Review

Seinerzeit konnte Danny Boyle mit „28 Days Later“ ein wenig frischen Wind ins Zombiesubgenre bringen, obgleich es sich im Eigentlichen ja gar nicht um Zombies handelt, sondern um wilde Infizierte, die sich wie solche gebärden.
Egal, der Streifen konnte zumindest über weite Teile eine stimmige Endzeitatmosphäre aufweisen, die solange hielt, bis das Militär ins Spiel kam.
Hier ist das Militär nahezu von Beginn an dabei und man hat eher den Eindruck einer Variante von „Land/Dawn/Day of the Dead“, - also viel Gekröse mit ordentlichem Tempo, aber kaum markanten Momenten.

Eigentlich schien die Seuche rund um London besiegt, doch nach der titelgebenden Zeit bricht sie erneut aus. Und warum? Weil ein paar Drehbuchautoren einigen Figuren unfassbar viel Blödheit andichten.
Ist ja noch nachvollziehbar, wenn Don (Robert Carlyle) als Einziger die Flucht vor Infizierten überlebt, während er seine Frau zurücklässt. Man kann auch verstehen, dass er seinen Kindern Tammy (Imogen Poots) und Andy (Mackintosh Muggleton) nicht die Wahrheit über Moms Schicksal berichtet.
Als sich diese beiden jedoch in einem vom US Militär bewachten Gebiet mit Scharfschützen mal einfach so aus dem Staub machen, ohne direkt aufgehalten, sondern stattdessen verfolgt zu werden, bröckelt so langsam die Logikfassade.
Schlimm wird es aber erst, als Mom gefunden, in der medizinischen Basis untersucht wird, sie offenbar infiziert ist, aber keine typischen Symptome zeigt, was im Kontext als medizinische Sensation angesehen werden muss.
Deshalb wird diese Sensation auch völlig unbeaufsichtigt gelassen, damit Ehemann Don zu ihr geht, sie natürlich gleich mit einem innigen Zungenkuss begrüßt, woraufhin bei ihm spontan die Seuche ausbricht. Und selbst da bekommt das Militär nicht mit, wie ein wild gewordener, überaus aggressiv brüllender Kerl, ohne weiteres aus dem Gebäude gelangt.
Gut, die Seuche haben wir jetzt wieder, aber der Weg dorthin ist ein völlig absurder.

Im Folgenden haben wir das Genreübliche: Das Militär sieht sich machtlos, kann zwischen Gesunden und Infizierten nicht mehr unterscheiden und es wird Stufe Drei von „Code Red“ ausgerufen.
Also ballern die Scharfschützen auf alles und jeden, wobei man diesen Umstand als politische Anspielung auf diverse US-Armee-Einsätze durchgehen lassen mag.
Was letztlich folgt, ist die Flucht einer kleinen Gruppe Überlebender zwischen Scharfschützen und Infizierten.

Anders als bei „28 Days Later“ erhält man hier jedoch kaum die Möglichkeit, sich eine Identifikationsfigur herauszufischen. Das könnten zwar die beiden Kinder sein, doch die stehen nicht deutlich genug im Vordergrund, ein Sergeant hätte auch das Potential, doch der taucht einfach zu spät auf. Dann noch eine Ärztin, aber auch die kann wenig Heldenhaftes beitragen. Man wünscht zwar niemanden ein frühzeitiges Ableben, Mitfiebern erleichtert diese Tatsache aber auch nicht.

Und so muss man diversen Scharfschützen ausweichen, Zuflucht an einem ehemaligen Zirkus-Stellplatz suchen, sich im Auto einschließen, weil draußen Giftgas eingesetzt wird (da reicht ein Pulli vorm Mund…), weg sein, bevor in ein paar Minuten Brandbomben eingesetzt werden (was optisch recht knallig derb umgesetzt wurde) und sich letztlich mit einer Infra-Rot-Kamera durch einen U-Bahn-Schacht quälen (was anstrengend zu verfolgen ist), bis man zwischen Sportstadion und Helikopter scheinbar zur Ruhe kommt.
Über mangelndes Tempo kann man sich bei alledem nicht beklagen, doch dem Ablauf fehlt schlicht das Besondere, etwas, dass ihn von zeitgenössischen Genrebeiträgen abhebt.

Und damit meine ich weniger die hektische, oft unübersichtliche Inszenierung des Ganzen, was auf Wackelkamera und schnelle Schnitten zurückzuführen ist.
Teilweise kommt die Handkamera inmitten eines Angriffs ja recht wirkungsvoll und aktionsnah rüber, aber die wird häufig auch an völlig unnötigen Stellen eingesetzt, so dass man hier definitiv von Überstrapazierung sprechen kann. Nein, muss. Denn man könnte fast annehmen, eine Wackelkamera, schnelle Schnitte und Halbdunkel sollten einmal mehr die Unfähigkeit eines Effektdesigners übertünchen, obgleich stellenweise recht viel Blut durch die Gegend spritzt, so mit Augen eindrücken, brennenden Leuten und einer tollen „mit Helikopter-Rotor durch Meute schnetzeln“ – Szene.
Ausgleichend gibt es zwar ein paar recht hübsche Vogelperspektiven auf ausgestorbene Stadtteile Londons, aber in Actionteilen fehlt mir da teilweise eine klarere Übersicht des Ganzen.

Positiv sei nebenher aber noch die musikalische Untermalung von John Murphy erwähnt, der bereits für den ersten Teil einen brauchbaren Score ablieferte.
Hier scheinen mir die Tracks jedoch noch treffsicherer eingesetzt, vor allem das Hauptthema punktet an einigen Stellen deutlich.

Am Ende steht „28 Weeks Later“ sicher nicht als misslungener Film da, denn dafür ist das Tempo ordentlich, der Blutgehalt in Ordnung und die Darsteller allesamt mindestens brauchbar. Aber im Vergleich zum Original mangelt es mir hier an wahrer Endzeitatmosphäre, dem totalen Ausweglosen, der Angst, letzter Mensch auf der Erde zu sein. War vielleicht auch nicht beabsichtigt, aber so stellt diese Fortsetzung lediglich einen durchschnittlich brauchbarren Genrebeitrag dar, der sich durch nichts von der Masse abhebt.
Und den dritten Teil sehe ich auch schon kommen, wird wohl so etwas wie „28 Years Later“ oder „An American Virus in Paris“ werden…
6,5 von 10

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