An manchen Sachen sollte man ja nicht rühren, aber seit dem Moment, als entschieden wurde, daß die von Zigtausende geliebte Hörspielserie "Die 3 Fragezeichen" in eine filmische Form überführt werden sollte, war klar, daß ich da nicht auf ewig vorbei gehen konnte.
Zu oft hatte man in den seligen 80ern lange Nächte bis zum seligen Einschlafen mit dem Drehen der Kassetten zugebracht und auch im Krankenhaus waren die Abenteuer von Justus, Peter und Bob dank der genialen Stimmen, der ausgefuchsten Abenteuer und dem Mysteryanteil fast jeder Episode ein Trost. Damals war noch die überaus geniale Musik von Carsten Bohn Teil der Geschichten und die amerikanischen Vorlagen hatten noch die nötige Spritzigkeit, um durchgehend zu faszinieren.
Aber man wird älter und irgendwann verändert immer irgendein kreativer Kopf ein beständiges Erfolgsrezept und verdirbt einem den etablierten Genuß nach Kräften. Erst zerstritt man sich in einem Urheberstreit mit Bohn und ersetzte seinen ohrwurmartigen Score mit einfallsloseren Elektrosoundscapes und dann übernahmen deutsche Autoren den Höllenjob, neue Abenteuer zu erfinden, was sie eher schlecht als recht erledigten. Fakt ist, die ersten 35 Folgen sind absolute Spitzenklasse, von da an trat die Serie einen langen Weg in die zunehmend abstrusere Mittelmäßigkeit an, den nicht einmal die allseits bekannten Sprecher wie Fröhlich, Wawrczek oder Rohrbeck ausgleichen konnten.
Für die Filmversion, das war klar, würde man sich eher auf Kinder als Zielgruppe einschießen, ungeachtet der Tatsache, daß die Figuren in all den Jahren sogar in der Hörspielserie leicht gealtert waren (und auch den Führerschein und Ähnliches inzwischen besaßen) und selbst mal Freundinnen hatten. Aber man griff immerhin zur Folge "Geisterinsel", die ein angemessenes Maß an kultischem Charme besaß
Gecastet hatte man drei Jungs, die zwar noch sehr grün hinter den Ohren waren, aber wenigstens ein bißchen Identifikationspotential besaßen, Peter schlacksig, Bob ein kleiner Lockenschopf und Justus wenigstens anseitsweise pummelig. In Südafrika gedreht, konnte man davon ausgehen, daß auch die Locations einigermaßen hinkamen, auch wenn man natürlich Rocky Beach in Kalifornien zu verorten wünschte.
Was schlußendlich in den Kinos zu einem erfolgreichen Start zusammenkam, war dann aber zumindest für die Serienfans eine blanke Enttäuschung. Man hatte nicht nur die effektive Vorlage zugunsten von "mehr Exotik" enorm verändert, so daß nicht mehr als der Titel von der Vorlage geblieben war, man hatte die gesamte Handlung einfach mal nach Südafrika verlegt, um dort einen Safari-Abenteuer-Township-Mischmach mit Stammesschatz-Bezügen hinzubauen, der Indiana-Jones-ähnlichen Geschichten genügen konnte.
Auch mit den Figuren war man eher "modernisiert" umgegangen, eine "mission impossible"-ähnliche Eröffnungssequenz, in der die drei Kinder praktisch Menschenunmögliches an Agilität und Intelligenz leisten, um aus einer Fahrstuhltodesfalle zu entkommen, brachte die Verfilmung in die Nähe des Lächerlichen. Zwar hatte die Story den Hörspielschurken Hugenet übernommen, aber von nun konnte man sich an der Pracht Afrikas delektieren, die in eine typische Schatzsuche mit Höhlen, einem "Monster" und den üblichen mechanischen Fallen mündete. Ein Mädchen rührte man für verfrüht amourösen Witz auch noch in die Siedlung der Farbigen, die zu dem jungen Alter gar nicht passen wollte und streute darüber so seltsame Dinge wie mechanische Erfindungen erster Klasse und diverse Farbencodes, die im Film nun überhaupt keinen Sinn machen wollen.
Florian Baxmeyers Film ist dennoch jeder passabel unterhaltsam für Kinder, bietet immerhin jede Menge Abwechslung und Abenteuer vor exotischer Kulisse und hat in seinen drei Darstellern motivierte Akteure, die sogar etwas (verfremdete) Chemie füreinander entwickeln. Dennoch liegt das Hauptaugenmerk seltsamerweise eher auf Bob als auf Justus, der eher reserviert und grummelig auftritt, während der Kleinste im Bunde den leicht schusseligen Aktivposten bildet, den sich das Autorenteam (ein Quartett!!!) offenbar bei den "Goonies" abgeschaut hat.
Allein "Die drei Fragezeichen" hätte man das nicht nennen sollen, denn abgesehen von den Szenen auf dem Schrottplatz von Titus Jonas zu Beginn (die erfreulich authentisch wirken und sogar ein Cameo von Rohrbeck bieten), ergeht sich der Filmrest in totaler Beliebigkeit, gekrönt von überkandidelten Absurditäten.
Dennoch ging eine zweite Verfilmung sofort nach Drehschluß an den Start, die dann aber schon deutlich gealterte und besser passende Darsteller bot, allerdings ein noch schlechteres Drehbuch mit sich brachte.
Für die Geisterinsel gilt auf jeden Fall, daß es besser ist, den Film eher neutral zu begutachten, weitab von fast allen Serienbezügen, die sich hier besonders hinderlich erweisen. Vor allem aber der erzählerische Frevel, sich irgendeinen international angesagten Murks auszudenken, obwohl nun wirklich genügend Material aus zwei oder drei Fällen gut zusammengestrickt hätte werden können, macht sich negativ bemerkbar. So bleibt dann doch nur Mittelmaß. (5/10)