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Ich wusste es schon immer: Irgendwann während oder kurz nach der vierten Staffel von Babylon 5 ist "JMS" (für Nicht-Fiver: J. Michael Straczynski , Schöpfer und Produzent) von Aliens entführt und gegen ein Double ausgetauscht worden. Anders ist nicht zu erklären, dass spätestens mit der 5. Staffel (fast) alles, was er (?) angepackt hat, eigentlich nur noch Schrott war: Crusade lahm und öde, und dann die Legende der Ranger - ich glaube nicht, dass ich mich über eine Szene in einem SF-Film jemals so weggeworfen habe wie über diese komische "Waffensteuerung". Einzig bei den Babylon-Langfilmen waren einige brauchbar, und so hatte ich die Hoffnung, dass mit verbesserter Tricktechnik auch dieses Jubiläums-Revival in (annähernder) Spielfilmlänge ansehbar werden würde. Weiter kann man nicht daneben liegen.

Die Inhaltsangabe kann kurz ausfallen, denn so etwas wie eine "Handlung" gibt es eigentlich nicht. Colonel Lochley (Tracy Scoggins) schwaderlappt mit einem Priester über Gott, Teufel und die Welt. Und Präsident Sheridan kommt nach Babylon 5 und bringt einen Centauri-Thronerben sowie eine hässliche Vision mit.

Du lieber Himmel, was ist das denn ? JMS als Experimentalfilmer ? Seine Rache an Warner, die ihm einst den Geldhahn abdrehten und jetzt mit den DVD-Boxen massig Kohle scheffeln ? Was immer dahinter steckt - so gelangweilt wie hier habe ich mich noch nie während einer SF-Serie, nicht mal in der lahmen letzten B5-Staffel. Gut, dass es kein Nostalgietrip und ein Wiedersehen mit der kompletten Crew werden konnte, ist bedauerlich, aber vielleicht nicht zu ändern. Zwei Darsteller der ersten 4 Staffeln sind tot ("beyond the rim" - ein ganz rarer netter Moment des Films), die meisten hatten offenbar keine Lust (oder waren im Budget nicht drin), eine Episode mit Jerry "Garibaldi" Doyle wurde angeblich gedreht, ist aber aus unerklärlichen Gründen nicht enthalten. Bleibt die ranzige (pardon) Scoggins aus der von mir verdrängten 5. Staffel, die nachdrücklich beweist, dass mehr als ein Satz mit der passenden Mimik eine für sie unlösbare Aufgabe darstellt. Und "Galen" Peter Woodward hat in einem B5-Revival meiner Meinung nach nichts zu suchen, der hat mich schon während Crusade heftigst angenervt.

Davon unberührt bleibt natürlich Boxleitner, der fast wie ein Connery des kleinen Schirms mit dem Alter sogar noch charismatischer wirkt. Aber was nutzt das, wenn man ihm nichts zu tun gibt ? Ein längliches "Interview" (u.a. über die Sitzmöbel der Minbari), eine kurze Vision, noch mehr lahme Dialoge. Da werden aus den eigentlich zu kurzen 69 Minuten schon mal gefühlte 3 Stunden, ich hätte nie geglaubt, dass ich während einer B5-Folge mal zum Schnellvorlauf greifen würde. Mir ist das unerklärlich, warum man Babylon-Fans wie "normale" Zuschauer so vor den Kopf stößt. Hätte man einfach zwei liegengebliebene Drehbücher der Orginalserie verfilmt mit wenigstens 45 Minuten pro Handlungsstrang, mit einer Grundidee, einem Bösewicht, etwas Action und einem gescheiten Ende, das Ergebnis wäre sicher nicht herausragend, aber immerhin ansehbar geworden. Stattdessen: Ein paar nette Shots der tricktechnisch aufpolierten Station; und dann ein unfassbar ödes, handlungs- und spannungsfreies Kammerspiel, fast nur aus Dialogszenen bestehend, so lang und langweilig, dass jede Theaterverfilmung dagegen tempo- und actionreich wirkt.

Nein, JMS, das war nix. Wenn sogar die Abgesänge auf die zwei frühverstorbenen Crewmitglieder auf der DVD packender und temporeicher sind als der eigentliche Film, dann ist etwas ganz gründlich schief gelaufen. Wenn er "sein" Kind Babylon 5 endgültig und würdevoll beerdigen wollte, ist ihm ersteres gelungen, zweiteres leider nicht.

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