Alle Jahre wieder eröffnet der Neujahrsfilm den Reigen der potentiellen Blockbuster; harmlose Familienkomödien mit einem vollgespickten Bunch an Stars und Sternchen, die sich in einem Hauch von Skript für möglichst einfache und deswegen auch öfters einfältige Unterhaltung für die ganze Familie bemühen. So gab es auch dieses Jahr im Februar die übliche Mischung aus Anspruchslosigkeit, Kostengünstigkeit und Schnellschuss; dabei traten House of Mahjong, Lady Iron Chef, Twins Mission und eben It's a Wonderful Life gegeneinander an. Noch ergänzt, aber nicht wirklich dazugehörig auch Derek Yees Protégé, der erstaunlicherweise trotz ernster und eben gar nicht amüsanter Thematik als eindeutiger Sieger hervorging und die unbedarften Konkurrenzprodukte weit hinter sich liess.
Sicher auch sehr zum Missvergnügen von Ronald Cheng, der sich mit seinem Regiedebüt höchstwahrscheinlich zumindest Zuspruch an den Kinokassen erhofft hat, aber nach seinem vorjährigen Mr 3 Minutes [ knappe 3 Mio HK$ nur ] hiermit gleich die zweite Apostel-Schlappe in Reihenfolge einlösen muss; den hiesigen Kosten von geschätzten 10 Mio HK$ steht ein Einspiel von etwa 7 Mio HK$ entgegen, was selbst nach Milchmädchenrechnung ein Verlustgeschäft ist.
[Die indiskret sichtbaren Werbedeals mal aus der Kalkulation aussen vorgelassen.]
Nun kann man allerdings nicht behaupten, dass dieser Makel ungerechtfertigt kommt; aber er überrascht nach einer langen Reihe von Erfolgen und der zumindest in Grundzügen beibehaltenen Publikumsstrategie zumindest ein bisschen. Nicht nur auf dem ersten Blick ist gerade It's a Wonderful Life das perfekte Angebot, um sich über die Feiertage mit Sack und Pack vor der Leinwand zu verscharren. Eine eigentlich idiotensichere Taktik. Zwar aus kommerziellen Gesichtspunkten nur, aber das ist nicht nur zu diesen Zeiten das, worauf es letztlich ankommt:
Der Himmelsbote Thunder [ Ronald Cheng ] ist über den Wolken für den morgendlichen Weckruf zuständig und betreibt nebenbei auch gleich einen Verkaufsstand, in dem man sich für das Frühstück eindecken kann. Die Geschäfte gehen gut und trotz der bereits 3000 Jahre dauernden Beziehung zu Saint of Nine Heavens [ Mia Yam ] läuft es auch blendend in der Liebe. Kurz vor der geplanten Hochzeit entdeckt diese allerdings einen Fauxpas, der noch schnell beseitigt werden muss: Thunder hat vor Jahren einem kleinen Jungen auf Erden versprochen, ihm bei jeglichem Ärger tatkräftig zur Seite zu stehen; dies aber nicht befolgt. Da sich bei dem nunmehr zum Mann herangewachsenen Ding Dong [ Vincent Kok ] gerade jetzt die Probleme häufen, beschliesst Thunder einen kurzen Abstecher in dessen Leben.
Klingt ein bisschen wie Capras Namensvetter Ist das Leben nicht schön. Und ist es auch. Beileibe nichts Offizielles; aber ein nur vom Ausgangspunkt marginal verändertes Heidenbekehrer - Update, dass diesselben Werte von Familie, Freunde und rechtschaffene Arbeit als Voraussetzung für ein glückliches Leben propagiert und mit dieser Binsenweisheit auch diesselbe begeisterte Aufnahme erreichen möchte. Warum auch nicht. Die Vorspiegelung einer ungetrübten Idylle, die dem dankbaren Zuschauer allerlei klebriges Zuckerwasser über den grübelnden Kopf schüttet und so die dunklen Wolken der Realität für zwei Stunden ausblendet. Auch hier startet man mit der Perspektive vom Himmel hinab, nur mit Göttern statt Engeln, und beginnt alsbald sein soziales Märchen. Mit zurückhaltenden Aussenaufnahmen versehen konzentriert man sich dabei gemäss der Zielrichtung vermehrt auf Ding Dongs Privat- und Berufsleben; die Wohnung und der Arbeitsplatz - ein hermetisch abgeschottenes Einkaufszentrum - stellen nahezu die beiden einzigen Schauplätze dar und werden auch entsprechend mit überzähligen Plotfaktoren angehäuft. Auffällig die strikte Trennung von Dienst und Familie, zumal auch kein Anderer ausser eben Ding Dong überhaupt einer Beschäftigung nachgeht.
