Au weia, nach diesem verschlunzten Tierhorrorfilmversuch könnte man glatt meinen, die Japaner seien bislang nicht in der Lage, mehr als ein Godzilla-Plastik-Monster auf die Beine zu stellen.
Stimmt zwar nicht, aber „Nezulla“ ist das beste Beispiel dafür, wie man Rattenhorror komplett in den Sand setzen kann.
Überhaupt, mutierte Ratte, - würde es während des Geschehens nicht mehrfach erwähnt, - ich hätte das Teil glatt für ein nicht verwendetes Testmonster aus „Meet the Feebles“ gehalten.
Und dieses soll nun dafür verantwortlich sein, dass in einer unbenannten japanischen Stadt eine furchtbare Infektionskrankheit ausgebrochen ist.
Zwar entstand die Kreatur bereits vor einigen Jahren (im Zuge von Tierversuchen für unkaputtbare Soldaten), doch seitdem wurde die Versuchsfabrik verriegelt und das Teil hält sich darin auf.
Deshalb quartiert sich eine angebliche Elitetruppe, bestehend aus einem viel zu jungen Sergeant, einer Querulantin, einer ehemaligen Forscherin, sowie einem Spezialagenten plus einiger Namenloser hier ein, um das Ding zu töten und Material für ein Gegenmittel liefern.
Ist aber nicht der einzige Schauplatz, da gibt es auch noch das Krankenhaus in der Nähe, in dem sich Infizierte in Quarantäne befinden. Im Vordergrund stehen hier eine infizierte Mutter, die man von ihrem Baby trennte, sowie ein Arzt und eine Krankenschwester.
Prinzipiell könnte so ein zweiter Handlungsstrang für willkommene Abwechslung zu den eintönigen Laborkulissen sorgen, doch was hier an zwischenmenschlichen Kitsch auf den Zuschauer losgelassen wird, unterbietet jedes drittklassige Soap-Niveau.
Da sinniert der Arzt über seine Berufung und gleichzeitig über die machtlose Situation, während ihm seine Krankenschwester Mut zuspricht, ist okay.
Wenn dann aber die Mutter irgendwie den Quarantäneraum verlässt, um Baby zu sehen, von der Krankenschwester umarmt wird, woraufhin die sich auch infiziert, auf dass der Arzt in stiller Ecke heulend über seine nie geäußerte Liebe jammert, wünscht man den Krankenhausleuten unverzüglich das Rattenmonster an den Hals.
Dieses bleibt jedoch in den Laborräumen und greift solange an, bis zuletzt nur noch Sergeant, Agent und Forscherin (Letztgenannte auch außerhalb, um zum Krankenhaus zu laufen), übrig sind.
Da sämtliche Tötungen im Off stattfinden oder die Opfer einfach nur aus dem Bild gezogen werden, fließt nicht einmal Blut, selbst das Abtrennen eines Armes hat man selten lächerlicher inszeniert gesehen.
Die Kreatur selbst sieht weder furchterregend, noch unfreiwillig komisch aus.
Was man nach knapp einer halben Stunde Laufzeit der Lächerlichkeit preisgibt, ist ein Kunststoffvieh im Aufrechtgang, mit langen, aber stumpf aussehenden Plastikzähnen, roten Klüsen, einer Art Panzerhaut und Krallenhänden.
Gibt im Gesamtbild ein billiges Plastikmonster ab, hat aber so gut wie nichts von einer Ratte.
Und für spannende Momente sorgt es auch nicht. Im Gegenteil. Da lässt man die beiden letzten Überlebenden an der Wand kauernd schwafeln, über typisch amerikanische und japanische Nahrungsmittel und Teile der jeweiligen Vergangenheit, - etwas spät für eine Charakterisierung, da man sich bereits kurz vor Finale befindet. Aber das Monster hat ja Zeit.
Indes wird auch im Krankenhaus weiter voran gemenschelt, der Arzt bricht aufopferungsvoll die Quarantäne, auf dass es immer heroischer zugeht.
Der Höhepunkt an Sülze ist aber erreicht, als sich einer der beiden letzten Typen in den Laborräumen für eine Heldentat aufopfert, während kurz darauf ein Solopiano mit Opernstimme einsetzt. Dazu erklingen sinngemäß Dialoge wie: „Die Mission ist erfüllt, aber ich bleibe hier bei meinem Kameraden, auch wenn er tot ist.“ In weniger als zwei Minuten explodiert zwar das komplette Gebäude, aber was soll´s.
Dass die Darsteller bei alledem teilweise mit Overacting nerven, während einige wenige noch passabel agieren, fällt nicht weiter ins Gewicht. Zumindest nicht so sehr wie der Score, der selten so übel deplatziert wurde. Wie kann man denn nur während ganz alltäglicher Dialogpassagen Trommelwirbel einsetzen und beim Weglaufen oder Verbarrikadieren vor dem Monster fröhliche, „Rondo Veneziano“ – ähnliche Klänge unterlegen?
Während zwischenmenschlicher Passagen hört man natürlich streicherbetonte Schicksalsharmonien, die den Nervfaktor weiter in die Höhe treiben. Aber zumindest passt hier die musikalische Untermalung.
Ansonsten passt jedoch gar nichts. Neben Krankenhaus-Kitsch und unnötigem Geblubber einfältiger Soldaten mangelt es an allem. Null Tempo, null Spannung, null Atmosphäre und ein titelgebendes Monster, das weder Schmunzeln, noch Gänsehaut hervorruft.
Diese krude Mischung kann man selbst eingefleischten Tierhorrorfans keinesfalls empfehlen.
Knapp
2 von 10