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In der Kleinstadt Poughkeepsie im Bundesstaat New York stürmt die Polizei ein scheinbar gewöhnliches Wohnhaus. Im Inneren stoßen die Beamten auf eine Sammlung von 800 Videobändern. Es sind die Aufzeichnungen von Edward Carver ein Serienkiller, der über Jahre hinweg seine Taten minutiös dokumentiert hat. Mit der Sichtung der Aufnahmen tauchen Polizei und FBI in einen sadistischen Alptraum aus Folter, Verstümmelung und Mord ab. Noch ist Carver auf freien Fuß und der Verbleib seiner Opfer ungeklärt.

Da haben wir es wieder – das Found-Footage-Genre, das mittlerweile deutlich an seine Grenzen stößt. Zu oft hat man das alles schon gesehen, und selbst der Letzte hat inzwischen begriffen, dass diese „zufällig gefundenen Aufnahmen“ natürlich gestellt sind.

Wobei das im vorliegenden Fall fast schon etwas zu hart wäre. Denn der Streifen ist durchaus eindringlich und stellenweise auch ziemlich spannend inszeniert. Vielleicht wäre er als klassischer Spielfilm sogar besser aufgehoben gewesen, denn manche Szenen sind wirklich beängstigend, und die subjektive Kamera wirkt an einigen Stellen schon gespenstisch real.

Man muss dem Film allerdings zugutehalten, dass er bereits 2007 entstanden ist und bis heute keinen Verleih gefunden hat. Wäre er damals regulär erschienen, hätte er deutlich mehr schockiert als heute, wo man das Spielchen längst durchschaut hat.

Dabei ist das Genre noch nicht komplett tot, wie zuletzt BODYCAM gezeigt hat. Der Film verzichtet auf das „basierend auf wahren Begebenheiten“-Getue und setzt stattdessen einfach auf die Perspektive einer Bodycam – das hatte tatsächlich noch etwas mehr Charme.

Trotzdem ist The Poughkeepsie Tapes innerhalb seines Genres durchaus gelungen. Einige Szenen gehen schon ordentlich an die Grenzen, und ich bin ehrlich gesagt überrascht, dass der Film ab 16 freigegeben ist – solche Bilder sieht man teilweise nicht mal in manch fragwürdigen Schmuddelproduktionen.

Fazit: Wäre der Film damals regulär erschienen, hätte er eine ganz andere Wirkung entfaltet. Heute ist man einfach zu abgeklärt. Trotzdem bleibt ein insgesamt gelungener Genrebeitrag, der gegen Ende sogar noch mit einer richtig starken Wendung aufwartet. Die teilweise hohen 9er-Bewertungen meiner Kollegen bei OFDb kann ich allerdings nicht ganz nachvollziehen.


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