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"Last Man Standing" von Walter Hill bedient sich eines Stoffes, der bereits unzählige Male in der ein oder anderen Weise verfilmt wurde. Ein Einzelgänger kommt an einen von Verbrechen dominierten Ort und spielt die Verbrecher gegeneinander aus bzw. räumt unter ihnen ordentlich auf. Die bekanntesten Vertreter dieses Sujets sind Kurosawas "Yojimbo", "Django" und natürlich "Für eine Handvoll Dollar" von Sergio Leone, dessen Film(en) Walter Hill hier, auch im Sinne einer Huldigung, am nächsten kommt.

Wer einen oder mehrere der genannten Filme gesehen hat, wird indes wenig neues oder überraschendes in der Verfilmung von Walter Hill entdecken können: Bruce Willis spielt hier so cool wie immer einen Typen namens Smith, was wahrscheinlich nicht mal sein richtiger Name ist. Dieser kommt nach Jericho, einem Nest nahe der mexikanischen Grenze, das von den ehrbaren Bürgern längst verlassen wurde, in dem es noch einen Puff, einen untätigen Sheriff, einen Leichenbestatter, einen Saloon und natürlich massig Gangster gibt, die sich in zwei Banden auf das Schmuggelgeschäft konzentrieren. Da diese gleich zu Beginn Smiths Wagen demolieren, fängt dieser an, sein eigenes Spiel mit den Banden aufzuziehen.

Die Stärke von "Last Man Standing" ist nicht die Story, den diese ist wohlbekannt, es ist die Inszenierung, die zu gefallen weiß. Das soll nicht bedeuten, die Geschichte von Walter Hill sei ein Totalausfall, ganz im Gegenteil, der Regisseur versucht eigene Akzente zu setzen und ausreichend Spannung ist immer vorhanden, aber ich denke mal, Hill hat dieses Thema auch wegen der Möglichkeit der Inszenierung gewählt.

In "Last Man Standing" sind die Bilder praktisch voller Staub und Grobkörnigkeit. Walter Hill präsentiert eine Stadt, in der es bereits Autos gibt (sehr symbolhaltig auch die Szene mit dem toten Pferd als "alte Welt" zu Beginn des Films), in der aber Leute, vor allem Gangster, leben, die diese alte Welt immer noch verkörpern.
Neben beeindruckenden Landschaftaufnahmen vor allem der Sonne zieht sich eine Trostlosigkeit durch den Film, die einen herbe Atmosphäre schafft und so ungemein fesseln kann.

Walter Hill präsentiert als Meister des Neo-Western zudem ausgezeichnete Schießereien, die sich absolut sehen lassen können, und in denen glücklicherweise keine Zeitlupen zum Einsatz kommen. Bruce Willis macht darin eine wie so oft glänzenden Figur. Zwar ist seine Figur, wie auch die der anderen Schauspieler, recht eindimensional, aber er holt viel aus der Rolle raus. Auch die anderen Darsteller können überzeugen:  David Patrick Kelly und Christopher Walken als Gangster ebenso wie William Sanderson oder Bruce Dern, als Sheriff, der gerne wegschaut. Wie gesagt, gemessen an den Charakteren keine Glanzleistungen, aber grundauf solide.

Fazit: Walter Hills "Last Man Standing" ist ein atmosphärischer und ungewöhnlich gut fotografierter Westernthriller, der zwar nicht mit der besten Story, aber einer richtig guten Inszenierung aufwarten kann. Allein schon wegen der Schießereien sehenswert.

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