Horrorfilm ohne Horror
Der dänische Horrorstreifen „Midsummer“ aus dem Jahre 2003 hinterlässt nach circa 90 Minuten den Eindruck einer durch und durch durchschnittliche Gruselgeschichte, die man sich gerne ansehen kann, aber keinesfalls muss. Er ist weder besonders gut noch wirklich schlecht sondern einfach triviale Konfektionsware, die vielleicht im jeweiligen Heimatland durchaus zu einem DVD- bzw. TV- Erfolg werden kann am internationalen Parkett aber nichts verloren hat.
Umso erstaunlicher fand ich somit die Tatsache im Zuge einer Internetrecherche auf die DVD- Auswertung des amerikanischen Films „Solstice“, ganz offensichtlich ein Remake von „Midsummer“, zu stoßen.
Ich fing an darüber nachzugrübeln was mit größerem Budget und einem besseren Drehbuch aus der durchaus gelungenen Idee des dänischen Originals herauszuholen ist, um der Handlung mehr Leben einzuhauchen und die Spannungsschraube nach oben zu drehen. Außerdem brannte ich darauf zu erfahren ob der amerikanische Regisseur den Film flüssiger und origineller gestalten konnte als sein dänischer Kollege. Vergeudete Liebesmüh wie sich herausstellen sollte, denn leider geht die Entwicklung von „Solstice“ eher in die Entgegengesetzte Richtung. Der Film bietet nämlich nicht nur nichts Neues, sondern begeht zusätzlich auch noch mehrere unverzeihliche Kapitalfehler, die man sich vor allem im Horrorgenre einfach nicht erlauben kann und darf.
· Der Plot von „Solstice“ wird spannungsarm unters Volk gebracht, was vor allem bei einem Film dieser Sorte ein Paradoxon darstellt (oder besser darstellen sollte). Es ist das Selbe wie einen Hamburger ohne Fleisch zu servieren und auf Gästeapplaus anstatt eine Kündigung zu warten. „Solstice“ schleppt sich somit über weite Strecken emotionslos von einer Dialogszene zur nächsten und ist dabei so pseudo- tiefgründig, dass man sich beinahe übergeben muss.
· Weiters werden die mittelmäßigen Schauspieler viel zu sehr in den Mittelpunkt gerückt und zu tiefgründigen Dialogen und Gefühlsausbrüchen genötigt. Das kann man sich vielleicht mit einem Jeffrey Combs oder einem Bruce Campbell erlauben jedoch auf keinen Fall mit dieser B-Serien Garde aus dem Nachmittagsprogramm, die schon mit einer Statistenrolle in „Dawsons Creek“ überlastet gewesen wäre.
· Was aber am Schwersten wiegt ist die Tatsache, dass der Film ein durchschnittliches dänisches Original Bild für Bild und somit auch Schwäche für Schwäche kopiert ohne auch nur den Versuch zu starten etwas Neues einzubauen oder die mangelnde Spannung im Mittelteil und die unterdurchschnittliche Auflösung zu verbessern. Es werden somit einfach Szenen und Fehler des Originals wiederholt und für den amerikanischen Markt recycelt.
Inhaltlich gibt es nicht viel zu sagen (außer man will auch den letzten Funken Spannung im Keim ersticken).
Der Film beginnt mit der Fahrt einer scheinbar eingeschweißten Clique zu einem Ferienhaus um die Sommersonnwende (Solstice) zu genießen. Nach und nach wird dieses Idyll jedoch gestört, da die Anwesenheit im Haus Erinnerungen auslöst, die alle Beteiligten nur allzu gerne vergessen würden. Was folgt ist eine unterdurchschnittlich interessante Gruselgeschichte mit einem pseudo- überraschenden und amerikanisch weichgespülten Ende.
Man könnte jetzt natürlich behaupten, dass meine schlechte Meinung von „Solstice“ darauf zurückzuführen ist, dass ich das Original bereits vor Jahren (damals noch auf VHS) gesehen habe und mich daher nach zwei Minuten keine Szene mehr überraschen konnte. Ich behaupte jedoch, dass der Film schlicht und ergreifend langweilig und ereignislos war und es meine Meinung auch nicht weltbewegend geändert hätte, wenn ich das Original nicht gesehen hätte. Das wiederum macht den Eindruck des Films keinesfalls besser sondern höchstens schlechter, da den lieben Herrn Regisseur schließlich niemand dazu gezwungen hat die Originalstory 1:1 abzumalen und weder seinen Charakteren noch seiner Inszenierung Tiefe zu verleihen.
Ich kann mir immer noch nicht erklären warum die Bosse in Hollywood aus der Masse an guten internationalen Horrorwerken ausgerechnet solch einem 0815 Werk die (zugegebenerweise zweifelhafte) Ehre zu Teil werden ließen es mit amerikanischen Jungdarstellern wiederaufzulegen.
Das digitale Gespenst des kleinen Mädchens („Ringu“ lässt grüßen) ist passabel umgesetzt, haut aber in Zeiten in denen sogar in C-Movies wie dem Tierhorror „Frankenfish“ realistische Effekte geboten werden auch keinen mehr vom Hocker.
Das Wort Gore im Zusammenhang mit diesem Film in den Mund zu nehmen ist weiters wahrscheinlich ebenso angebracht wie bei einer Hure von Jungfräulichkeit zu sprechen.
Was bleibt sind eine nette Grundstory, zwei durchaus spannende Sequenzen, die (immer genialen) Auftritte von R. L. Ermey ("Full Metal Jacket"), der Geschmack von Cola aus dem Pappbecher im Mund und eine BH Szene der himmlischen Amanda Seyfried („Alpha Dog“).
Fazit:
„Solstice“ ist somit sicher nur Kompletisten und Personen, die sich lieber harmlose Horrorfilme (zur Beruhigung ihrer Nerven) ansehen, anstatt sich mal so richtig gruseln zu lassen, zu empfehlen.
Trotzdem (gerade noch) 4/10 eingerissenen Fingernägeln für dieses schlecht synchronisierte Remake eines dänischen Teenagerstreifens