Joh, Walter Hill macht sich an die nächste Verfilmung des Japan-Klassikers "Yojimbo", den wir bei uns ja eher als "Für eine Handvoll Dollar" kennen.
Dazu verlegt er den Handlungsort vom good old wild west in die Prohibitionszeit, macht aus Eastwood Bruce Willis und schickt allesamt in die Wüste, weil da Shoot-Outs noch nicht ganz so dolle der Obrigkeit auffallen. Funktioniert problemlos? - Denkfehler!
Denn abgesehen von einigen wirklich knalligen Schießereien hat Hills Streifen nichts zu bieten, weswegen er an der Kinokasse auch rechtschaffend tankte, was bei einem 67 Millionen-USD-Budget ein teurer Spaß war.
Dabei ist Willis der denkbar brauchbarste Mann für den Eastwood-Job: wortkarg, knüppelhart und richtig schön spröde. Leider zu spröde. Denn die fehlende Mimik ist gar nicht Willis Job. Obwohl er kein großer Grimassierer ist, wirkt er hier oftmals vom Drehbuch allein gelassen und irgendwie müde. Der vollkommen unpassende und bisweilen zum Prusten lächerliche "hard-boiled"-Off-Kommentar gibt da noch extra eins drauf.
Der Kardinalfehler liegt jedoch darin, daß es hier im ganzen Film keinen adäquaten Gegner für unseren Pistolenhelden gibt. Sowohl Iren wie Italiener benehmen sich hier (drehbuchgemäß) so dämlich amateurhaft, daß schon mal ein blöder Scriptkniff her muß, um Brucie mal in die Bredouille zu bringen. Aber weil wir ja alle so blöde sind, machen wir nur Mus aus ihm und legen ihn allen Gesetzen der Logik zum Trotz nicht um, sondern warten, bis er sich freischiessen kann.
Ob sich die entsprechenden Volksgruppen (die Italiener lächerlich emotional, die Iren seltsamerweise sich stets als Sieger fühlend) beleidigt gefühlt haben, da sie auch sonst schön unerfahren dämlich agieren, bleibt ungeklärt.
Die dunkle Eminenz im Hintergrund ist dabei ein schön übertreibender Christopher Walken, von dessen mörderischer Vergangenheit immer berichtet wird und der sonst in diesem Film wirkt wie ein Eisbär in einer Pinguinhorde. Tatsächlich läuft das finale Duell auf die beiden hinaus und wird durch nur einen Schuß entschieden.
Fraglich ist nur noch, für was das Riesenbudget ausgegeben wurde, aber vielleicht kann Mr.Willis Brieftasche davon ein Liedchen singen. Der Zuschauer hechelt aber stets dem nächsten Schußwechsel entgegen, während er wieder einmal in einer dramaturgischen Durststrecke sitzt, ein Problem, daß es auch schon mit "Desperado" gab.
Die Shoot-Outs schließlich sind nett asiatisch angehaucht, mangeln aber zerstörerischer Finesse und Reichhaltigkeit. Infolgedessen sieht man hier auch das einzige richtige Blut, wenn Willis lang und breit die Kanne blank geschlagen wird.
Wer's mag, wird's toll finden - für micht bleibt das ein Langweiler mit zu vielen toten und zu wenigen spannenden Punkten. (5/10)