Review

Achtung! Text kann Spoiler enthalten!

Ganze 8 Jahre nach dem ersten Death Wish taten sich Regisseur Michael Winner und Charles Bronson für einen weiteren Teil zusammen. Der deutsche Titel "Der Mann ohne Gnade" ist hier ausnahmsweise einmal perfekt gewählt, denn der Titel ist Programm...
Paul Kersey (Bronson) hat es nach dem ersten Teil von New York nach L.A. verschlagen (was nicht gerade ein wirklich besseres Pflaster ist). Dort lebt er mit seiner Tochter, die seit den Ereignissen des ersten Teils immer noch traumatisiert ist und deshalb auch kein Wort redet, aber immerhin schon wieder am Leben teilnehmen kann. Zusätzlich hat Kersey eine neue Lebensgefährtin gefunden (die bezaubernde Jill Ireland).
Die drei verbringen einen Tag auf dem Rummel. Als Paul eine Runde Eis holen will, wird ihm von einer handvoll Straßengangstern die Brieftasche gestohlen. Paul kann nach einer kurzen Verfolgungsjagd zu Fuß und anschließendem Kampf einen der Schurken stellen, doch dieser hat seine Brieftasche nicht. Kersey läßt ihn schließlich laufen. Der Gangster sinnt auf Rache und ermittelt mit dem Rest der Bande, durch die Brieftasche Kerseys, dessen Adresse.
Dort treffen sie ihn aber nicht an, sondern nur dessen Haushälterin, die aufs übelste Vergewaltigt wird (eine Szenenfolge, die wirklich an die Nieren geht - Winner hält voll drauf, hört allerdings rechtzeitig auf, im Gegensatz zu mach neueren Produktionen, wo diese Thematik weit über die Schmerzgrenze "zelebriert" wird). Danach wartet der Mob auf Pauls Rückkehr.
Dieser trifft dann auch später mit seiner Tochter ein, wird überrumpelt und niedergeschlagen. Die Haushälterin wird beim Versuch die Polizie zu rufen getötet. Die Tochter wird kurzerhand als Geisel genommen, später von einem Gang-Mitgleid Vergewaltigt und stürzt sich, auf der anschließenden Flucht aus einem Fenster, in den Tod.
Ab hier an ist Schluß mit "Lustig". Kersey erinnert sich an die Gesichter der Brieftaschenräuber und nimmt sein altes Doppelleben wieder auf.
Diesmal darf Bronson gezielt gegen die Peiniger vorgehen und die haben nichts zu lachen! Nach der gezeigten Gewalt gegen die heile Familienwelt, schlägt Bronson ohne Gnade zurück. Einer nach dem anderen muß dran glauben. Kersey sucht sich in einer heruntergekommen Gegend, in der Nähe eines Gebetskreises, seinen Stützpunkt aus und schlägt von dort aus zu. Ab und an läßt er einen  trocken One-Line heraus ("Glaubst Du an Jesus" "Ja"  "Du wirst ihn gleich treffen...").
Sonst bleibt das Geschehen ohne jeglichen (freiwilligen wie unfreiwilligen) Humor. Die Polizei beginnt auch irgendwann nachzuforschen und sehen irgendwann den Zusammenhang zu den Ereignissen in New York. Detectiv Ocha, aus dem ersten Teil, wird zu Rate gezogen. Der Versucht die Sache natürlich alleine "auszubügeln", wie sollte er auch sonst erklären, das er Kersey damals hat entkommen lassen. Das bezahlt er allerdings später mit seinem Leben, als er Paul bei einem seiner nächtlichen "Ausflüge" hilft. Auch der Versuch, das normale Leben mit der neuen Partnerin aufrechtzuhalten scheitert, da sie hinter Pauls Doppelleben kommt.
Winner legt hier im Gegensatz zum ersten Teil in allen Bereichen eine Schippe obendrauf. Hier muss sich Winner nicht lange mit der Verwandlung Kerseys aufhalten, sondern kann gleich aus dem Vollen schöpfen. Die Gangster gehen absolut kompromisslos vor, was beim Betrachter Sympathien für Kerseys ebenso kompromisslosem Vorgehen legitimiert. Diese müssen auch recht blutig und teilweise "kreativ" ihr Leben lassen.
Das nächtliche, urbane L.A. Anfang der 80er hat Winner wunderbar eingefangen. Man kann den Dreck und Gestank fast fühlen und riechen. Die gesamt Inszenierung kann als gelungen bezeichnet werden (nix mit MTV Epilepsie-Schnittfolgen - Winner hält voll drauf).
Besonders gefallen hat mit der Soundtrack (fast besser als Teil eins). Diesmal realisiert von Jimmy Page, der hervorragend mit fiebrigen Synthiesounds experimentiert hat und mit einem markanten Gitarrenton einen wunderbaren Wiedererkennungseffekt geschaffen hat (er hat einen Geigenbogen über eine E-Gitarre gezogen).
Ein weiterer Unterschied auch, das Paul diesmal von extern Hilfe erhält (einmal von Detective Ocha und am Schluß von der Wache in der Anstalt, wo der letzte Peinger einsitzt). Dies und die finale Schlußszenen (Kerseys warnender Schatten an einer Wand im nächtlichen L.A. und der Tatasache, das er ohne jegliche Strafe davonkommt) ist dann eine weitere heroisierung der Selbstjustiz....
Abschließend bleibt zu sagen:
Gelungene Fortsetzung, die mindestens genau so gut wie der erste Teil ist, nur anderes. Der Gewaltgrad wurde nochmals (auf beiden Seiten) kräftig nach oben geschraubt.
Für Bronson Fans ein Muß, auch wenn der Film nicht mehr ganz den heutigen Sehgewohnheiten entspricht, aber wie soll er auch?

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