Gangster- und Polizisten Filme besitzen in Hollywood eine lange Tradition. Regisseur Ridley Scott ist es nun bei American Gangster gelungen beides in einem Streifen zu vereinen. Parallel wird einerseits die Geschichte des Gangsters Frank Lucas (Denzel Washington) als auch des Detectives Richie Roberts (Russel Crowe). Beide Figuren sind wie aus einem Lehrbuch für amerikanische Filmhistorie entsprungen. Frank Lucas ist der ehemals kleine Ganove der sich langsam dank seine Cleverness und einfachen Prinzipien nach oben kämpft. Richie Roberts ist der typische unbestechliche aber hartgesottene Bulle, der schon mal etwas die Grenzen der Legalität übertritt und gegen einen Sumpf aus Korruption antritt. Beides hat man bei zahlreichen Vorgängern gesehen und so bleiben leider allzu große Überraschungen aus.
Der Satz im Vorspann „Based on a true Story" lässt mich jedesmal leicht zusammenzucken. Der Regisseur legt sich so selbst Steine in den Weg. Denn nun ist Realität und wirklichkeitsgetreue Abbildung der Vorgänge und korrekte Darstellung der Protagonisten gefragt. Genau hier liegt auch mein erster Kritikpunkt. Der eine oder andere findet immer ein Detail dass es so in dieser Zeit nicht gegeben hatte. In einer Rückbetrachtung einzelner Szenen glaubt man als Zuschauer einfach nicht dass diese so passiert sind. Richie Roberts hat z.B. einen Mafiafreund. Nun ja ob dieser Umstand der Realität entspricht oder nicht. Es ist so typisch Klischeehaft weil man es einfach schon zu oft in ähnlichen Filmen gesehen hat. Außerdem was passiert mit seinem Freund als Richie zum finalen Stoß gegen das Drogenkartell ausholt? Leider wird auf diesen Umstand nicht mehr eingegangen. Doch diese Nebenfigur ist wie alle anderen bei Scott diesmal nur Nebensache. Der Mikrokosmos von American Gangster beschränkt sich auf 2 Personen: dem intelligenten Gangster und dem durch die Wand wollenden Polizisten.
In dem Ridley Scott nicht auf die vielen Nebenfiguren eingeht schafft er mehr Raum für seine Hauptfiguren. Sehr detailiert und von epischer Größe beschreibt er nun das Leben beider. Ridley Scott hat dank Denzel Washington ein Problem im Film. Frank Lucas ist einfach zu sympathisch. Also musste die eine oder andere Drogenleiche ins Bild gerückt werden. Auch darf Frank Lucas hin und wieder Gewaltausbrüche zelebrieren. Obwohl Denzel Washington ein guter Schauspieler ist so wenig wirkte er für mich als Gangster. Auf der anderen Seite wirkt Richie Roberts so gar nicht sympathisch und so ist es auch kein Wunder dass seine attraktive Exfrau (dargestellt von Carla Gugino)ihn immer wieder vor Gericht zitiert. Russel Crowe's Rolle kam mir eher wie eine Neuauflage aus L.A. Confidental vor aber weniger brutal.
Ridley Scott gelang es auch bei American Gangster wiedermal eine Welt kreieren die Mischung aus Fiktion und Realität ist. Kleidung, Fahrzeuge und vor allem die Musik wurde an die 60/70er Jahre angepasst. 70er Jahre Feeling kommt auf wenn Frank Lucas mit Pelzmütze und Nerzmantel zu einem der größten Boxkämpfe aller Zeiten geht (Muhammed Ali - Joe Frazier). Die Bezugnahme zum Vietnamkrieg darf natürlich nicht fehlen. Sie ist sogar ein wichtiger Bestandteil der Handlung denn über Vietnamsoldaten bezieht Frank Lucas seine Drogen. Auch das Thema Rassismus in den USA wird leicht gestreift. So glauben Beamte aus Washington einfach nicht, dass ein Schwarzer aus Harlem über der Mafia stehen soll.
Dadurch, dass dem Zuschauer ein altbewährter Cocktail serviert wird, bleibt der Film von Anfang bis Ende unterhaltsam. Der Spannungsbogen (Wird Frank erwischt und bekommen alle bösen Buben die Strafe die sie verdienen?) wird langsam und vielleicht auch ein bisschen zu zäh aufgebaut. American Gangster ist einfach ein gutgemachter unterhaltsamer Krimi der eine gewisse Ästhetik aufweist. Vielleicht ist er ein klein wenig zu ästhetisch und folgt zu brav sämtlichen Regeln dieses Genres.