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Nach dem eher etwas zäh und träge wirkenden ersten Teil, legte Jackie Chan in "Operation Condor" gewaltig nach und schuf einen modernen Klassiker, der zwar seine Anlehnung an Indiana Jones nicht verleugnen kann, diesen aber in so manchem weit übertrifft. Hier gibt es wirklich das volle Programm, herrlich überzeichnete Schurken, einen wagemutigen und dabei recht tollpatschigen Helden, schöne Frauen, waghalsige Action, großartige Fights und einige der spektakulärsten Szenen der Actionfilmgeschichte, die aber nie den Humor vermissen lassen.

In bester Indiana Jones Tradition beginnt der Film mit Jackie wie er auf der Suche nach einem Artefakt ein ganzes Dorf Eingeborener gegen sich aufbringt, knapp einer Heirat entgeht und sich nur dank eines gigantischen Luftballons retten kann. Wenn das kein idealer Auftakt für die folgenden 90 Minuten ist! Das die Story dann wenig neues bietet und recht altbacken klingt fällt zwar auf, wird aber während des Films immer nebensächlicher. Jackie, erfahrener Abenteurer, soll in der Sahara einen alten Nazi Bunker finden, in dem sich 200 Tonnen Gold befinden. Also macht er sich zusammen mit Elsa, der Tochter des Bunkerkommandanten und Ada einer Wissenschaftlerin auf die Suche. Doch noch bevor diese beginnt zeigt sich das auch noch andere Leute hinter dem Gold her sind.

Was Jackie Chan aus diesem nichts an Story macht, ist unglaublich. Slapstick und haarsträubende Actionszenen wechseln sich minütlich ab, gehen immer mal wieder in einander über und machen den Film zu einem großen schrillen Abenteuer, das mit Szenen aufwartet die man wohl nie mehr vergisst. So bietet schon die Verfolgungsjagd durch die Straßen einer französischen Kleinstadt reichlich Szenen die einen mit offenem Mund auf den Bildschirm starren lassen. Auf die Spitze getrieben wird die Action dann freilich im legendären Finale im Windkanal des Nazibunkers. Das bietet der Film dann Komik und Action in Perfektion und lässt Fragen, wie die nach dem Sinn eines Windkanals in einer unterirdischen Bunkeranlage ganz weit in den Hintergrund treten. Seinen Reiz erhält der Film auch dadurch, das er sich selber zu keinem Zeitpunkt ernst nimmt. Die Bösen zeichnen sich nicht unbedingt durch Intelligenz aus, die Action ist immer "larger than life" und der Humor immer schon hart an der Grenze zur gnadenlosen Albernheit. Doch das alles zusammen ergibt einen der witzigsten und temporeichsten Jackie Chan Filme überhaupt.

Die Sets wurden äußerst stimmig ausgewählt und die im Studio entstandene Bunkeranlage erinnert eher an einen großen Abenteuerspielplatz, versprüht aber doch genug Atmosphäre um zu begeistern. Die Darsteller sind allesamt mit sichtlicher Freude dabei und überzeugen vollends. Insbesondere Carol 'Do Do' Cheng als Ada und Eva Cobo als Elsa wissen zu gefallen, und das nicht nur optisch.

"Operation Condor" ist ein unglaublicher Spaß, den man gesehen haben muss und der einem erst vor Augen führt was für großartige Filme Jackie Chan zu einer Zeit gemacht hat, als er noch nicht für US Produktionen den Kasper gemacht hat. Tolles Actionkino mit unverwechselbarem Humor und perfekt choreographierter Action. Was will man mehr von einem Jackie Chan? 9 von 10 Punkten.

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