Review

"Eigentlich ist sie garnicht immun. Sie ist ein Wirt." ... "Soll das heißen, dass sie andere infizieren kann?" ... "Ja, Sir. Absolut!"

"28 Weeks Later" spinnt die Handlung unabhängig vom ersten Teil weiter und setzt auf mehr Größe, dafür aber auch auf weniger Persönlichkeit.

Während des Ausbruchs des Rage-Virus in Großbritannien verstecken sich Don (Robert Carlyle), seine Frau Alice (Catherine McCormack) und ein paar weitere Personen auf dem Hof eines älteren Ehepaares. Doch auch diese Zuflucht wird von den Infizierten überrannt und Don lässt seine Frau zurück, um sein eigenes Leben zu retten.
28 Wochen später wird das Land vom US-Militär besetzt und für die Rückreise von Einsiedlern sowie Überlebenden vorbereitet. Schnell verfügbare Einsatztruppen sowie Scharfschützen, darunter der kampfeslustige Doyle (Jeremy Renner), sollen für die nötige Sicherheit sorgen. Die Aufräumarbeiten dauern noch an als Tammy (Imogen Poots) und Andy (Makintosh Muggleton), die Kinder von Don, in London eintreffen. Trotz militärischer Aufsicht und dem Verbot seuchengefährdete Zonen nicht zu betreten, schlagen sich die beiden Teenager zu ihrem alten Elternhaus durch, wo sie auf ihre lebende Mutter Alice treffen. Das Militär nimmt die Überlebende in Gewahrsam. Die Ärztin Scarlet (Rose Byrne) stellt bei ihr eine Infektion des Blutes, jedoch keinen Ausbruch fest. Mit ihr offenbart sich eine Möglichkeit das Virus besser zu verstehen. Allerdings verschafft sich Don Zutritt zum Labor und steckt sich durch sie mit dem Virus an, das ungehindert ausbricht.
 
Es war gerade die besondere, knisternde Atmosphäre, die für die atemberaubende Stimmung in "28 Days Later" verantwortlich war. Die Bilder in denen Cillian Murphy durch ein menschenleeres London zieht, waren ruhig und bedrohlich zugleich. Genau diese melancholische Endzeitstimmung ist in "28 Weeks Later" nicht mehr vorhanden.
Stattdessen präsentiert der Nachfolger einen sehr direkten Einstieg, in denen Schutz suchende Überlebende direkt von Infizierten überrannt und durch enge Zimmer sowie über freies Feld gejagt werden. Ein furioser Start der verdeutlicht, dass "28 Weeks Later" das Tempo seines Vorgängers übernehmen will.
Die Kamera wie auch die Musik sind die wichtigsten Bestandteile dieses Beginns. Mit Egoperspektiven, rasanten Schnitten und einer aufwühlenden musikalischen Untermalung werden audiovisuelle Möglichkeiten an ein wahrnehmbares Limit gebracht.

Nach diesen ersten 10 beklemmenden Minuten sind aber vorerst keine Spannungsspitzen mehr feststellbar. Zunächst versucht "28 Weeks Later" seine Figuren vorzustellen, geht dabei aber nur oberflächlich vor. Obwohl sich die Palette durch eine Familie, einen Scharfschützen und einer Militärärztin als vielschichtig erweist, werden bestenfalls die Kinder der zerrütteten Familie, die bald sichtbar im Mittelpunkt stehen, etwas ausgebaut. Zu wenig allerdings um als Identifikationsfiguren zu dienen. Eine Schwäche des Schockers, die durchgehend spürbar bleibt.

Ist diese Phase erst mal vorüber, dreht "28 Weeks Later" richtig auf. Was im Vorgänger nur beschrieben wurde, passiert hier in visueller Form. Der Ausbruch des Virus und das damit verbundene Chaos von flüchtenden Massen und dem wahllosen beschießen von Infizierten und normalen Menschen. Gesellschaftskritik findet sich in Form der eingeschränkten Möglichkeiten der regierenden Stelle und des Militärs wieder, wobei leider auch gängige Horrorklischees aufgegriffen werden. Dies konnte "28 Days Later" mit seinem bodenständigem und greifbaren Umfeld besser.

Der größte Trumpf von "28 Weeks Later“ ist aber ohne jeden Zweifel die brilliante Inszenierung, die vom Vorgänger beibehalten wurde, aber auch das ein und andere neu macht. So fallen nun optisch reinere Bilder, mehr Spielereien mit Licht und Dunkelheit sowie eine Erhöhung der Gewaltspitzen auf. Während "28 Days Later“ noch eingedrückte Augen als obere Messlatte anlegte, imitiert dies der Nachfolger nicht nur wesentlich blutiger, sondern bietet abseits durch Innereien, platzende Köpfe, Blutfontänen und zerfetzte Körper weit härtere Bilder.

Bestenfalls zweckmäßig agieren die Darsteller. Während die Möglichkeiten von Catherine McCormack ("Braveheart"), Robert Carlyle ("Trainspotting"), Jeremy Renner ("The Town - Stadt ohne Gnade") und Rose Byrne ("Sunshine") nicht ausgereizt werden, befinden sich die Jungdarsteller Imogen Poots ("Centurion") und Makintosh Muggleton noch auf ausbaufähigem Niveau.

Nach einem bombastischen Beginn ist "28 Weeks Later“ zunächst langwierig, steigert sich aber in der zweiten Hälfte wieder auf ein beklemmendes Niveau. Die oberflächlichen Charaktere, die löchrige Handlung sowie kaum ausgereizte Darsteller sind ein spürbares Manko. Der Vorgänger funktionierte auf persönlicher Ebene wesentlich besser. Dafür ist die Sicht auf die Katastrophe nun globaler und aufwändiger inszeniert. Gesamt gesehen kommt der unabhängig sehbare zweite Teil nicht an den innovativen Vorgänger heran, kann aber nach seinen Einbrüchen durch Kompromisslosigkeit, erneut aufkeimendes, hohes Tempo und audiovisueller Intensität unterhalten.

8 / 10

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