>>>MIT SPOILER<<<
Als erstes sollte bei diesem Film auf alle Fälle erwähnt werden, dass er sozusagen das Remake eines Remakes ist. Das Original heißt „Yojimbo – der Leibwächter“ und ist unter der Regie von Akira Kurosawa entstanden. Einige Jahre später drehte Sergio Leone dann ein Remake mit dem Titel „Für eine Handvoll Dollar“, wobei er den Ort der Handlung vom asiatischen Raum in den amerikanischen Westen verlegt hat. In Walter Hills „Last Man Standing“ spielt die Geschichte schließlich im Amerika der 30er Jahre, während der Prohibition.
Zur Story -die natürlich fast wie in den beiden Vorgängern ist-:
Ein Fremder kommt in ein Wüstenkaff. Er wird dort von einer Gruppe Männer sehr unfreundlich empfangen, besser gesagt, sie wollen ihn gleich wieder verschwinden sehen und beschädigen deswegen sein Auto. Der Fremde, der sich John Smith nennt, ist allerdings nicht gewillt, einfach so ohne weiteres abzuziehen. Er erkundigt sich, wie es um die Stadt steht, und erfährt dabei, dass es in der Stadt zwei rivalisierende Gangsterbanden gibt. Ein Hauptgeschäft der beiden Banden besteht im Alkoholschmuggel, was sie zu erbitterten Feinden macht. Smith schafft sich zuerst einmal Respekt, indem er einige Männer der Bande tötet, die ihn am Anfang belästigt hat. Danach heuert er zuerst bei der einen, und später bei der anderen an. Sein Ziel besteht darin, die Banden gegeneinander auszuspielen, wobei er sich zum Schein immer auf eine der beiden Seiten stellt und Gegenschläge gegen die andere Seite provoziert, um am Ende als Sieger bzw. einziger Überlebender hervorzugehen, was er hauptsächlich tut, um seine angeschlagene Kasse aufzubessern.
Auch wenn Hills erneute Version dieser Geschichte natürlich von der Story her nicht viel neues bietet und für Kenner von Leones Film diese logischerweise ziemlich vorhersehbar ist, schafft er es durch gewisse Punkte doch, einen zumindest im großen und ganzen, unterhaltsamen Film abzuliefern.
Bruce Willis spielt die Hauptrolle des schweigsamen Fremden. Er überzeugt, auch wenn er nicht an Clint Eastwood im ersten Remake rankommt. Die Nebenrollen sind ebenfalls nicht schlecht besetzt, es wirken u.a. Bruce Dern und Christopher Walken mit. Der Film ist vor allem mit sehr viel Action angereichert. Dadürch durften vor allem Actionfreunde ordentlich auf ihre Kosten kommen. Interessant ist auch der Soundtrack, der von Ry Cooder(„Buena Vista Social Club“) und angeblich auch von Altmeister Elmer Bernstein(„Die glorreichen Sieben“, „Gesprengte Ketten“) stammt. Gut ist auch die Atmosphäre, trotz der in die 30er Jahre verlegten Handlung, hat der Film auch eine sehr überzeugende Westernatmosphäre. Er wird deswegen auch häufig als postmoderner Western angesehen.
Gewissermaßen erweckt Walter Hill (dessen Lieblingsgenre auch der Western ist) hier auch einen altbekannten Westernmythos zu neuem Leben. Allein dieser Anspruch ist Anerkennung wert. Hill ist sowieso einer der wenigen, die sich überhaupt daran versuchen, dem Genre noch einmal Leben einzuhauchen. In den letzten Jahren ist nur Jim Jarmusch ähnliches geglückt, mit seinem Film „Dead Man“ mit Johnny Depp in der Hauptrolle.
Aber nochmal zu „Last Man Standing“.
Einer der wesentlichen Kritikpunkte ist eben, dass der Film eigentlich nichts neues bietet. Anstatt vielleicht ein paar neue Aspekte zur Geschichte und zur Hauptfigur hinzuzufügen, ist es sogar noch so, dass unnötigerweise versucht wird, durch unbedeutende Nebenhandlungen die Geschichte etwas komplexer zu gestalten, was ziemlich daneben geht. Diese Nebenhandlungen sind unnütz und laufen eigentlich ins Leere.
Dann gibt es noch einen anderen Kritikpunkt, die Gewaltszenen, die teilweise schon relativ hart sind (es gibt 1-2 regelrechte Massaker), auch gegenüber Leones Film (Kurosawas Original kenne ich leider nicht). Man könnte auch sagen, sie wurden der Zeit angepasst (zynisch ausgedrückt). Leider werden sie aber eben teilweise doch ziemlich unnötigerweise „eingestreut“.
Fazit: Alles in allem doch ein ziemlich gelungenes zweites Remake. Es kann zwar nicht durchweg überzeugen, bietet aber gelungene und actionreiche Unterhaltung. Außerdem ist es ein ehrenvoller Versuch, ein angestaubtes und beinahe „totes“ Genre noch einmal zum Leben zu erwecken.