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Und eine weitere urbane Legende wird für einen Geisterfilm herangezogen: Es begab sich im Jahr 1957 in Texas, als ein Schulbus auf Bahngleise geriet und vom Zug erfasst wurde, woraufhin alle Kinder starben. Seither werden stehende Autos wie von Geisterhand über den Bahnübergang geschoben, damit sich so ein Unglück nicht wiederholen möge. Nette Kinder.

Ganz so freundlich erscheinen selbige nach einigen Jahrzehnten nicht mehr, was Melanie und ihre Schwester Crystal schon bald am eigenen Leib erfahren müssen. Denn neben den Geisterkindern, die mancherorts die titelgebenden Fingerabdrücke hinterlassen, scheint auch der mordlustige Dämon eines Kinderschänders umzugehen…

Eingebettet in das Umfeld einer neuen Schule und mit dem obligatorischen Trauma des verstorbenen Freundes wegen einer Überdosis Drogen angereichert, fällt der Zugang zur Hauptfigur nicht allzu schwer und trotz einiger Klischees der hartherzigen Mutter und des luschigen Dads, kommt die Story ab Mittelteil recht ordentlich in Gang.
Dabei spielt ein kleines Mädchen eine Rolle, ein trinkfreudiger, ehemaliger Bürgermeister und der Direktor der Schule, damit Lou Diamond Phillips auch mal wieder eine sympathische Rolle bekleiden darf.

In Sachen Geistererscheinungen hält man sich hingegen länger zurück, - die Effekte sind wohl dosiert und einige Schockmomente setzen erst im letzten Drittel ein, als einige kleine Twists bevorstehen und Melanie mit ihren Recherchen auf weiter Flur allein dasteht.
Hier ein paar weitere Fingerabdrücke als Hinweis, dort eine greifende Hand oder ein Gesicht im Fenster: Keine sonderlich innovativen Einschübe, aber sorgfältig inszeniert und Dank einiger hübsch gestalteter Flashbacks dramaturgisch ausgewogen ins Spiel gebracht.
Hinzu gesellen sich einige wenige Gewalteffekte, wie eine Eisenstange durch Rücken und Nacken, ein Skalpell über den Balg oder Strom in der Badewanne.

Zwar wundert man sich über die Tatsache eines Killers, da die meisten Geistererscheinungen eher helfende Motive haben, doch auch dieser Aspekte wird gegen Showdown aufgeklärt, wenn damit auch kleinere Unwahrscheinlichkeiten behaftet sind.
Das Finale hätte insgesamt ein wenig ausführlicher eingebunden werden können, - der letzte Akt geht etwas überhastet über die Bühne, schafft es aber zumindest, den Kreis wieder zu schließen und mit einem Abschlussgag an die alte Schule zu erinnern, die in an dieser Stelle auf die Achtziger hinweist.

„Fingerprints“ dürfte für Genrefans im Geisterbereich kaum Innovationen mit sich bringen, er liefert jedoch ein paar nette Spukerscheinungen, bindet brauchbare Mimen ein und weiß lebendige Figuren zu präsentieren, bei denen nicht unbedingt von vornherein klar ist, ob sie nicht ein doppeltes Spiel treiben.
Hinzu kommt das eher zurückhaltende Spiel eines Killers oder Dämons, was die Sache zwar nicht maßgeblich spannender, jedoch abwechslungsreicher gestaltet.
Solide inszeniert, halbwegs atmosphärisch ausgestattet und in Sachen Tempo passabel über die Bühne gebracht:
Recht kurzweilig für eine Sichtung, aber im Gesamtbild doch zu harmlos für einen Volltreffer.
6 von 10

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