Review

Klasse Fortsetzung eines genrewiederbelebenden ersten Teils!

Auch 28 Wochen danach geben sich die "Zombies" keinen Deut langsamer als nach 28 Tagen! Was von Vielen im ersten Teil noch als zu innovativ und anders gegenüber Genreklassikern wie DotD bemängelt wurde, hat durch die Etablierung im gleichnamigen Remake die Meisten wohl doch überzeugt und so finden auch hier die Untoten sehr flink ihre menschliche Frischfleischbeute. Unterstütz wird die überaus aggressive Agilität der Zombies durch ein Stakkato schneller Schnitte und unglaublich intensivierende immer lauter und schneller anschwellende musikalische Untermalung. Waren mir bisher Umschnittorgien und wackelige Handkameraführung immer ein arger Dorn im Auge, sind diese hier wirklich zum Gesamtbild zuträglich eingesetzt und verdeutlichen extrem den Terror! Dazu ein fantastisch intensiver (und abwechslungsreicher) Score, der während des gesamten Films in solchen Szenen eingesetzt wird, von ruhig und leise bis hin zu schnell(er) und laut anschwillt, so dass dem Zuschauer gar nichts anderes übrig bleibt, als schweißnass und vom Terror gefesselt in den Sitz gepresst zu werden. Von der technischen Seite her absolut gelungen! Kaum ein Film vermag den Stress, den Horror, ja den blanken Terror besser zu verdeutlichen als dieser!

Dazu kommt eine herrlich düstere apokalyptische Szenerie. Die Atmosphäre die hier verbreitet wird ist einfach nur genial: Von leichtem Hoffnungsschimmer am Anfang, über Trostlosigkeit und Verzweiflung bis hin zu reiner Ausweglosigkeit.

Dazu eine grundsolide und in ihren Kausalzusammenhängen gut ausgearbeitete Story. Gerade wie die erstklassige Eingangssequenz und der darauf folgende Familienplot mit den Ursachen des Wiederausbruchs der Seuche verwoben wurde, wusste mir zu gefallen.

Auch in 28 Weeks Later... spielt wie im Vorgänger das Militär eine entscheidende Rolle. Waren es im ersten Teil noch vollkommen dezivilisierte Soldaten, die anfingen ihre eigenen Regeln zu machen, weit weg vom Kontrollsystem und Tief im Chaos, so tritt das Militär hier überaus realistisch und diszipliniert auf. Alles geht seinen geregelten Gang und die Handlungsweisen der Befehlsebene sind immer nachvollziehbar und logisch. Verbreiteten im ersten Teil die Soldaten noch Angst und Schrecken und stellten, obwohl sie keine tiergleichen Zombies waren, eine ebenso große Gefahr dar, so könnten sie hier die Lage wieder in den Griff bekommen. In 28 Weeks Later... jedoch verkehrt sich das Blatt: SPOILER hier sind es genau diejenigen Soldaten, die nicht mehr auf ihre Befehle hören und trotz der Unkontrollierbarkeit der Lage nicht gewillt sind Zombies wie auch nicht infizierte Zivilisten im unübersichtlichen Gewühle zu erschießen. Sie gehen sozusagen den Weg der Menschlichkeit und folgen nicht ihren klaren Befehlen. Sie handeln somit gegen das System, etwas, was anfangs vom Zuschauer noch als Richtig und Heroisch empfunden wird, trägt schlussendlich jedoch dazu bei, die Seuche auf den europäischen Kontinent zu tragen. Hätten sie nur auf ihre Befehle gehört! ;-)

Eine zweite Veränderung gegenüber Teil 1: der wesentlich höhere Härtegrad! Was hier an Splatter aufgefahren wird erfreut nun wirklich jeden Gore-Hound. Realistisch aussehende Brutalität: von Headshots und sonstigen blutigen Einschüssen über das Herausbeißen von Fleischstücken und brennenden Menschen bis hin zu DER Splattereinlage der vergangenen Jahre - so was von geil! Mehr wird nicht verraten ;-)

Zu der ganzen Hatz und den schon erwähnten herrlich aufbauenden und culminierenden Terrorszenen gesellt sich dann noch eine Nightvision-Szene die es in sich hat. Pure Spannung!

Zu bemängeln gibt es also nicht viel. Manch einem mag das relative Fehlen eines Hauptcharakters stören und vielleicht könnte die Story etwas weniger voraussehbar sein. Auch wenn ich dazu sagen muss: mein heimlicher Sympathieträger und Hauptcharakter geht dann doch unerwartet drauf - also alles ist relativ.

Fazit: Mit 28 Weeks Later... ist ein bemerkenswert guter Zombie-Horrorfilm entstanden und zudem noch eine gute Fortsetzung eines starken ersten Teils, der mit seinem Ende Lust auf Mehr macht. Teil 3 kommt sicher. Geniale Atmosphäre, nervenzerreißende Spannung, geniale technische Umsetzung, übelste Härte und ordentliche "10-kleine-Negerlein"-Hatz. Dazu noch etwas Philosophie (Militär"kritik") rundet das stimmige Gesamtbild zur fast perfekten Vollkommenheit ab.
Ich wurde vollends bedient und freue mich schon auf 28 months oder years (was auch immer) later.
9 von 10

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