Man könnte als Einleitung gut über die Bedeutung des Wortes `Konsequenz` herum philosophieren. Über Kausalitäten, über die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung, - aber schließlich haben wir es hier nicht mit einem typischen Inarritu-Film zu tun, sondern mit dem eines Regie-Debütanten.
Und der versucht einfach nur, auf der momentan andauernden „Hostel“ – Welle zu surfen, zumindest erinnern hier einige Elemente überdeutlich an den Überraschungserfolg von Eli Roth.
Fünf Freunde sind sie seit ihrer Jugend: Max, Norm, Jimmy, Nick und Jason. Seit Jahren feiern sie zusammen, saufen und koksen gemeinsam und kümmern sich rein schwanzgesteuert um das andere Geschlecht. Obgleich die meisten mittlerweile verheiratet sind und Kinder haben, wird jedes Jahr ein Trip zu einem Footballspiel unternommen.
In diesem Jahr geht es nach Philadelphia, wo Nick und Jason in einem Club von zwei Trusen abgeschleppt werden. Noch ahnen die drei anderen nicht, dass ihre Freunde sich schon bald in der Gewalt eines durchgeknallten Mannes befinden, der mit ihnen „Schock-Pornos“ drehen will.
Ähnlicher Ablauf wie „Hostel“ also. Eine übermäßig lange Einführung der Figuren mit viel Party, albernen Dialogen, Sex und Drogen aller Art. Dann die Reise unter gleichen Bedingungen, mit fröhlichen Menschen, die ihrer puren Lebenslust frönen, und dann der Bruch in Form von Abschleppen durch Mädels und anschließender Gefangennahme mit Folter.
Wobei man hier unter Folter die Vergewaltigung zweier Männer verstehen muss, die, in Ketten gelegt, ihren Arsch hinhalten müssen.
Klingt zunächst in jeder Hinsicht furchtbar, gestaltet sich jedoch in allen Belangen harmlos.
Und da beginnen auch schon die Probleme, denn so richtiges Mitfiebern ist hier nicht gewährleistet.
Zum einen sind die Opfer zu schwach charakterisiert und zum anderen ist der Bösewicht auch nicht so ganz ernst zu nehmen.
Dieser nennt sich selbst der „Regisseur“, hält sich einen S/M-Sklaven und wurde optisch ein wenig dem Jigsaw-Killer nachempfunden. Der Typ gibt jedoch viel zu dösiges Zeug von sich, schüchtert seine Gefangenen kaum ein und schwuchtelt stattdessen mit seinen Ledertypen an Ketten herum, als bedrohlich zu wirken. Eine unberechenbare Grausamkeit traut man dem zumindest nicht zu.
Zudem – das sollte eigentlich selbstverständlich sein – finden sämtliche Vergewaltigungsvorgänge im Off statt und werden mit schmerzverzerrten Gesichtern und offensichtlichen Handbewegungen angedeutet.
Allerdings finden auch weitere Gewalthandlungen weitestgehend außerhalb der Linse statt, nur ein kurzer Kehlenschnitt ist zu sehen, ansonsten spritzt mal vorsichtig Blut in die Gesichter der Figuren.
Ohnehin stehen hier mehr Koksen, Softsex und Clubbesuche auf dem Programm, was leider lange Zeit das Geschehen dominiert, - auch während sich die zwei bereits in der Gewalt des Filmers befinden. Zwar werden die Verschleppten von den übrigen rasch vermisst und man wendet sich an einen Detective, doch die Suche gestaltet sich ziemlich spannungsarm.
Im Gegenteil, sie bringt gegen Ende noch eine völlig hanebüchene Situation mit sich, in der klar wird, dass die Typen sich bereits allen klaren Menschenverstand aus dem Hirn geschnupft haben müssen.
Immerhin hält die finale Klärung der Motivlage noch eine kleine Überraschung parat, auch wenn die Begründungen hierfür reichlich dünn ausfallen.
Von den Figuren erfährt man zwischenzeitlich zwar eine Menge Fakten, aber die meisten davon sind zu nichtig und austauschbar, lediglich Heldenfigur Max wird etwas mehr Tiefe verliehen. Der betrügt als einziger nicht seine Frau, steht für seine Freunde ein und hat vor Jahren einer Hure aus der Patsche geholfen, der im Verlauf noch eine wesentliche Funktion zuteil wird.
Wirklich inspiriert wirkt der Stoff jedoch zu keiner Zeit, da trotz geringer Laufzeit von rund 85 Minuten ständig Leerlaufsituationen hinzunehmen sind.
Dazu arbeitet die Kamera auf Hobbyfilmer-Niveau, besonders bei Aufnahmen mit Personen in Außenkulisse wirkt das wie ein halb verwackeltes Homevideo.
Auch die Darsteller können nicht wirklich überzeugen, sie agieren allenfalls brauchbar, da hier die meisten von ihnen ihr Debüt bestreiten.
So hat man am Ende nichts Halbes und nichts Ganzes, von allem ein bisschen zu wenig.
Die Szenen mit den Gefangenen wollen nicht so recht zum Mitfiebern einladen, während sozialkritische Ansätze bezüglich des Titels mehr oder weniger im Sande verlaufen.
Demzufolge gestaltet sich „Consequences“ zwar nicht gänzlich langweilig, doch die guten Ansätze über Freundschaft, Zusammenhalt und doppeldeutige Moral hätten weitaus mehr Tragik bedurft, um einen „Siehste, das haste jetzt davon!“ – Effekt zu bewirken.
Knapp
4 von 10