Als Hörspiel-Freund der ersten Stunde steht man dem großen Kinoabenteuer der Drei Fragezeichen natürlich recht zwiespältig gegenüber. Im Laufe der Jahre ist man mit den Sprechern gealtert, Oliver Rohrbeck ist unweigerlich der einzig denkbare Justus Jonas, das Gekrächze von Heikedine Körting als Papagei Blacky legendär und die Geräuschkulisse auf Onkel Titus Schrottplatz vertraut wie die des eigenen Gartens.
Da schraubt sich die Erwartungshaltung wie von selbst ganz nach unten, wenn man erst einmal die viel zu jungen Gesichter der Hauptfiguren erblickt hat und macht demnach einen einfachen Schnitt: Der Film (die Reihe…?) bildet eben ein anderes Universum der Drei Fragezeichen, darauf sollten sich Hörspiel-Freunde auf jedem Fall einstellen.
Ihr erstes Abenteuer führt die drei direkt weit weg von Rocky Beach, denn zum Ausspannen lädt sie Peters Dad zum Erholungstrip nach Südafrika, der hier damit beschäftigt ist, für Unternehmerin Wilbur einen Freizeitpark zu planen. Doch in einer Höhle auf der Geisterinsel treibt ein mysteriöses Ungetüm sein Unwesen, bis der Vater einer jungen Einheimischen entführt wird.
Mit Anlehnungen an James Bond, Indiana Jones oder Mission Impossible spart man beileibe nicht, das Abenteuer versprüht eine Menge Tempo und Action, was heranwachsenden Jugendlichen durchaus Spaß bieten dürfte.
Die Vertrautheit zu den bekannten Figuren will sich indes nicht so richtig einstellen: Just ist nicht pummelig genug und wirkt zu „britisch“ und Bob ist gar eine Lachnummer mit dem stets zu schweren Gepäck und dem Teddy im Bett. Nur Peter sieht ziemlich genauso aus, wie man ihn sich seit Jahren vorgestellt hat: Groß, schlaksig und stets zurückhaltend, wenn es um mutige Einsätze geht, selbst seine Synchronstimme (das ist der Regie von Rohrbeck insgesamt hoch anzurechnen) weißt Ähnlichkeit mit der von Jens Wawrczeck auf.
Die Figurenzeichnungen bleiben leider auf sehr dürftigem Niveau. Lediglich Justus erhält ein paar soziokulturelle Hintergrundinformationen, ihm wird zudem die Andeutung einer Liaison gestattet, mit Momenten emotionaler Lichtblicke, die den übrigen Charakteren völlig verwehrt bleibt.
Stattdessen steht Abenteuer-Action im Vordergrund, bereits im Intro drohen die drei von einem Fahrstuhl zerquetscht zu werden, später muss eine Hütte vor dem Crash mit einem Truck verlassen werden, Fallen einer Grabkammer entschlüsselt und final ein etwas hanebüchener Flug mit einem Gleitschirm bewerkstelligt werden.
Die Geschichte an sich liefert jedoch wenige Ecken und Kanten zum Miträtseln: Welches Geheimnis hinter dem Monster, dem so genannten Tokolosh steckt, wer für die Fälschung eines Gemäldes verantwortlich ist, wer erst Vater, dann Tochter entführt und was eine Krone mit einer Liebe von vor Jahrhunderten zu tun hat, - für Neulinge der Serie vielleicht spannend, für Hörspielfreunde jedoch allseits bekannte Motive ohne Überraschungen.
Überraschend gestalten sich jedoch die Cameos von Rohrbeck und Fröhlich, die Einbindung des alten Feindes Hugenay, sowie die Andeutung, wie man zum Chauffeur Morton gelangen wird.
Von diesen Elementen der Vertrautheit hätte man gerne mehr gesehen, zumal die Inszenierung kaum Schwächen aufweist. Die malerischen Landschaften, an Originalschauplätzen in Südafrika gedreht, wurden souverän eingefangen, die musikalische Untermalung bietet ein angenehm ausgewogen und angepasstes Repertoire, nur die Darsteller wirken im Gesamtbild ein wenig hölzern und zurückhaltend, was für weitere Produktion mit den Jungmimen jedoch nicht als völlig hoffnungslos zu betrachten ist.
Mit Gefahren-Codes haben die drei zwar nie gearbeitet und Bob hat auch nie so viele konkrete Zahlen im Kopf, aber irgendwie ist es wie mit dem Wechsel der Bond-Darsteller: Erstmal missmutig sein und meckern, aber mit dem zweiten oder dritten Auftritt gewöhnt man sich dran und entdeckt auch positive Seiten.
Vielleicht ergeht es den cineastischen Justus, Peter und Bob da ähnlich, die, wenn man sich ein wenig vom Hintergrund der Hörspielreihe löst, durchaus Potential für weitere Abenteuer bieten. Nach oben ist da also noch einiges möglich und einen kurzweiligen Einstieg bietet dieses Debüt allemal.
6 von 10