Review

Ellen Brody lebt nach mehreren Hai-Angriffen (siehe die Teile 1 und 2) und dem Tod ihres Ehemanns Martin - den ob der Panik vor den besagten Raubfischen zwischen den Filmen ein Herz-Anfall dahingerafft hat - immer noch auf der beschaulichen Insel Amity. Nachdem ihr jüngster Sohn Sean kurz vor Weihnachten aber ebenfalls von einem großen, weißen Hai getötet wird, kehrt die trauernde Frau dem besagten Kaff den Rücken und zieht zu ihrem anderen Sproß, dem Ozean-Forscher Mike, und dessen Familie auf die Bahamas, wo sie auch prompt mit dem etwas zwielichtigen Piloten Hoagie anbändelt. Mit Ruhe und Frieden wie erhofft ist es jedoch nicht weit hin, denn - oho! - der Killer-Hai ist immer noch auf Rache aus, schwimmt ihr in wenigen Tagen mehrere tausend Meilen nach und macht auf der Suche nach weiteren Brodys zum Zerfleischen bald schon die tropischen Gewässer unsicher! Als schließlich auch Ellen ein Licht aufgeht, dass der Fisch es speziell auf sie und ihre Familie abgesehen hat, ist es Zeit für "die Abrechnung" beim Showdown auf hoher See... Aufgrund seines ihm vorauseilenden Rufs als einer der Tiefstpunkte der Filmgeschichte sehe ich mich gezwungen, für "Der Weiße Hai - Die Abrechnung"... nun ja... zwar keine Lanze, aber doch zumindest ein halb aufgetautes Fischstäbchen zu brechen, denn ein SO eklatanter Scheissfilm, wie immerzu kolportiert wird, ist er dann doch nicht... ich persönlich bin mir ja nicht mal sicher, ob er tatsächlich schlimmer ist als der dritte Teil mit seinen beknackten 3D-Effekten (welcher hier inhaltlich übrigens, wie's aussieht, komplett ignoriert wird), der ja auch schon so einiges zu wünschen übrig gelassen hatte. Um einen guten Film handelt es sich hierbei aber natürlich keinesfalls, allerdings krankt diese finale Fortsetzung zum Ur-Vater des Blockbuster-Kinos nicht unbedingt in erster Linie an den Performances der Darsteller (zweckdienlich), dem etwas betulichen Fast-wie-ein-TV-Film-Flair (kann man ignorieren) oder seiner weitestgehend doch soliden Machart (mit zwei, drei augenfälligen Momenten, die da negativ aus dem Rahmen fallen... *ähem*), sondern halt an einem quatschigen Drehbuch, das nicht nur dem Hai eine Vendetta und - mehr oder minder zwischen den Zeilen - einen Psychic-Link mit der Protagonistin andichtet, sondern das ganz schlicht und einfach auch mal mit echt viel zu viel mächtig langweiligem Alte-Leute-Zeug angefüllt ist. Statt Tierhorror steht da über weite Strecken eher die ausführlich geschilderte Romanze zwischen der Polizisten-Witwe Lorraine Gary und ihrem Bruchpiloten Michael Caine (der für sie nach Police-Chief Roy Scheider übrigens ein ziemliches Downgrade ist) auf dem Programm. Das Genre bedient Regisseur Joseph Sargent nach dem noch recht guten Beginn (so ganz nach dem Motto: "Lieber arm dran als Arm ab!") da zwischendurch schon fast nur widerwillig-zögerlich und das Skript kriegt er auch keinesfalls gehändelt, auch wenn seine Inszenierung an und für sich schon routiniert ist. Das Erscheinungsbild ist da insgesamt betrachtet noch passabel, die Unterwasser-Fotografie ist sogar ziemlich eindrucksvoll, aber eine ähnlich tiefgreifende Spannung wie beim Spielberg-Original kommt da zu keiner Zeit mehr auf, während man sich als Zuschauer bei jedem Auftritt des Titel-Helden eigentlich nur wundert, wie wenig sich die Haifisch-Attrappen-Technologie in den zwölf Jahren, die seit diesem vergangen sind, weiterentwickelt hat (kurioserweise sieht der Brandwunden-Hai im zweiten Teil von allen am überzeugendsten aus, go figure...). Nun ja, zumindest macht die Kulisse der Original-Drehorte auf den Bahamas was her und heutzutage, wo schundiger Trash quasi vom Flossen-Fließband läuft und nach sechs (!) "Sharknado"-Teilen ist das hier bestimmt auch nicht mehr der bescheuertste Haifisch-Film, den's gibt. Ich denke, wenn "Der Weiße Hai - Die Abrechnung" keine direkte Fortsetzung zu dem Spielberg-Original (und damit halt zu einem der besten Filme aller Zeiten), sondern nur eines der vielen Italo-Plagiate von damals wäre, wäre seine Reputation vermutlich nicht so gänzlich im Keller... so bleibt er allerdings lediglich als der Streifen in Erinnerung, der Michael Caines Haus finanziert hat ("It's terrific!") und wegen dem er damals seinen Nebendarsteller-Oscar für "Hannah und ihre Schwestern" nicht persönlich entgegennehmen konnte. Also, "Der Scheisse Hai", ja... aber nur normal-scheisse, nicht super-scheisse. In letzter Zeit sind die Fernseh-Sender übrigens dazu übergegangen, bei ihren TV-Ausstrahlungen wieder das Original-Kino-Ende zu versenden, bei dem der Hai von der Boot-Spitze aufgespießt wird und Mario Van Peebles tot bleibt... ich kannte ja jahrelang nur den alternativen Schluss, bei dem der Hai explodiert (übrigens der beschissenste Effekt des ganzen Films!) und Van Peebles plötzlich wieder leicht angeknabbert auftaucht, während man im Hintergrund den Rand des Beckens erkennen kann, in dem das alles - vermutlich auf die Schnelle - nachgedreht wurde, weil da das Wasser gegen die aufgemalten Wolken klatscht...

3/10

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