ACHTUNG! SPOILER!
„Das also ist Amerika."
Zum Auftakt spielt die Proto-Punk Formation „The Dictators" eine sehr freie Version des Songs „America the Beautiful." Dieses sehr patriotische Lied von Katharine Lee Bates (Text) und Samuel A. Ward (Musik) wurde erstmals 1910 veröffentlicht (Wikipedia). Darin wird unter anderem die Schönheit der amerikanischen Landschaft, der uneingeschränkte Patriotismus der Amerikaner, deren Brüderlichkeit, Pioniergeist und Furchtlosigkeit besungen und der Wunsch nach Gottes ewigem Segen für das Land zum Ausdruck gebracht.
Und dann wird es vorgeführt, das „typische" Amerika. Zumindest soll dem Zuschauer glauben gemacht werden, diese Anhäufung von Absurditäten, Albernheiten, Abnormalitäten und Absonderlichkeiten repräsentiere diese „freiheitlichste Demokratie." Dabei ist der Film von 1973 aus heutiger Sicht ziemlich harmlos und zeigt einen Mix aus realen kulturellen Phänomenen und inszenierten Spektakeln. Romano Vanderbes hat für seinen Film möglichst viel ungewöhnliches Bildmaterial aneinander montiert und versucht, dies mit Hilfe eines nicht immer redlichen Kommentars in einen übergeordneten Zusammenhang zu stellen, der da lauten könnte: „Die spinnen, die Amerikaner."
Nach einem eher unverfänglichen Einstieg in den Film, bei dem über die Bedeutung des Autos für die amerikanische Gesellschaft philosophiert wird, werden anschließend in Zeitlupe zahlreiche Unfälle mit Todesopfern bei den „500 Meilen von Indianapolis" vorgeführt und durch Montage und Kommentar so hingestellt, als seien diese alle während eines Rennens an einem Tag geschehen und die skrupellosen Veranstalter hätten das Rennen dennoch immer wieder neu gestartet: „und wieder...und wieder...und wieder..." Verschwiegen wird dabei jedoch, dass diese, als „Deadly May of 1973" in die amerikanische Renngeschichte eingegangenen Ereignisse sich bei dieser Veranstaltung in einem Zeitraum von mehreren Tagen ereigneten. Dabei starb ein Fahrer während des Trainings, ein weiterer wurde ein paar Tage später während des Rennens bei einem Unfall so schwer verletzt, dass er einige Wochen danach verstarb. Bei diesem Unfall wurden auch mehrere Zuschauer verletzt. Zudem starb ein Mechaniker, der abseits der Strecke überfahren wurde. Anders als im Film behauptet, wurde das Rennen daraufhin vorzeitig abgebrochen.
Mit diesen Szenen hat der Film seine makabersten Bilder dann auch schon gezeigt, und von nun an geht es eher heiter weiter...
Obwohl Sex in jeder erdenklichen Ausprägung einen Schwerpunkt bildet, gibt sich der Film bei diesem Thema jedoch vergleichsweise zurückhaltend.
So wird von einer 1975 veranstalteten „Ms. All-Bare America" Wahl berichtet, Bilder von der Verleihung des Porno-Oscars gezeigt und ein Seniorenbordell besucht, in dem auch 70 jährige Rentnerinnen ihr Einkommen aufbessern. Bei einer Veranstaltung mit männlichen Go-Go-Tänzern, die vor enthemmten Hausfrauen auftreten, behalten alle Tänzer brav ihre Unterhose an und beim Schlammcatchen sitzen die Besucher in der ersten Reihe vorsichtshalber hinter einer Plastikfolie. Zu den lustigsten Szenen des Films gehört ein Besuch bei „Fredericks of Hollywood", dem „King of Passion Fashion". „Seit etwa 25 Jahren ist der aufblasbare BH der gängigste und meist verkaufte Artikel des Unternehmens." Der aufblasbare BH! Im Zeitalter von Silikonimplantaten ein Ladenhüter, sollte man meinen, aber weit gefehlt! Auch im Jahre 2018 kann dieses sensationelle Produkt auf der Homepage von „Fredericks" noch immer geordert werden!
Bei einem Besuch in einem der „neuen, geschmackvoll, elegant und modern" eingerichteten Sex-Shops, „die bei den Studenten natürlich besonders beliebt sind" (?), preist ein Verkäufer u.a. ein Bleistiftradiergummi in Penisform an: „Das ist doch wirklich das witzigste, was sie ihrer Sekretärin schenken können." Nun ja...
