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Hier haben wir es mit einem der besten Filme der Legende Jackie Chan zu tun, in dem scheinbar alle Vorzüge der westlichen und östlichen Filmkultur vereint werden. Mission Adler ist ein rasanter Abenteuerstreifen, der non-stop von einer aufregenden Situation in die nächste führt.

Dabei sind die Indiana-Jones-Anleihen unverkennbar. Das beginnt bereits bei der Zeit, die in den 40ern angesiedelt ist, kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges. Weiter geht es mit dem Filmmotiv, denn ein Nazi-Goldschatz wird gesucht. Des weiteren lauern überall Bösewichte, die von einem Oberbösewicht kontrolliert werden, der wiederum mit anderen noch böseren Bösewichten zusammenarbeitet, um an das begehrte Gold zu kommen. Und irgendwie verbindet eine der drei Begleiterinnen Jackies eine Vorgeschichte mit dem verschwundenen Gold. Logisch, dass sich sämtliche Schergen an die Fersen von Jackie und Anhang heften. Action ist da vorprogrammiert.

Der Prolog gibt bereits die Richtung vor. Man sieht Jackie als Schatzsucher, der in einer Höhle eine Statue mit Edelsteinen findet. Plötzlich tauchen Eingeborene auf, aber erstaunlicherweise erlauben sie ihm, dass er die Steine mitnimmt. Zu dumm nur, dass sich Jackie auch noch an dem heiligen Wasser vergreift, weil er Durst hat. So kommt es doch noch zur furiosen Verfolgungsjagd, die für den unerschrockenen Abenteurer in einer riesigen Plastikkugel endet, mit der er einen fast senkrecht absteigenden Berg hinunterrollt.

Was mit Sicherheit als Hommage an die berüchtigten Indy-Filme gedacht war, wird mitunter zu einer gleichberechtigten Konkurrenz. Die wie immer perfekten Kampfeinlagen des Meisters sind hier nur noch schmückendes Beiwerk für eine bunte Odysee, die sich aus Stunts, Story, Slapstick und stetigem Kulissenwechsel ergibt. Soll heißen: wo man sich Chans Filme normalerweise primär wegen seiner Kampfeinlagen anschaut, wird der Zuschauer hier von sämtlichen anderen Filmelementen geradezu überflutet. Dabei ist es aber nicht so, dass man sich in der Reizüberflutung verliert und darüber hinaus die Story vergisst. Nein, teilweise wirkt alles einfach perfekt.

Alleine das Protagonisten-Viergestirn um Jackie und seine drei weiblichen Begleiterinnen (mit einer Europäerin) wirkt unglaublich gut. Die Frauen sind hysterische Jammergeschöpfe, die immer alles falsch machen, was Jackie dann ausbügeln muss. Wenn Unauffälligkeit angebracht ist, regen sie sich lauthals auf; wenn Zusammenhalt gefordert ist, raufen sie sich gegenseitig die Haare. Dabei sind Eifersuchtseskapaden auch schon mal an der Tagesordnung. Dieses Konzept ist typisch Jackie Chan, und es scheint sich bewährt zu haben, denn in "Mr. Nice Guy" finden wir eine ganz ähnliche Konstellation.

Aber das ist bei weitem nicht der einzige Erfolgsgarant. Der Drive wird immer wieder durch unglaublich gute Stunts aufgepeppt. So springt Jackie mit einem Motorrad ins Meer und krallt sich in der Luft an einer von einem Kran gehaltenen Kiste fest (einer der Stunt-Höhepunkte aus "First Strike" ist ganz ähnlich konzipiert), oder es gibt einen Eiertanz auf hin- und herpendelnden Gittern, und nicht zu vergessen das grosse Finale an den Flugzeugtriebwerken, bei dem die Action von der Erde in die Luft verlagert wird.

Auch die Vielseitigkeit der Locations hat Anteil an der Kurzweiligkeit. Höhlen, Berge, Dorfmärkte, Hotelbauten, Wüsten, unterirdische Lager: alles, was der Adventurefan begehrt, wird geboten. Nichts wirkt billig oder gefaked.

Die Story ist denkbar anspruchslos, erfüllt aber alle Vorraussetzungen für einen Abenteuerstreifen. Weniger die Geschichte als vielmehr die szenatorische Gesamtkonstruktion steht hier im Vordergrund. Etwa so: Wie schaffe ich es, die Gangster abzulenken, die Jackie und Co. mit einer Waffe bedrohen? Ganz klar, wir reissen Momoko das Badetuch vom Leib. Okay, nur Jackie guckt sich daraufhin lieber Momoko an, als dem Bösen die Waffe aus der Hand zu schlagen. Was nun, wo der Trick nicht mehr funktioniert? Ganz einfach, wir lassen eine zweite Gruppe von Bösen draussen am Fenster lauern, Jackie dies bemerken und beide Gangstergruppen gegeneinander ausspielen. Auf diese Art und Weise ergeben sich immer wieder neue Situationen, die es dann zu bewältigen gilt.
Was nicht so sehr gefällt, sind einige Charakterwendungen, wie etwa die vom eigentlich bösen Oberboss, der aber dann selbst betrogen wird und plötzlich ganz nett ist. Das wirkt dann etwas konstruiert und scheint ein notgedrungenes Element zum Fortführen der Story zu sein.

Ein nicht zu verachtendes Element in Chan-Filmen ist der Humor, welcher aufgrund seiner kindlichen Art nicht jedem gefällt. In "Mission Adler" ist dieser Humor meist in slapstickartige Situationen verpackt, wie etwa die Szene in der Wüste, als Jackie eine Wasserflasche versteckt hält und alle Frauen umarmen will, um ihnen so von den Bewachern unentdeckt zu trinken zu geben. Auch hier stimmt eigentlich alles. Man bekommt jedenfalls oft genug Möglichkeiten zu lachen.

Der nun schon fast eineinhalb Jahrzehnte alte Streifen kann auch heute noch auf voller Linie überzeugen. Die inzwischen fortgeschrittene Technik lässt "Mission Adler" weniger alt aussehen, als man vermuten würde. Der Unterhaltungswert ist unglaublich groß, auch für jene, die sonst nicht allzuviel mit Jackies Albernheiten anfangen können. Bisweilen erinnert der Film an Werke wie John Carpenters "Big Trouble in Little China" oder eben besagte Indiana Jones-Trilogie. Wer auf Abenteuerfilme steht, kommt an dieser Odyssee eigentlich nicht vorbei.
8/10

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