In einem amerikanischen Fernsehsender kommt man auf die aberwitzige Idee, Rudolf Heß aus dem Spandauer Gefängnis zu befreien. In der Hoffnung, geheime Absprachen zu enthüllen und eine Menge Staub aufzuwirbeln, soll der Preis dafür keine Rolle spielen und ein Berufssöldner namens Alex Faulkner engagiert werden, Bruder des, wir erinnern uns, Allen Faulkner aus dem ersten Teil. Der lehnt aber ab und verweist stattdessen auf seinen jüngeren Kollegen John Haddad, der den Auftrag auch prompt annimmt. In Berlin angekommen, sieht sich Haddad zunächst mit ganz anderen Problemen konfrontiert. Gemeinsam mit einer Handvoll Vertrauter, darunter auch wieder besagter Alex Faulkner, schmiedet er dennoch einen Plan, um das Unmögliche möglich zu machen und den Altnazi aus den Händen der Alliierten zu befreien.
Nachdem man im prominenten Vorgänger den halben afrikanischen Busch entvölkert hat, geht der offizielle Nachfolger einen komplett anderen Weg. Von der Ur-Besetzung ist keiner mehr dabei und auch die Thematik wird auf den Kopf gekehrt. War Teil eins eigentlich noch ein Kriegsfilm gehts hier eher um einen Spionagethriller, um Beobachtung und Infiltration des Spandauer Gefängnisses, den Vertretern der verschiedenen Besatzungsmächte auszuweichen und um Hitlers Second-in-command Rudolf Hess zu entführen, um so an seine potentiellen Geheimnisse zu kommen.
Das Thema hält sich in der Vorgeschichte exakt an die historischen Fakten. Was hatte Hess mysteriöser Flug nach England für Hintergründe und auch die Personalie wird nochmals auch anhand damaliger Originalbilder nachgezeichnet. Ab hier wirds dann aber fiktiv. Die erste Stunde wird beinahe komplett gewaltfrei mit der Planung des Ausbruchs und dem zusammensetzen verbracht, was einige langweilig finden mögen, aber auch seinen gewissen Reiz hat und außerdem lernt man die diversen Gruppierungen kennen, die ebenfalls ein brennendes Interesse am letzten deutschen Kriegsgefangenen der oberen Riege haben und Haddad massiv unter Druck setzten.
Die eigentliche Befreiung nimmt dann gar nicht mal so viel Raum ein und ist dann auch nicht sonderlich spektakulär. Statt komplziert in das Hochsicherheitsgefängnis einzusteigen bedient man sich eines einfachen Tricks (allerdings mit gehöriger Unterstützung der Briten) und käschern Hess einfach fix bei der Überführung ins Krankenhaus mit einem fingierten Autounfall. Das geht dann allerdings für meinen Geschmack schon beinahe etwas zu leicht. Immerhin kommt etwas Geballer auf, wenn das internationale Befreiungsteam Haddads Love interest aus den Händen der Russen befreit.
Trotz erzähltechnischer Probleme und konsequenter Zweiteilung des Films, weiß Wildgänse 2 immer noch ein recht guter Thriller. Die Story hat mit dem Vorgänger nichts mehr zu tun, aber es ist doch schön wenn solche Produktionen in Original deutschen Gefilden gedreht werden, an denen man sich selbst schon bewegt hat. Die Darsteller leisten souveräne Arbeit, nur warum man die Barbara Carrera Rolle mit ins Script genommen hat bleibt mir ein Rätsel, außer zum gefangen nehmen lassen ist diese Figur so unnütz wie ein drittes Nasenloch.
6/10