Bei einem anschließenden Besuch in einer Dildofabrik erfahren wir, dass hier bereits „5 Millionen" Dildos produziert wurden. Untermalt von einer seichten Sing-Sang-Musik wird dann auch gleich noch der komplette Herstellungsprozess eines Dildos vorgeführt. Schließlich wird noch der spektakuläre „Accujack" (oder so) vorgeführt, eine Onaniermaschine, deren „Entwicklung vier Jahre gedauert hat." Und das Beste: „Die größeren Luxusausführungen des Accujack können von 4 Personen gleichzeitig benutzt werden!"
Bei den nackten Menschen, die sich aus „therapeutischen Gründen" in den Räumlichkeiten der „Sex Education Organisation" befingern, werden wir dann unfreiwillig Zeuge von einigen eher unästhetischen Szenen, die in der deutschen Fassung des Films zum Glück etwas gekürzt wurden.
Schließlich lernen wir noch einen polygam lebenden Mormonen kennen, der mit 8 Frauen zusammenlebt, wobei uns der Film versichert: „Im Gegensatz zu der schrillen Propaganda der Frauenrechtlerinnen scheinen alle Frauen glücklich und zufrieden zu sein!" Na, wie schön...
Neben Sex geht es in diesem Film aber auch noch um andere Dinge, z. B. um die „awful addiction to junk food" unter der viele Amerikaner leiden. Um ihr diese auszutreiben, wird einer ältere Frau in einer wissenschaftlich eher fragwürdigen Versuchsanordnung immer dann ein unangenehmer elektrische Schlag verpasst, wenn sie einen Hamburger oder Pommes zum Mund führt. Das ganze Experiment findet ein auch für die Versuchsleiter feucht fröhliches Ende.
Weitere Themen des Films sind eine Drive-In Kirche, (die „Garden Grove Community Church"), „where you can worship in your car", eine Drive-In Leichenhalle für „automotive mourning" und ein Knast für Männer und Frauen in dem es zugeht wie in einem Wellness-Hotel. Las Vegas, „our national Ghomorra" wird ebenso vorgeführt wie eine „Ministry of Clowns" in der Priester die Messe lesen, die in Clownskostümen auftreten.
Den in den USA ach so beliebten Laienpredigern ist ebenso ein Kapitel des Films gewidmet. Der hier vorgestellte „Little Michael" war ein etwa 8 Jahre alter Prediger, der angeblich durch Hand auflegen Krankheiten heilen konnte, wobei einige religiöse Fanatiker (zumeist Frauen) gezeigt werden, die nach „Little Michaels" Berührung in eine Art Ekstase/Hypnose verfallen. Michael Lord gehört zur selbsternannten „First Family of Evangelism" und Infos zur Familie Lord (inklusive eigener Webseite) sind im Internet leicht zu finden.Last but not least zeigt uns Vanderbes auch noch eine Schwarze Messe: „Einstmals fromme Katholiken feiern heute regelmäßig die Schwarze Messe." Dabei kommt es oft zu „grauenhaften Sex-und Gewalttaten." Na, da schließt sich doch der Kreis: Sex, Gewalt und gute Laune! „Ave Satanas!"
Wie schon kurz angedeutet, ist die deutsche Video-Fassung des Films (83:57 Minuten) im Vergleich mit der Originalfassung deutlich gekürzt. Einige Sequenzen fehlen ganz (so der Clowns-Gottesdienst), etliche andere wurde einfach nur gekürzt, ohne dass dadurch wesentliche Teile des Films verloren gegangen wären.
Auf dem Cover der Video-Cassette von „Starlight Video" findet sich keinerlei Hinweis auf eine Altersfreigabe. Die Cassette selbst hat den Aufdruck „Keine Vermietung oder Verkauf an Kinder und Jugendliche."
Text auf dem Videocover:
„Fly-in Bordelle. Reichen Ranchers und verrückten Politikern wird das Letzte geboten.
Go-Go-Tänzer versetzen gelangweilte Hausfrauen in Ekstase.
SEX-Kliniken: Frustrierte Amerikaner erfahren alles über den wahren Orgasmus.
Rennsportveranstaltungen - menschliches Leben spielt eine untergeordnete Rolle.
Bordelle für Senioren - mit 60- und 70jährigen Prostituierten.
Country-Gefängnisse - Diebe und Mörder leben mit jungen Mädchen in sexueller Ungezwungenheit zusammen.
Drive-in-Beerdigungsinstitute - Leichen werden in Schaufenstern ausgestellt.
Accujac - die Onaniermaschine des Raumzeitalters."
1980 kam die Fortsetzung „This is America, Part II / Das ist Amerika - Teil 2" auf den Markt und als Nachzügler 1991 „America Exposed", der in Deutschland unter dem Titel „Das ist Amerika - Teil 3" vermarktet wurde.
Aus der Werbung:
...der schockierendste unglaublichste und skandalöseste Film der je gezeigt wurde (Video)