Viren lassen sich nicht so einfach ausrotten, ebensowenig wie schlechte Drehbücher. Dieses hier versucht die Story um die menschliche Tollwutepidemie fortzuschreiben, die in Großbritannien ihr Unwesen treibt. Sie beginnt mit einem infernalischen und atmosphärisch dichten Opener, träufelt im Anschluss vor sich hin, schießt dann auf der logischen Ebene einige Böcke, um wieder an Fahrt zu gewinnen, bietet Massenpanik, wieder Böcke, altbekanntes Flüchten und ein zugegeben recht unerbittliches Zehn-kleine-Britannier-Prinzip. Wir wollen uns also nicht fragen, wie Jugendliche spielend eine angeblich hochgesicherte Zone verlassen können, warum eingepferchten und, sagen wir es mal so, leicht aufgebrachten Menschen das Licht abgeschaltet wird (damit sie sich beruhigen?) oder warum es zu schwer ist, den Scharfschützenkumpel oben auf dem Dach, mit dem man eben noch lässig einen auf "Das Fenster zum Hof" gemacht hat, über Funk zu bitten, jetzt nicht auf einen zu schießen? Nein, nicht möglich, wir befinden uns im Code Red.
Die Green Zone war gerade noch im Begriff, revitalisiert zu werden - unter amerikanischer Militäradministration. Auf den ersten Blick soll das alles wohl den Irak auf die Insel, mitten in ihr Herz, London, projizieren. Nur dass es nichts zu besetzen als vielmehr zu verteidigen gibt. Vor allem den langsamen Neuanfang einer Metropole, die wieder beginnende Urbanität, die in "28 Weeks later" lebendiger eingefangen wird als in Romeros kulissenhaftem Zombie-Revival "Land of the Dead". Ohnehin sieht dieses Stück aus wie ein A-, wenngleich es klingt wie ein B-Film. Über die visuellen Effekte kann man nicht klagen, Schwindelfreiheit vorausgesetzt, denn die Kamera ist zuweilen ganz subjektiv mitten im Geschehen und taumelt wie ebenso wutinfiziert durch die Gefilde. Dazu ein paar Goreszenen, Hubschrauber inklusive, dessen Rotorenmähermann am Steuerknüppel munter Infizierte wegsenst, wo sich Lionel in "Braindead" noch mühsam mit Rasenmäher versuchte.
Es ist wohl anzunehmen, dass im Irak diese Technik nicht praktiziert wird. Und wenn hier nun wirklich etwas erschüttert und mit Allegorien kokettiert, dann vielleicht der rabiate Umgang mit Menschenmaterial. Man muss es so drastisch formulieren, denn nicht nur dass Sympathieträger kompromisslos geopfert werden, es ist auch das Menschsein an sich, das man in dieser Notlage für unantastbarer denn je halten würde, dessen Wert jedoch auf eine harte Probe gestellt wird. Im Code Red ist Friendly Fire Methode, spielt keine Rolle, ob Wutzombie oder nicht, ballert auf alles, was rennt, ballert auf alles, was sich bewegt, ballert auf alles, was atmet.
Ich fühlte mich an Maul- und Klauenseuche und an Vogelgrippe erinnert; nur dass sich der für Menschen gefährliche H5N1-Erreger hier in eine mutationsbedingte Immunität umkehrt und einen gesunden Phänotyp auftreten lässt, ein guter Homo5N1 könnte man sagen, dessen Hoffnungsschimmer dem Pessimismus des Endes allerdings vorerst nicht gerecht wird. Und wenn "28 Weeks later" nun etwas zeigt, dann, wie man Menschen keult. Wir wissen ja, wie es sich verhält, wenn auf einem Bauernhof ein Tier erkrankt: Der ganze Bestand wird notgeschlachtet. In aller Hilflosigkeit und Panik sehen wir dieses Bild hier im Prinzip auf Menschen angewandt. Alles Lebende, was das Scharfschützenvisier erfasst, wird eliminiert, um den weiteren Ausbruch einzudämmen. Dann folgt die ganze Palette: Brandbomben und Giftgas hinterher. Gebracht hat es nichts, in 28 Monaten sieht man sich wohl wieder, denn eine Pandemie sucht sich ihren Weg.