Review

Auch wenn der Durchbruch in Hollywood mit „Rush Hour“ noch bevorstand, zeigten Jackie Chans („Rush Hour“, „The Medallion“) Hongkong-Filme vorweg schon welchen Weg er einschlagen wollte. Sich den Materialschlachten des westlichen Actionkinos nähernd und weitere Rollen zumeist mit amerikanischen Darstellern besetzend, ist „No More Mr. Nice Guy“ ein Produkt, dass auf eine internationale Vermarktung zielte. Für die, wurde dann einmal mehr der Soundtrack ausgetauscht und der Film im Schneideraum nochmal überarbeitet. Aber das ist ein anderes Thema.

Um das Risiko möglichst klein zu halten, funktioniert auch dieser Chan-Streifen nach altbewährtem Konzept. Das mag seinen Fans zwar gefallen, Einfallslosigkeit muss man Produzenten wie Drehbuchautoren trotzdem vorwerfen. Chan gibt hier den erfolgreichen TV-Koch Jackie, der, ehe er es sich versieht, versehentlich mitten zwischen die Fronten rivalisierender Gangster gerät und nun eine zu neugierige Reporterin wie eine Klette an einer Seite haften hat. Die Polizei ist mal wieder unfähig, die Bösewichte kidnappen seine Angebetete Miki und zu allem Überfluss stellt sich das feminine Trio auch noch als sehr empfänglich für Jackie Charme heraus.

Auch wenn das Konstrukt nun schon zum x-ten Mal nur leicht variiert wurde, kann Sammo Hung (hier auch mit Cameo als Radfahrer) mit seiner Erfahrenheit einen kurzweiligen, actiongeladenen Actioner abliefern, der Höhepunkte, bis auf finale Zerstörungsorgie, vermissen lässt. Um den Plot macht man sich nach der hektischen Einführung längst keine Sorgen mehr, bemüht sich Hung doch gar nicht diesen hier einigermaßen verständlich zu erzählen, sondern setzt ganz auf die Einlagen seines akrobatischen Alleskönners. In gewohnt guter Form präsentiert sich Chan natürlich auch hier wieder und so wird alles, was so an Gegenständen in der Gegend herum steht, in seine Kampfeinlagen mit eingebunden. Der Slapstick, seine Versuche möglichst minimalistisch (um ja keinen zu verletzen) zu kämpfen, das Schneiden von Grimassen und der geringe Anteil Wortwitz sind alle vertreten - alles also nach bewährter Rezeptur.

Negativ fallen nur einige wirklich übertriebene Logikpatzer auf, denn die Jackie beschattenden Cops müssen kaum wie ein Rudel hinter ihm herschwänzeln und eine Erklärung für die vielen Explosionen im Finale bliebt Hung auch schuldig. Seine Stilmittel sind Geschmackssache, mir persönlich gingen die verwaschenen Zeitlupen irgendwann auf die Nerven. Dass Bösewicht Richard Norton („Tough and Deadly“, „Executive Command“) kaum Gelegenheit bekommt sein Martial-Arts-Talent unter Beweis zu stellen und dafür mit Klischees zugekleistert wird, ist hingegen schade.

Die gigantische Zerstörungsorgie im Finale ist dann nicht ganz das, auf was man bei einem Chan-Film gewartet hat. So spektakulär es auch aussieht, wie Jackie mit einem Steinbruchkipper kreuz und quer durch die Villa rast und alles zu Kleinholz verarbeitet, es ist gleichzeitig auch zu ausufernd und damit sinkt der Unterhaltungswert. Vielleicht hätte Hung Chan zwischendurch nochmal aussteigen lassen sollen, um per Hand(kanten)schlag Rettung wie Kaltstellung des Bösewichts zu besiegeln.


Fazit:
Typischer Jackie Chan-Film, der nach bewährtem Muster abläuft und trotz seiner Kurzweiligkeit nicht aus den Socken haut. Dazu fehlen ihm einfach die Höhepunkte und eine originelle Story. Seine Fans wird jedoch auch der Streifen zufrieden stellen.

Details
Ähnliche Filme