Seine Frau Cheng Choi [ Louisa So ] sieht sich als Künstlerin, ist mit der entsprechenden Narrenfreiheit ausgestattet und darf sich die Zeit damit vertreiben, aus zerknüllten Coladosen und Klebstoff Skulpturen zu basteln. Seine Schwester Ding Fong [ Kate Yeung ] hat jeden Tag einen anderen Typen, träumt aber insgeheim von dem Helden einer Martial Arts Fernsehserie. Sein Schwager Cheng Wo [ Alex Fong Lik-Sun ] stottert sich hilflos durchs Leben und lässt sich in eine Internetbekanntschaft verliebt von Gangstern beim Glücksspiel ausnehmen. Der "Vetter aus Dingsda" [ Cheung Tat-ming ] nistet sich als Bettler im Vorgarten ein. Und die beiden kleinen Kinder, jeweils ein Mädchen und ein Junge, laufen mit Eimer über dem Kopf durch die Wohnung. Trautes Heim, Glück allein.
Im Einkaufszentrum ärgern ihn der Vorgesetzte Pak [ Tony Leung Ka-fai ], welcher zwar gleichsam mit ihm vor zwei Dekaden angefangen, aber die reiche Mo Ching-ching [ Theresa Mo ] geheiratet hat.
Drumherum noch alle möglichen Begleiterscheinungen wie schleimige Bücklinge, intrigante Sekretärinnen und arbeitsfaule Mitarbeiter.
Das Drehbuch von Ronald Cheng - als Autor ebenfalls Debüt - und dem fast fünfzehn Jahre absenten Patrick Kong Yeung sorgt sich also in erster Linie um eine überschwellige Anhäufung allerlei Konstanten; Masse statt Klasse, die auf interessante Charaktere oder ihre dahin gehende Entwicklung fast vollständig verzichtet und lieber die Schlagzahl der Stereotypen in astronomische Höhen treiben möchte. Analog die Expansion der Bußpredigt-Klischees, was nach einem relativ ungewöhnlichen, aber nicht automatisch vielversprechenden Beginn auch schnell für ein wenig Verdruss sorgt. Sind schon die Ideen im Prolog der Himmelswelt beizeiten aufgebraucht, so wartet man im Hier und Jetzt gleich mit gar keinen wirklichen Einfällen auf. Mit Innovation hat das alles furchtbar wenig zu tun. Die vorhandene Bereitschaft steuert einzig auf das Bewahren der alten Werte ab, so dass sich die Handlung statt in eine Stimulation in einen Hemmschuh Marke "Die Moral von der Geschichte" verwandelt.
Ein maßstabsgetreuer Eigenbau für Pathos, Aufwallung, Inbrunst. Ein Gefühlserguß, mit aller Macht weg von der strukturellen Selbstzucht. Aber hinter all den gutgemeinten Sprechblasen des kaleidoskopischen Kammerspiels fehlt die Seele. Die katholische Lehre, die eigene Überzeugung, Einsamkeit und Versagensangst, die Capra mit Herzblut in sein Projekt steckte und hinter dem er mit allen Fasern seines Lebens stand - "Ich hielt ihn für den größten Film, der jemals gemacht worden war". Sicherlich, man schreibt eine andere Zeit und hat andere Erfahrungen und vor allem Entbehrungen hinter sich, aber auch das muss man berücksichtigen, wenn man "eine Anhäufung schlichter, schnulziger Platüden" [ damalige Kritik der New York Times ] auf das Publikum loslässt. Chengs Motto ist zwar gleichfalls allgemeingültig, aber kommt trotzdem entweder zu spät - 1997 wäre der Film womöglich abgegangen wie eine Rakete - oder zu früh.
Und weil sich Cheng zu sehr als Problemlöser mit Helferssyndrom in Szene setzt, fehlt eine ganz wichtige Sache im ansonst mit absoluter Präzision konstruierten Bausteinprogramm: Der Humor.
Als Pendler zwischen Fantasy, Romanze, Ode an die Ideale und eben auch Komödie ausgewiesen, versucht man sein edles, nichtdestotrotz naives und besserwisserisches Material durchaus auch mit leichteren Tönen und der Verbindung mit Witz und Schalk an den Mann zu bringen. Wenn man nicht gerade mit Ernst und Tiefgang droht, weiss man sogar die entsprechenden Situationen anzudeuten [ die Turbulenz in der Wohnung, Geschlechterkrieg, Doppeldate, Konkurrenzneid, Parodie, Irrtum, Verkennung, Verwechslung etc. ], aber vermag zu wenig von den Möglichkeiten zu eröffnen oder gar umzusetzen. Zu oft verliert man sich in karikaturesk-drolliges Chargentum, häufig ist das Spiel der Darsteller unnatürlich, wird sich auf ganz billige und auch ohne Anmoderation meilenwert erkennbare Pointen beschränkt. Nicht mal Kalauer oder slapstickhafte Dreistigkeit, sondern durch die fortwährende Weichspülung schon ganz ausgefranste Scherzchen, die auch da mehr menscheln statt die offenkundigen Schwächen der Figuren für Zynismus, Schadenfreude oder wenigstens bißfeste Ironie auszubeuten. Kein Augenzwinkern, weder bejahend noch listig noch verschlagend.