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Endlich mal ein gelungener Hardaction-Film. Obwohl 28 Weeks later unter anderem von Zombies handelt, bietet der Film erstklassige Kameraperspektiven, große Londonszenen, eine beängstigende Atmosphäre, coole Filmmusik und last but noch least: Eine gutdurchdachte Story.

Denn konträr zu den Werken von Tarantino, Rodriguez oder auch Michael Davis (und, und, und) erzählt Regisseur Juan Carlos Fresnadillo eine Geschichte, die Hand und Fuß hat und sogar zu aktuellen Spekulationen einlädt.

Die teilweise recht drastische Gewaltdarstellung ist dadurch KEIN Selbstzweck und der Film ist auch nicht gewaltverherrlichend. Stets sind Gemetzel und auch das Töten von Menschen in bestimmte Kontexte eingebettet.
Menschenverachtend ist daran nichts. Stattdessen fragt man sich an manchen Stellen, ob nicht tatsächlich Ähnliches geschehen würde, wenn eine Situation derartig außer Kontrolle gerät. Und das zielt natürlich auf die aktuelle politische Situation im Irak, in dem die Amerikaner verzweifelt versuchen, die öffentliche Ordnung wiederherzustellen. Allein die Möglichkeit solche Parallelen zu ziehen zeigt, dass der Film kein blöder Zombie-B-Movie ist.

Obwohl es im Prinzip genau darum geht: 28 Wochen spielt nach dem Ausbruch einer Seuche, die sämtliche Infizierte in blutrünstige Zombies verwandelt hat. Nachdem alle Zombies verhungert sind, beginnt unter der Schirmherrschaft der UN und massiver militärischer Präsenz der Amerikaner die Wiederbesiedlung Großbritanniens. Erstmals dürfen auch wieder Kinder einreisen, die sich naturgemäß wenig um Verbote und Sperrzonen kümmern. Inmitten der Trümmer entdecken sie ...

Zwar hat 28 Weeks later einige Schwächen, beispielsweise ist es physiologisch unmöglich, dass ein menschlicher Körper derartig fix von einem Virus überwältigt wird. Frühere Zombiefilme hatten den Akteuren tatsächlich auch einige Tage oder wenigstens Minuten bis zur Transformation gebilligt. In 28 Weeks later dauert die Verwandlung dagegen kaum eine Sekunde …
Doch das sind nur Kleinigkeiten. Wenn überhaupt ärgert man sich über Robert Carlyle (in der Rolle des Don), der einfach nur hässlich und untalentiert ist. Zwar verbreitet seine Maske Schrecken, aber aus seiner Rolle davor hat er überhaupt nichts gemacht. Keine Ausstrahlung, keine Intelligenz. Einfach nur Hausmeister, dem man nichts zutraut.

Doch abgesehen davon ist der Film sehr stimmig. Statt die Kontrolle zu behalten, muss die Armee kapitulieren und … gut, zu viel sollte auch nicht verraten werden.
Sehr gut und sehenswert ist dabei, wie einige Soldaten aufhören reine Befehlsempfänger zu sein und den Gehorsam verweigern. Das gibt dem Film eine menschliche Note, die man bei den ganzen Gewaltpornos von Tarantino, Rodriguez und Konsorten schmerzlich vermisst. Ohnehin kann man sich zur Genüge über die hochgelobten Kameramänner (Regisseure erzählen Geschichten!) ärgern, die behaupten das Erbe der Zombieerfinder Romero, Fulci und D’Argento fortzuführen, obwohl keiner dieser Regisseure jemals seinen Zuschauern eine Parodie oder einen unvollständigen Film präsentiert hätte.

Ganz anders dagegen Fresnadillo, der dadurch zum einzig wahren Erben und Retter des Genres wird. 28 Weeks later ist zwar auch sehr brutal und es sterben sehr viele Menschen, aber es ist nie cool, sie zu töten. Im Prinzip funktioniert der Film so ähnlich, wie ein guter Kriegsfilm.
28 Weeks later ist deshalb die angenehme Actionüberraschung des Jahres und eine Empfehlung für alle Freunde der drastischen Action.

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