Im multimedialen Zeitalter sind Perversionen wie Pädophilie wahrlich leicht auszuleben. Im Chat finden sich häufig Täter und Opfer und das Internet wird zum Distributionsapparat von Straftatbeständen. Der junge Filmemacher Stefan Kornatz nimmt sich in seinem Kurzfilm und Regiedebüt „Lebenswandel" dieser ernsten Thematik an und liefert die Erkenntnis, dass die Täter häufig Menschen sind, von denen man nie so etwas erwartet hätte.
Die Story: Die 15-Jährige Katharina (Natalia Christina Rudziewicz) hat eine ebenso unkonventionelle wie schockierende Art, sich ihr Taschengeld zu verdienen: Gegen Geld trifft sie sich für sexuelle Praktiken mit Männern, die sie vorher im Chat kennen gelernt hat. Doch eines Tages hat sie wieder einen freier, den sie nur allzu gut kennt: Ihr eigener Vater (Thomas Huber), ein krankhafter Pädophiler, hat sich unwissentlich mit ihr verabredet. Katharina schwört dieses kleine Geheimnis vor der unwissenden Mutter (Kirsten Block) geheim zu halten, wenn ihr ihr Vater weiterhin ihr Luxusleben finanziert...
„Lebenswandel" tastet mit den Themen der Pädophilie und Prostitution gleich zwei heiße Eisen an, ohne jedoch - und das ist erfreulich - den moralischen Zeigefinger allzu deutlich zu erheben. Die Mutter gilt dabei als moralische Instanz, die (Fehl-)Verhalten sanktioniert und auch die bittere, schonungslose Konsequenz aus der Schuld der Hauptfiguren wirkt nur allzu konsequent. Etwas ärgerlich ist dabei jedoch die etwas zu hölzern präsentierte Alltagspsychologie, die die Lehrerin von Katharina ihrer Mutter auftischt und die Tatsache, dass einige Erzählstränge - jener mit der misstrauischen Freundin oder dem mysteriösen Freier (gespielt von Jan Gregor Kemp, „23") - zwangsläufig nur angedeutet bleiben müssen. Und obwohl die erst 20-Jährige Natalia Christina Rudziewicz ihre Rolle mit Bravour spielt, fehlt ihr doch eine Psychologisierung und ein Motiv für ihren „Nebenverdienst" jenseits der Konsumorientierung. Hier wäre durchaus noch etwas Potenzial vorhanden gewesen.
Fazit: Ein aufrüttelnder, sehr gut gespielter Film über die Fatalität der Möglichkeiten, die das Internet bietet. „Lebenswandel" überzeugt als hartes Familiendrama, lässt aber als kritischer Kommentar zur Konsumgesellschaft etwas Substanz vermissen. Dennoch wollen wir von Stefan Kornatz mehr sehen: Weiter so!