Review

Altersmilde am Arsch! Als Großmeister Bruno Mattei sich seinem 75. und leider letzten Lebensjahr näherte wurde es Zeit für einen letzten filmischen Geniestreich - aus dem dann zwei werden sollten, aber das nur nebenbei. Es musste ein gebührender Abschied von der Leimwand her, so verlangte es die Berufsehre  - und bösen Zungen nach auch das Bankkonto. Die letzten beiden Filme Matteis - dieser hier sowie sein direkter Nachfolger - sind seine letzten gerissenen Coups in Sachen Ideendiebstahl und dahingehend extradreist: ein Plotmix aus "Die Nacht der reitenden Leichen / lebenden Toten" und "The Fog" wird angereichert mit einigen geklauten legendären Fulcimomenten (namentlich die Splitterszene und die Erschießung vermummter Zombies, beides aus "Woodoo" gestohlen) sowie einer kleinen Reihe Selbstzitate (Das Zombieverarschen aus "Die Hölle der lebenden Toten" sowie eine Sterbeszene in Anlehnung an den Fahrstuhltod aus selbigem Film) garniert. Heraus kommt ein Film, der besser unterhält als erwartet, wenn auch auf eher niedrigerem Büro. 

Die titelgebenden Untoten sind im Übrigen Ergebnis eines alten Seemannsfluches, ausgesprochen von einem Haufen abgesoffener Seemänner, die um die Ladung ihrer mit Gold vollgestopften Galleere (wohl eher Gallvolle), ihr Leben und ein christliches Begräbnis betrogen wurden und nun den Conquistadoren, die ihr Boot geplündert haben wortwörtlich die Pest an den Hals wünschten. Als Ergebnis mussten die Kreuzritter ihren selbstgerechten Genozid an den Eingeborenen der von ihnen besetzten Insel im Namen der Kirche unterbrechen, um der Zombieplage mit Gebet und Geschoss Herr zu werden.

Jahrhunderte später landet eine Schatzsuchertruppe aus wandelnden Stereotypen inklusive schüchterner Studentin, altklugem Kapitän, genervtem Schiffsmechaniker und notorisch cholerischer Söldnerin auf der Insel und darf die im Mittelalter eingebrockte Suppe nun stellvertretend für die einstigen Übeltäter auslöffeln. Und das dank Grotten - Kung Fu, mangelndem Schützenkönnen und allgemeiner Hirntaubheit so ineffektiv, dass dem geneigten Zuschauer vor Staunen der Unterkiefer zu Füßen kracht.

Man sollte sich nichts vormachen, selbst am Matteistandard gemessen, der ohnehin schon etwas niedriger war als der manch anderer Italosploitationrecken, ist das KEIN verkappter Klassiker. 

Aber dennoch kann man mit diesem Film eine Menge (unfreiwilligen) Spaß haben, wenn man seiner masochistischen Ader folgt. Der Film wirkt wie ein einziges im Fieberwahn inszeniertes, alkoholverstärktes, kunstblutgetränktes Spontanmassaker, dass ein Haufen Hardcorekarnevalisten beim samstäglichen Deiters - Lagerverkauf verübt und als sauflauniges Snufftape irgendwo zwischen "Die Hölle der lebenden Toten" und GZSZ haben für die verstörte Nachwelt festgehalten haben, mit der schlechtesten Digitalkamera aus dem Profisektor und Kalle im Nacken, dem Keyboarder vom Tanzorchester "Die blauen Jungs", der hier den Filmscore stellen darf; eine wüste Kreuzung, der man nur mit einem ebensolchen Schachtelsatz gerecht werden kann!  Matteis Eigenideen - Besäufnisse im Kreuzritter - Kasernenkeller, munter um sich schnappende Zombieschädel in Schatztruhen etc. - sind zum Schreien skurill und anderes - Zombieoma im Schaukelstuhl, untoter Pfaffe im Gemäuer - waren schon mal in anderen Filmen vorhanden, meist sogar effektiver. Andere Einfälle - die sepiafarbenen Flashbackszenen auf den Schiffsuntergang, die Lautenspielerin in der Dunkelheit der Ruininen etc. - sind für den Film fast gar zu atmosphärisch.

Aber hey, warum nicht? Mal ehrlich: 20 Jahre zuvor auf 32mm oder zumindest VHS gebannt mit einem 80er - Score unterlegt und einigen bekannten Gesichtern aus dem Genre im Cast wäre das jetzt der Videothekenklassiker schlechthin und in diversen Foren mit 10 von 10 möglichen Kästen Oettinger prämiert worden, während der Film das Pech hatte, in einer Zeit zu entstehen, wo der Trend zur Digitalaufnahme ging und alles auf einmal nach Seifenoper aussah. Und dennoch hat Mattei hier auf den bröckeligen Putz, als wäre es erneut 1980: kostengünstig, aber unterhaltsam. Und auch, wen Franco Garufalo alias der Psychosoldat Zantoro aus "Hell of the living Dead" hier nicht in Persona zu sehen ist, so beseelt seine beinahe an Geisteskrankheit grenzende Auslegung von Method acting den ganzen Cast zum Vergnügen des Zuschauers.  

 Es muss nicht immer Kaviar sein. Manchmal tut es auch ein fetttriefender, pappiger Cheeseburger, den man mit einem zimmerwarmen Bier und allen Alltagssorgen zusammen runterspülen kann. Und das ist der Grund, warum ich Matteis Filme lieben lernte: er war kein prätenziöser Kunstarsch und kein überbezahlter Hollywoodblender, sondern einfach nur ein Handelsreisender in Sachen fragwürdiger Unterhaltung und die lieferte er auch stets mit einem Lächeln auf den Lippen ab. Und somit unterhält auch dieser Film, wenn auch nicht so wie erwartet. Umso gespannter ist meiner einer auf die direkte Fortsetzung "Zombies - The Beginning", die Mattei ein Jahr später spendierte und so seine letzte cineastische Landmarke in diesem Leben auf einen zweiten Teil streckte. Der erwartete Zwerchfellschüttler, ein verkannter Geniestreich, nichts, beides? Man darf gespannt sein.

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