Ridley Scott ist ein Regisseur, der seit drei Jahrzehnten immer mal wieder einen Kultklassiker des jeweiligen Jahrzehnts ablieferte. Sei es in den Siebzigern Alien, in den Achtzigern Blade Runner, in den Neunzigern Thelma und Louise und im neuen Jahrtausend Gladiator. Oder etwa doch American Gangster?
Um eines vorweg zu nehmen: American Gangster ist der mit Abstand lässigst inszenierte Film von Ridley Scott, den man wohl gesehen hat. Alles ist derart handwerklich routiniert und solide inszeniert, dass gar nicht angestrengt oder verbissen wirkt. Es wirkt alles derart lässig, dass man fast nur überwältigt sich vom Film erschlagen lassen möchte, von der Inszenierung her wirkt das alles so wie Martin Scorsese gerne es wohl gedreht hätte aber nie konnte magels Können.
Hätte Ridley Scott diesen Stil und diese Fertigkeiten vorher gezeigt, wer weiß, vielleicht wäre ich ein großer Fan geworden.
Aber vielleicht liegt es auch an seinem Alter, dass er mittlerweile auch versucht gute Filme zu drehen und nicht nur Kassenschlager. Nach Königreich der Himmer (Director's Cut) ist dies der zweite Film in kürzester Zeit, der wirklich großartige Anlagen hat und versucht, eine gute Story zu erzählen.
Und ähnlich ist auch dieser Film gelagert: Die Story verspricht letztlich mehr als tatsächlich heraus springt. Es ist hier erneut der erwachsene reifere Anspruch, der jeglichen Popcorn-Action-Mist unterbindet, statt dessen dürfen wir uns am Schauspiel Denzel Washingtons ergötzen. Und so sehr Russel Crowe sich auch müht, seine Figur ist letztlich gegen Washingtons Figur zu schwach gezeichnet und schlecht gezeichnet, auch in keinster Weise überzeugend.
So kommt am Ende die Ankündigung, dass er später irgendwann Washingtons Charakter verteidigen würde, nicht wirklich dem vorher gezeichneten Charakter nahe.
American Gangster nimmt sich die Zeit, den Aufstieg zu zelebrieren und für den Niedergang gibt es schließlich ein Bruchteil an Zeit. Gerade dann, wenn man das Gefühl hat, jetzt geht es endlich zur Sache, ist der Film schließlich zu ende.
Und man wird irgendwie das Gefühl nicht los, dass trotz der fast drei Stunden Laufzeit, man eigentlich fast eine Stunde vorenthalten bekommen hat. Auch dies eine Parallele zu Königreich der Himmel.
Und doch ist dieser Film hier längst nicht so positiv hervor zu heben, denn die erzählte Geschichte ist irgendwie halbgar, irgendwo zwischen Scarface, Good Fellas, der Denunziant und the Untouchables, ohne jemals deren Spannungsbogen zu erreichen.
Dennoch, grandioses Schauspielkino, interessante Tatsachen aus dem Hintergrund, eine sensationell lässige Inszenierung lassen den Film sehr viel besser wirken als er tatsächlich ist.
Sc hlecht ist er nicht, aber sher gut leider auch nicht, da war sehr viel mehr drin, schade....
6 Punkte
P.S.: Eine intteressante Nebenstory wurde hier geflissentlich unter den Teppich gekehrt, welche dem Film eigentlich nur besser getan hätte und ein bißchen Sozialkritik dazu gegeben hätte: Es heißt in besonderen Kreisen, dass das Us-Militär nicht nur von dem Drogenschmuggel gewußt hätte, sondern es auch subventioniert hätte, weil man die schwarze Bevölkerung abhängig und dumm amchen wollte. Ob das tatsächlich stimmt, sei zwar mal dahin gestellt, aber in Filmform wäre es allemal interessant gewesen, Mario von peebles beispielsweise hätte daraus sicherlich einen fetten Action-Reißer gemacht, ohne tiefen Sinn, aber das wäre mal eine Alternative, falls man mal eine Art Remake planen sollte.