Die kontroversen Diskussionen über Michael Winners Selbstjustiz-Schocker von 1974 -„Death Wish“ – waren zwar 1982 noch nicht verstummt, jedoch war es eine schnelllebige Zeit und das Kino hat seitdem unzählige weitere Tabubrüche aller art verarbeiten müssen. Ein idealer Zeitpunkt für Michael Winner also, mit „Death Wish 2“ noch eins drauf zu setzen. Paul Kersey (Charles Bronson) verschlug es nach Los Angeles, wo er zusammen mit seiner Lebensgefährtin Geri Nichols(Jill Ireland), eine bekannte Radiojournalistin in L.A., die sich ausgerechnet mit der Rehabilitation von Straftätern beschäftigt, und seiner Tochter Carol lebt. Der seelische Zustand seiner Tochter, die nach den gewalttätigen Übergriffen der Verbrecher aus dem ersten Teil erkrankte, kann man immerhin als stabil bezeichnen. Kersey selbst ist wieder als Architekt erfolgreich. Es scheint sich also so etwas wie Glück in Kerseys leben eingefunden zu haben. Der Zuschauer ahnt jedoch bereits hier, dass er wieder ein Trugbild vorgesetzt bekommt. Gleich am Anfang des Films malt Regisseur Michael Winner ein übertriebenes, fast schon apokalyptisches, Bild vom Verbrechen in L.A., um dann das ach so friedliche und glückliche Leben im Hause Kersey dem gegenüberzustellen. Fast schon naiv, wie er das pazifistische Weltbild Kerseys Freundin Geri Nichols und auch Kerseys Haushälterin Rosario darbot. Ein Gut-Böse-Schema, das schon im ersten Teil nur mit der Härte, mit der es zerstört wurde, funktionieren konnte. Nein - Winner wollte in diesen zweiten Teil von Death Wish keine Experimente machen. Die Intensität seiner Darstellung von Gewalt und Erniedrigung versuchte er hier vielleicht sogar noch zu toppen. Was ich aber im ersten Teil noch als wachrüttelndes Element für die Erklärung eines kontroversen, diskussionswürdigen Skandalfilms verstand, kommt mir hier eher als ein voyeuristischer Zweitaufguss vor, der in dieser Form keine moralische Grundlage mehr hat.Wie auch immer – Sowohl Kerseys Tochter als auch seine Haushälterin Rosario, fielen einem brutalen Gewaltverbrechen zum Opfer. Scheinbar unfähig jedweder Art von Gefühlen zu zeigen und ohne Antrieb die Ermittlungen der Polizei zu unterstützen nimmt Kersey von jetzt auf gleich sein altes Doppelleben wieder auf, welches ihn tagsüber zum hart arbeitenden Musterstaatsbürger macht und ihn nachts zum Serienkiller werden lässt.Die Story als solches leidet mit Lauflänge des Films dann immer mehr darunter, keine eigene Identität zu haben. Wir sehen mehr eine Zweitauflage von „Death Wish“ als „Death Wish 2“.Paul Kerseys Wandlung vom Pazifisten zum Killer erlebten wir im ersten Teil sehr anschaulich und glaubhaft. In diesem zweiten Teil nun, in dem diese Umwandlung nicht stattfindet, der Rest der Handlung jedoch sehr ähnlich ist, fehlt so ein filmisch interessantes Element. Ausschließlich Paul Kerseys nächtlicher Streifzug als Killer böser Buben sorgt für Unterhaltung bis dann das Finale eingeleitet wird, welches dem Zuschauer dann doch noch einige Highlights darbietet. Michael Winner gehörte zu den Filmemachern, die das Fortsetzungskino heutiger Prägung dem Publikum schmackhaft machten. Was heute jedoch einer Fließbandproduktion, ausschließlich aus Gründen der Gewinnmaximierung, gleicht, geschah damals noch mehr aus einem tiefen Bedürfnis des Publikums. Während der erste Teil sehr eindrucksvoll die Zerstörung von Paul Kerseys Leben durch gelangweilte Triebtäter zeigte, Dem den machtlosen Staatsapparat gegenüberstellte, um dann die glaubhafte Wandlung eines Pazifisten zum Rächer aufzuzeigen, erleben wir diesen zweiten Teil über lange Zeit nur als zweiten Aufguss. Dass der Film trotz allem nicht langweilig wird, liegt am konsequenten festhalten am roten Faden des ersten Teils und an den letzten 20 Minuten des Films, die dann auch für neue Spannung sorgen. Spät - aber nicht zu spät. Eine ganz große schwäche des Films war für mich die scheinbare Gefühlskälte, mit der Paul Kersey den gewaltsamen Tod seiner Tochter registrierte. Wenn man bedenkt, was im ersten Teil schon mit ihr geschah… „Death Wish 2“ ist für mich ein ebenso unterhaltsamer wie moralisch - und über weite strecken auch filmisch - fragwürdiger Film. Warum ich trotzdem acht Punkte gebe? Ich liebe diesen verstaubten Müll der Siebziger und Achtziger!