ich gerne mal im Kino sehen würde …