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Texas in den 30ern. John Smith fährt in ein Wüstenkaff. Plötzlich wird er von einer Bande angehalten, die ihn anpöbeln und sein Auto demolieren. John geht gleich zum Sheriff, doch der will einfach nichts unternehmen. Er rät ihm sogar, die Stadt zu verlassen, oder sich eine Waffe zu besorgen. John tut Zweiteres, und nimmt sich im Dorfwirtshaus ein Zimmer. Vom Wirten erfährt er, dass zwei Banden, die denselben Geschäftszweig des Alkoholschmuggels ausüben, die Stadt terrorisieren. Seit geraumer Zeit herrscht Waffenruhe, aber niemand weiß wie lange.

Neben den Die Hard Variationen ist Last Man Standing für mich der mit der beste Film in Bruce Willis Filmographie. Die Rolle des wortkargen Einzelgängers mit seinen zynischen Off Kommentaren ist prädestiniert für ihn (selbiges gilt aber auch für Christopher Walken auf der Gegenseite), in der er ehrenvoll die Nachfolge von Clint Eastwood übernehmen kann. Zudem ist mit Walter Hill ein Veteran am Regietisch, der sich in dem Metier bestens auskennt und einiges an Peckinpah´schen Ruppigkeiten in die einer-gegen-alle Geschichte einstreut.
Auch wenn die Handlung ins Amerika der Prohibitionszeit gelegt wurde, bleibt sie doch im Grunde ein fast schon klassischer Western. Die staubigen Straßen, der müde Sheriff der Beinahe-Geisterstadt Jericho, ein einsamer Pistolero und ob die Gangster jetzt Booze schmuggeln oder landgierige Rinderbarone sind, ist im Prinzip ja eigentlich auch egal. Auftritt John Smith, der für ein Nachstarren einer Gangsterbraut gleich mal dezent das Auto zerdeppert bekommt, was sich für die Bösen als ziemlicher Bumerang herausstellt, denn der Filmtitel kommt nicht von ungefähr.
Allein wie sich Smith als Doppelagent für beide Banden aufspielt, stets einen coolen Spruch auf den Lippen hat und schnell einen Plan verfolgt alle gegeneinander auszuspielen ist klasse gemacht. Eine Provokation hier, eine falsche Information dort und schon tanzen die Marionetten nach seiner Pfeife. Beide Gangs wähnen ihn auf ihrer Seite während er erst alle beiden Damen der Stadt in Sicherheit bringt und nebenher bereits die Handlanger dezimiert. Dezimiert heißt hier allerdings nicht einfach erschossen, sondern sie werden regelrecht zersiebt. Keiner der Leichen hat weniger als ein Magazin voll Schußwunden aufzuweisen und die Shootouts kann man nur noch als dreckig und kompromißlos (im positiven Sinne) bezeichnen.
Allein das Ende der Italo-Bande könnte beißender kaum sein. Eingekesselt in einem brennenden Haus haben die Thugs die wenig komfortable Wahl als entweder zu verbrennen oder beim Verlassen erschossen zu werden. Da macht das Gangsterleben echt keinen Spaß mehr. In Sachen roher Gewalt fährt last Man standing jedenfalls durchgängig die harten Geschütze auf, die aber auch John am eigenen Leib erfahren muß, als ihm das Gesicht zu klump geprügelt wird.
Viel besser könnte man die Geschichte kaum erzählen. Hier stimmt einfach beinahe alles, die Charaktere, der treibende Score, die Atmosphäre und zwischendrin ein Haufen Neo-Cowboys mit zuviel Munition im Colt. Dazu paßt dann auch das es am Ende im Grunde keinen Gewinner gibt, sondern nur Verlierer, die einen eben mehr, die anderen weniger. Starkes Ding.
9/10

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