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Der aus schwierigen Verhältnissen stammende Robert Stroud wird wegen Totschlags zu neun-jähriger Haft verurteilt. Im Gefängis tötet er im Streit einen Wachmann, worauf ihm die Hinrichtung droht. Nur dem unermüdlichen Einsatz seiner Mutter, seiner einzigen Bezugsperson, verdankt er, daß die Strafe in eine lebenslange Einzelhaft umgewandelt wird.
Als er eines Tages auf dem Gefängnishof ein aus dem Nest gefallenes Vogelküken findet, zu sich in die Zelle nimmt und gesundpflegt, ist dies der Beginn einer ebenso faszinierenden wie rührenden Geschichte eines Mannes, der hinter Gittern zu einem anerkannten Ornithologen wird.

Burt Lancaster ist brillant in der Titelrolle. Er spielt Stroud als verbitterten, einzelgängerischen Menschenfeind, der durch die Gesellschaft des kleinen Vogels, den er liebevoll pflegt und dressiert, allmählich aufzutauen beginnt.
Überhaupt sind diese Szenen mit die stärksten des Filmes:  Stroud füttert den Vogel mit Insekten, bastelt aus einer leeren Bierflasche ein Trinkgefäß, baut eine Obstkiste zum Käfig um, und ist dabei stets zum Improvisieren gezwungen, da er mit dem auskommen muß, was er in seiner Zelle vorfindet, oder was ihm sein wohlgesonnener Wärter zusteckt.

Schon bald vergrößert sich der Vogelbestand in Strouds Zelle, und hier kommt es zu einer Schlüsselszene des Filmes, zu einer Geburt. In langen, ruhigen Einstellungen sehen wir Strouds Gesicht durch die Holzstäbe des selbstgebastelten Vogelkäfigs. Ehrfürchtig blickt er auf die kleinen Vogeleier, von denen sich eines bewegt, einen Riss bekommt und schließlich ein Küken freigibt, das sich eifrig strampelnd von den Schalen zu befreien versucht. Stroud, der Mörder, hat das Leben zu schätzen gelernt.
Eine ähnlich emotionale Szene, wie die, in der er den Spatz, mit dem alles angefangen hat, in die Freiheit entläßt  ("flieg bis rauf zu den Sternen, für mich...")

Eine Katastrophe bahnt sich an, als er auf die Gefängnisinsel Alcatraz verlegt werden soll, wo ihm der Besitz von Tieren verboten ist...

Frankenheimers Film ist ein Klassiker, der nicht die Bekanntheit hat, die ihm eigentlich zusteht.
Die rund zweieinhalb Stunden Laufzeit sind nicht zu lang, und in seiner zutiefst menschlichen Aussage, und der fast kammerspielartigen Inszenierung kommt mir spontan der ähnlich brillante Die zwölf Geschworenen von Sidney Lumet als Vergleich in den Sinn.

Unbedingt erwähnt werden muß noch die großartige Musik. Elmer Bernstein bewältigt das kompositorisch schwierige Thema mit allerhöchster Meisterschaft. Die sparsam orchestrierte, ebenso zurückhaltende wie kraftvolle Komposition unterstützt Lancasters nuanciertes Spiel auf das Trefflichste. Frankenheimer sollte bei The Gypsy Moth noch einmal mit Bernstein zusammenarbeiten.

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