Karneval auf Zombie - Island
Bruno Mattei gilt ja nicht gerade als guter Regisseur und seine Filmographie wird geziert von unterirdisch schlechten Plagiatfilmen, die meisten nur eines vorweisen konnten. Gnadenlosen Trash, der schon so kollosal schlecht war, das man sich nicht mal daran erheitern konnte. Doch eine einzige Ausnahme bilden da seine zwei Zombiefilme Hölle der lebenden Toten (1980) und Zombi 3 (1988), die aufgrund desaströser Unfähigkeit zu unterhalten wussten.
Naheliegend auch, dass Herr Mattei aufgrund der neuen Zombiewelle im neuen Jahrtausend sich wieder am Untergenre Zombiefilm versuchte. Mattei war schon immer ein Regisseur, der billig abgekurbelte Filme drehte um auf existierenden Hypes mitzufahren und so gesellt sich auch sein Island of the living dead in die Reihe seiner unsäglich schlechten Schundfilme, auch wenn er mit diesem Film, wie auch in seinen 2 anderen Werken beweist, dass er wenigstens das Zeug dazu hat, den geneigten Trashzombiezuschauer zu unterhalten. Und so zeigt sich nun sein Glanzwerk seiner letzten Taten:
Wir befinden uns im Jahre 1688 als auf einer spanischen Insel in einem mittelalterlischen Fort oder in einem Piratenfort die Toten durch Voodoo zum Leben erweckt werden und sich über die Lebenden hermachen.
Im Jahre 2006 sehen wir nun eine Gruppe Schatzsucher, die glauben einen verborgenen Schatz auf hoher See gefunden zu haben, als ihr Schiff dann fahruntauglich wird. Morgens erblicken sie eine Insel, die sie dann ansteuern, lassen dabei aber jemanden zurück um ihr Boot zu reparieren. Schon bald merkt die Gruppe, dass die Insel verflucht sei, als dann auf mysteriöse Art ihr Schiff explodiert scheinen sie verloren zu sein. Der Kampf um die Zombies und um ihr eigenes Überleben beginnt und schon bald müssen sie über die vergangenen Schandtaten von damals erfahren.
Matteis Island of the living dead ist moderner Trash in Reinkultur und das sieht man ihm auf den ersten Blick an. Bild und kameratechnisch erweist sich das hier alles auf gnadenlosem Amateurniveau und auch die Darsteller sind wie zu Erwarten Platzpatronen allererster Güte.
Hat man sich aber erstmal an die desaströse Optik des Filmes gewöhnt kann er doch noch gekonnt mit guter, wennauch angenehm trashiger Zombieatmosphäre aufwarten. Storymäßig ist das hier allerhöchster Schmu, über den man sich ohne weiteres keine weiteren Gedanken mehr machen sollte. All die ganzen versuchten Schockmomente sind brutalster Humbug, all die mysteriösen Rückblenden und Erklärungen durch halbtote, sprechende und seelenkranke sprechende Zombies, die sich nach geheiligter Erde sehnen und verkümmern können, halten die Trashfahne noch um ein weiteres höher.
Trotzdem gelingt es Mattei, wenn auch auf sehr sehr solidem und simplen Niveau Atmosphäre zu schaffen. Die Requisieten und Kulissen des Forts mögen billig aussehen und haben dem Charme einer Karnevalsveranstaltung, erfüllen aber mit ihren dunklen, nebligen Wänden und Skelettbehangenen Gängen ihren Zweck.
Und auch die Zombies sind gnadenlos charmant, eigentlich so wie man es sich vorstellt, wenn man Zombietrash in diesem Umfeld ansieht. Irgendwo zwischen Zombi 3 und einem Misfitsvideo, erweist sich das Make-Up als sehr gekonnt, zumindest passt es auf seine billige Art zum ohnehin schon billigen und sehr sehr anspruchslosen Kontext.
Man merkt auch ohne weiteres, dass sich Island of the living dead, weniger ernst nimmt, vorallem wenn man Charaktere hat die Snoopy oder Captain Kirk heissen. Verschiedene Anleihen finden sich auch hier wieder, so ist der Titel dieses Filmes ordentlich an Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies von Fulci angelehnt und Mattei schreckt auch nicht zurück seine berühmte Augensplitterszene anzudeuten. Dabei bleibt es dann aber auch und das ist, was diesen Film so symphatisch macht.
Natürlich ist der Film allergrösster Schrott. Filmtechnisch, storymäßig und auch effektmäßig ist das hier unterirdisch und doch fühlt man sich 94 Minuten verdammt gut unterhalten, auch wenn die Goreeffekte bloss nur harmloses FSK 16 Niveau haben und weniger schockieren. Summa summarum haben wir aber einen billig runtergekurbelten Zombieschinken der C-Movieklasse, der mit charmanten Kulissen, dämlich billigen Requisiten und Karnevalskostümen unterhält und eine charmant trashig bis pseudogruselige Atmosphäre aufbauen kann, auch wenn die Charaktere eben eher eindimensional bis belanglos sind. Die Paralellen die Mattei zu Fulcis Zombi 2 einstreut, sind symphatisch dargestellt, all die Voodooanleihen und das Erschiessen der Zombies in Leinentüchern geschieht Mittel zum Zweck, als grosser Fulcifan kann ich das getrost als Hommage und Huldigung aufwerten. Das Ende versucht gnadenlos apokalyptisch rüberzukommen, ist aber so nahezu schon vorhersehbar.
Fazit:
Ein gnadenlos billiger Zombiefilm mit schön billigen aber charmanten Charakter und gut durchdachten Zombiemake-up und einer guten Location, die viel Raum für trashige Gruselmomente bietet. Für Fans alter italienischer Zombiefilme ein Fest. Selten hat mich ein solch moderner Zombiefilm so begeistert.
Trotzdem an alle eine Warnung. Cineastische Kunst geht ganz klar anders.
Realistische Bewertung: 35%
Subjektives Empfinden:
81%
The Rising dead (6) < Don't wake the dead (7) < Island of the living dead (8)