Review

„Zeigt mir, wie ein gelbhaariger Löwe zu kämpfen versteht!“

Der italienische Genrefilmer Antonio Margheriti („Asphaltkannibalen“), zuhause in allen möglichen Genres von Sandalenfilmen über Science-Fiction- und Kriegsfilme bis hin zu Horrorfilmen, drehte 1983 in italienisch-türkisch-französischer Koproduktion einen „Conan“-Barbarenfilm-Rip-Off als Vierteiler fürs italienische Fernsehen: „Yor – Einer gegen das Imperium“. Auf Spielfilmlänge zurechtgestutzt, fand der Film seinen Weg auch in die deutschen Kinos.

In grauer Vorzeit: Yor, starker, blonder („gelbhaariger“) Held in Lendenschurz und Fellstiefeln, weiß nichts über seine Herkunft und über das rätselhafte Amulett, das er stets mit sich trägt. Nachdem er eines Tages die hübsche Ka-Laa (Corinne Clery, „Die Geschichte der O.“) und ihren väterlichen Freund Pag (Luciano Pigozzi, „Blutige Seide“) vor einem Dinosaurier-Angriff gerettet hat, wird leider ihr gesamter Stamm von grimmigen Neandertalern ausgelöscht, woraufhin er sich mit Ka-Laa und Pag in zahlreiche Abenteuer stürzt: Er rettet Ka-Laa vor den unzivilisierten Wilden, lernt die attraktive Roa kennen, die das gleiche Amulett wie er trägt und sich in einer abgeschiedenen Höhle vom Schmelzwasser eines Eisblocks ernährt (!), muss sich vor weiteren Untieren verteidigen und stößt schließlich auf ein kleines Strandvolk (?), das von Außerirdischen angegriffen wird (!!!). Diese werden angeführt von einem sich selbst „Der Höchste“ nennenden Obermotz (John Steiner, „Das Verfahren ist eingestellt: Vergessen Sie’s!“), der mit seinen Androiden-Armeen die frühe Menschheit zu unterjochen gedenkt (oder so…). Doch Yor ist zur Stelle und tritt zusammen mit einigen Abtrünnigen des „Höchsten“ zum finalen Kampf gegen das „Imperium“ an…

Margheritis Filme, die ich bisher gesehen habe, zeichneten sich gemeinhin durch eine handwerklich saubere Inszenierung gepaart mit gerne mal unfreiwilliger Komik, aber auch – insbesondere im Horrorbereich – krude, originelle Ideen aus, die für zum Teil wirklich gute Genreproduktionen sorgten. Mit „Yor – Einer gegen des Imperium“ versuchte er sich seinerzeit am unsäglichen Barbaren-Subgenre des Fantasy-Bereichs und jagte den durchtrainierten US-Amerikaner Reb Brown („Sssssnake Kobra“) in dessen ersten Hauptrolle durch die Freiluft-Botanik. Über Browns schauspielerisches Talent darf man sicherlich geteilter Meinung sein, doch in seiner Rolle als strahlender Haudrauf-Held und Urzeitfrauenschwarm passt er sich hervorragend dem allgemeinen Niveau dieses Vollzeit-Trashers an. So hüpft, joggt, springt und klettert er behände durch die spärlichen Kulissen und hat für jede weibliche Avance oder Eifersüchtelei ein schmieriges Grinsen parat. Margheriti trat einmal mehr unter seinem Pseudonym Anthony M. Dawson an und macht damit aufgrund der unheimlichen Ähnlichkeit seines Hauptdarstellers mit James Van der Beek „Yor – Einer gegen das Imperium“ zu „Dawson’s Creek“…

Doch Spaß beiseite bzw. geht der jetzt erst richtig los, denn der Film ergibt kaum Sinn, ist aufgrund seines episodenhaften Zusammenschnitts aber eine rasante Maschinengewehrsalve dümmlichster Barbaren-Action voll strunzdoofer Dialoge, hanebüchener Entwicklung und beknackter Ideen, von denen der Tränen in die Augen treibende Höhepunkt gleichzeitig das Finale ist, der „Star Wars“-Rip-Off gegen Ende inklusive vieler kleiner Darth Vaders als Androiden-Armee. Nichts war damals heilig, schon gar nichts zu stumpf, abgedroschen, flach oder klischeebehaftet, kurz: den Damen und Herren nichts peinlich, so dass Margheriti & Co. ohne mit der Wimper zu zucken aus dem Vollen schöpfen. Das macht durchaus Spaß und verführt je nach Gemütszustand und persönlicher Veranlagung zu Gelächter oder Fremdscham, und da ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass überhaupt jemand mit in irgendeiner Weise ernsthafteren Erwartungen an einen Film herangeht, der die vom Grundsatz her ja eigentlich schon schwer alberne, testosteron- und anabolikageschwängerte Barbaren-Fantasy zum Thema hat, geht das sicherlich in Ordnung – wenngleich eigentlich nichts an „Yor – Einer gegen das Imperium“ stimmt, außer dass man manch Spezialeffekt auch schon wesentlich schlechter gesehen hat und sich lustigerweise einige erfahrene, verdiente Schauspieler unter das Ensemble gemischt haben. Selbst die De-Angelis-Brüder, besser bekannt unter dem Pseudonym „Oliver Onions“, verpflichten sich mit ihrem Synthie-Pop-Soundtrack dem unheiligen Gott des Trashs und texten sinnbefreit: „Yor's World, he's the man! Yor's World, he's the man!“

Apropos „Man“: Besonders bemerkenswert finde ich an „Yor“, dass er mit seiner Mixtur aus Fantasy- und Science-Fiction-Motiven der 1982 gestarteten „Masters of the Universe“-Actionfigurenreihe um Front-Muskelpaket „He-Man“, seinerzeit ebenfalls inspiriert von „Conan“, nähersteht als „Conan“ es tut. Nichtsdestotrotz tat mir nach Sichtung des Films auf großer Leinwand, allen Spaßes zum Trotz, das Gehirn ein wenig weh – und zwar bestimmt nicht wegen Überanstrengung… Es war eine nette Grenzerfahrung, nach der ich mich umso mehr auf den nächsten Margheriti-Sci-Fi-Trash-Klopper freue – da bin ich dann doch eher zuhaus.

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