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Es ist mal wieder an der Zeit einige Zeilen über einen seltenen Film zu schreiben, für den sich eigentlich kein Mensch interessiert. Lange war ich auf der Suche nach WET DREAMS. Ob sich Vorfreude und Aufwand gelohnt haben?

Für Fans des Kinos der wilden Siebziger klingt WET DREAMS durchaus reizvoll. Der Film besteht aus 13 erotischen Episoden, die sich oftmals nur knapp an der Grenze zur Pornographie bewegen. Erwähnenswert erscheint die Tatsache, dass zum Teil namhafte Regisseure ihre Hände im Spiel hatten: Nicholas Ray (REBEL WITHOUT A CAUSE), Dusan Makavejev (SWEET MOVIE), Jens Jorgen Thorsen (QUIET DAYS IN CLICHY) steuern jeweils einzelne Episoden zum Gesamtkonstrukt bei, wobei Makavejev nur unter seinem Pseudonym "Sam Rotterdam" (!) in Erscheinung tritt.

Initiiert wurde der Film von einem wohlhabenden Niederländer, der einige Künstler bat sich auf persönliche Art und Weise mit der Thematik "Wet Dreams" auseinanderzusetzen. Francis Mishkind - der damalige Besitzer der französischen Porno-Schmiede "Alpha France" - erwarb die Rechte für den Film und ermöglichte somit einige Kinovorführungen. 1974 galt WET DREAMS in Frankreich als Arthaus-Produktion; wurde aber im darauffolgenden Jahr mit einem X-Rating versehen, das erst 1982 wieder rückgängig gemacht wurde. Eine offizielle VHS-Kassette ist in den nachfolgenden Jahren anscheinend nie erschienen...

Trotz des zugegebenermaßen interessanten Produktionsrahmens kann ich behaupten, dass WET DREAMS mit Sicherheit kein Meisterwerk ist. Er leidet unter gewissen Defiziten, die viele Episodenfilme - bestehend aus Beiträgen unterschiedlicher Regisseure - teilen: Es reihen sich beeindruckende Beiträge an oftmals belangloses, uninteressantes Material. Dieser Umstand kann dazu führen, dass dem Film - trotz einer relativ kurzen Laufzeit von nur 75 Minuten - ein wenig "die Puste ausgeht". Ein wenig Geduld lohnt sich aber, denn häufig folgt auf einen schwachen Beitrag ein wesentlich interessanterer Zugang zum Thema "Wet Dreams". Ohne Zweifel stellt die Episode von Dusan Makavejev (Wie könnte es auch anders sein?) mit dem Titel "Politfuck" das Highlight des Films dar. Sein unverkennbarer Stil führt dazu, dass man ihm einen bestimmten Beitrag ganz schnell zuordnet und das Pseudonym "Sam Rotterdam" nur noch ein müdes Lächeln hervorruft.

Empfehlen kann ich WET DREAMS den unerschrockenen Raritätensammlern, den Nicholas Ray-"Komplettisten", den Freunden des Erotik-Arthaus Kinos der wilden Siebziger und den aufgeschlossenen Experimentalfilm-Liebhabern. Porno- und Erotikfans, die sonst eher konventionelle Ware vom Grabbeltisch bevorzugen, würden vermutlich nach 10 Minuten ausschalten; TRANSFORMERS 2- Die Rache Fans sowieso...

6/10

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