Nach einer wahren Begebenheit: Nach dem Tod eines New Yorker Unterweltbosses, übernimmt sein ehemaliger Fahrer Frank Lucas, gespielt von Denzel Washington dessen schwarze Geschäfte. Über Mittelsmänner beim amerikanischen Militär schmuggelt er während des Krieges Drogen aus Vietnam nach New York und verkauft diese wesentlich günstiger, als seine Konkurrenz, womit er zum größten Gangster der Stadt aufsteigt. Doch der Polizist Richie Roberts, gespielt von Russel Crowe, und dessen Einheit sind ihm bereits auf der Spur.
Nach "Der Pate", "Goodfellas" und "Heat" wurde es ja mal Zeit, dass endlich noch einmal ein Gangsterfilm mit Klasse und Stil erscheint, zumal gerade moderne Gangsterfilme durch übertriebene Action oder unbeholfenen Humor nicht an die Juwelen des Genres anknüpfen konnten. Doch Altmeister Ridley Scott ändert dies schlagartig, indem er, wie schon Martin Scorsese bei "Goodfellas" einen Gangsterfilm nach wahrer Begebenheit stilvoll und fast schon beängstigend virtuos in Szene setzt. Das Erzähltempo ist langsam und getragen, damit wirkt der Film die ganze Zeit über angenehm ruhig, ohne dabei auch nur im Ansatz Langweile aufkommen zu lassen. Durch sein optisch brilliantes Spiel mit Licht und Schatten wirken die Bilder über weite Strecken edel und stilvoll, schaffen aber gleichzeitig eine düstere Atmosphäre. Scott räumt der ausführlichen Charakterkonstruktion der beiden Hauptfiguren viel Raum ein und baut somit neben der Spannung auch Dramatik auf, wie man es bei einer Biografie benötigt. Auch die Umfelder der einzelnen Figuren werden hervorragend dargestellt und auch diese Milieustudien inszeniert Scott clever und gekonnt. Die Kulisse stellt einerseits die Elendsviertel von New York gut dar, ist über weite strecken aber auch edel und geschmackvoll. Die Musik ist hervorragend und passt mit ihren stilvollen und nostalgischen Klängen ebenfalls hervorragend zum überragend inszenierten Film. Darüber hinaus setzt Oscar-Preisträger Ridley Scott auch seine beiden glänzenden Hauptdarsteller überragend in Szene. Nach seinen Meisterwerken "Alien" und Blade Runner" befindet sich der Altmeister seit der Jahrtausendwende mit Filmen wie "Gladiator", "Königreich der Himmel" oder "Black Hawk Down" auf dem Höhepunkt seiner Karriere und auch nach "American Gangster" hat der Oscar-Preisträger schon neue Projekte in der Planung. Der einzige kleine Kritikpunkt bei Scotts Umsetzung bleibt, dass der Film durch den parallelen Erzählstil der Ereignisse um Lucas und Roberts ein bisschen langsam anläuft.
Wie schon in "Training Day" oder "Man on Fire" beeindruckt Denzel Washington erneut in der Rolle eines überaus brutalen Charakters. Er stellt die beiden Seiten seiner Figur hervorragend dar und kann sowohl bei den brutalen Ausrastern seiner Figur, als auch bei den familiären und emotionalen Momenten voll und ganz überzeugen. Er leistet sich keinen einzigen Fehler und passt sich der düsteren Umsetzung des Films mit seiner überaus undurchsichtigen Spielweise an und liefert sich mit seinem ebenfalls überzeugenden Kollegen Russel Crowe einen überaus spannenden Kampf. Crowe, den man noch aus überaus heroischen Rollen in "Gladiator" oder in "Master and Commander" kennt, nimmt man die Rolle des tollpatschigen und chaotischen Polizisten nicht so ganz ab, obwohl er sich sichtlich bemüht diesen zu verkörpern. Unter Ridley Scott läuft er mal wieder zur Hochform auf, sodass sich auch diese leichte Fehlbesetzung verschmerzen lässt. Ruby Dee spielt die Rolle von Lucas` Mutter überaus überzeugend und rechtfertigt ihre Oscar-Nominierung und auch der übrige Cast, zu dem unter Anderem Oscar-Preisträger Cuba Gooding jr. gehört, leistet gute Arbeit.
Bei vielen Dramen nach wahrer Begebenheit, die sich in Hollywood in letzter Zeit immer größerer Beliebtheit erfreuen, beschleicht einen als Zuschauer des Öfteren der Verdacht, dass die Begebenheit an einigen Stellen überzogen wird oder, dass gewisse Situationen und Ereignisse an einigen Stellen übertrieben oder dramatisiert werden, doch dieser Beigeschmack entsteht hier nicht. Da die Charakterkonstruktion im Film überaus genau und ausführlich ist, bekommt man nicht das Gefühl etwas zu verpassen. Darüber hinaus scheint nichts übertrieben dramatisiert worden zu sein und auch die Brutalität hält sich im Film bis auf ein paar kleinere Stellen in Grenzen. Auch die Hintergründe der Figuren und sämtliche Nebenfiguren, die eine wichtige Rolle spielen sind im Film vertreten, womit man als Zuschauer überhaupt nichts verpasst, auch wenn es stellenweise etwas schwer werden kann, den Überblick zu behalten. Die interessante Geschichte wird spannend und unterhaltsam präsentiert und damit ist "American Gangster" einer der besten Filme 2007.
Fazit:
Die überaus interessante Biografie des afroamerikanischen Unterweltbosses Frank Lucas wird in "American Gangster" spannend vermittelt. Durch die virtuose, stilvolle und optisch brilliante Umsetzung von Ridley Scott und wegen der beiden hervorragenden Hauptdarsteller wird der Film perfektioniert und kann nach dem etwas langatmigen Anfang bestens unterhalten. Unbedingt ansehen.
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