Lange Zeit war es still um das vielleicht beste SciFi-Franchise. Nach dem Desaster mit TNT und dem schnellen (und unverdienten!) Abwürgen von "Crusade", sowie dem "Legend of the Rangers"-Film und dem nie verwirklichten Kinofilm ("The Memory of Shadows") schien die Marke "Babylon 5" tot zu sein. Dabei hat JMS doch gerade zum Ende der 5. Staffeln noch mal eben so einiges angerissen und einige wirklich fiese Cliffhanger in einem Zeitfenster von 20 Jahren offengelassen.
Diese Lücken scheint nun die Serie "Lost Tales", direkt für den DVD-Markt produziert, schliessen zu wollen bzw. das B5-Universum um einige Elemente zu erweitern.
Das erste Projekt ist der nun vorliegende Film "Voices in the Dark". Film ist vielleicht etwas übertrieben, denn genaugenommen handelt es sich um 2 Folgen, die lose miteinander verknüpft sind und gut 10 Jahre nach der vorletzten Folge der 5. Staffel spielen.
Ab hier folgen Spoiler!
Der erste Teil widmet sich Colonel Elizabeth Lochley, die sich nach 9 Jahren in ihren Job auf der Station eingelebt hat. Doch sie hat ein Problem, denn ein Mann scheint von einem Dämonen besessen zu sein (bzw. von Asmodeus, wie er selbst sagt). Daher hat sie einen Mann Gottes herbestellt, der einen Exorzismus ausführen soll. Man kann sich vorstellen, wohin das führt...
Schlimm finde ich es, daß JMS wirklich den Weg geht und Babylon 5 nun zur Grenzlinie zwischen Himmel und Hölle macht. Nicht nur wirkt das etwas arg abgehoben, nein, es widerspricht auch der angedeuteten Tatsache, daß die göttlichen Wesen aller Völker lediglich die Vorlonen waren.
Auf der positiven Seite sei vermerkt, daß JMS ein gutes Kammerspiel gelingt, welches nur aus Dialogen zwischen Lochley, dem Priester und dem Dämon besteht.
Der zweite Teil ist da vielleicht schon leichter zugänglich, da konventioneller. John Sheridan soll nach B5 für einen Empfang zurückkehren. Auf dem Weg dahin erscheint ihm Galen in einer Vision, der ihm mitteilt, er müsse einen Centauri töten, der in 30 Jahren die Erde auslöschen wird (diese Vision ist noch von weiterem Interesse, schlägt sie doch einen kurzen Brückenschlag zu "Crusade", indem sie die Auswirkungen der "Plage" zeigt. Ausserdem befinden sich John und Galen plötzlich im New York aus "Das Fünfte Element" und werden fast von einem fliegenden Taxi umgerast).
Dieser Centauri ist der dritte Anwärter auf den Thron (nach Londo und Vir) und nicht nur der Sohn von Cartagia, sondern auch noch immer ein Kind (bzw. ein Teenager). Sheridan findet sich also plötzlich in einer misslichen Lage und muss sich zwischen Moral und dem Wohlwollen der Erde entscheiden...
SPOILER ENDEN HIER!!!
Das Schöne an "VitD": Man macht die DVD an, hört die wunderbare Musik von Christopher Franke, G'Kar den einleitenden Satz aus dem Off sprechen und fühlt sich prompt "zuhause und unter guten Freunden". Alleine das ist es wert, für diesen Film Geld auszugeben, auch wenn nur drei bekannte Gesichter auftauchen, die sich aber gleich wieder spielend in ihre Rollen versetzen konnten (vorallem Peter Woodward, der hier erneut als Galen glänzt). Ein bißchen schade ist es, daß man nicht mal die drei auf der Station verbliebenden Charaktere des Stammpersonals (Zack, Corwin und Vir) wenigstens hat Kurzauftritte absolvieren lassen, um das heimelige Gefühl zu verstärken.
Auch ein paar neue Erkenntnisse erhalten wir - dank der Vorlonentechnologie ist es jetzt möglich, durch den Quantenraum zu reisen, was noch mal eine gute Ecke schneller als der Hyperraum ist. Und auch Dr. Franklin hat letztendlich keine Karriere auf der Erde eingeschlagen, sondern folgte G'Kar "Beyond the Rim", um neue Welten zu entdecken. Zudem wird man davon in Kenntnis gesetzt, daß Londos Verfassung nicht gut ist und er nur noch selten lacht.
Fans werden sich über diesen kurzweiligen Film freuen, neue Zuschauer wird er aber kaum werben können, dazu ist er zu sehr "Flickwerk", reisst zu viel an, was Nicht-Fans auf keinen Fall verstehen können.
Noch lobend zu erwähnen sind die CGI-"Aussenaufnahmen". Diese haben sich zum Glück ein gutes Stück verbessert.
Die Extras sind durchaus sehenswert. Vorallem die Nachrufe sollte man sich anschauen, wenn JMS die ein oder andere Anekdote erzählt (das ruft einem allerdings auch schmerzhaft ins Gedächtnis, wie sehr man Katsulas und Biggs vermisst).
Lauthals gelacht habe ich hier (sinngemäß wiedergegeben!):
Andreas: "I'm Ambassador Ja'Kar!"
Joe: "Ja'Kar?"
Andreas: "Yes. I just decided to be French."
*seufz*
Und schon überkommt mich wieder die Lust, die Serie von vorn bis hinten zu schauen (obwohl ich erst vor 2 Monaten mit der 5. Staffel durch war).
Hoffentlich kommt bald eine weitere "Lost Tale"!
Oder Joe macht Season 6 als Comic. Funktioniert bei "Buffy" ja derzeit auch bombig!