Eine junge Frau hilft ihrer Oma, die seit dem spurlosen Verschwinden des Mannes eine Pension führt, doch die Gäste neigen ebenfalls zum spurlosen Verschwinden und so geht das Mädchen den Dingen auf den Grund.
"Schreie der Nacht" ist ein Film, der den Zuschauer am Ende überraschen möchte, doch als geübter Filmkenner weiß man bereits nach kurzer Zeit, worauf das Ganze hinauslaufen wird und da vor dem großen Finale recht wenig Überzeugendes geboten wird, ist der Streifen insgesamt mehr pfui als hui. Wer den Film noch nicht gesehen hat und sich das Ende trotz der Vorhersehbarkeit nicht verraten lassen möchte, sollte mit dem Lesen hier aufhören, denn ich werde im Folgenden ein wenig Spoilern müssen.
Die Idee mit dem spurlos verschwundenen Großvater, den die Enkelin des Nächtens mit ihrer Oma im Dialog zu vernehmen vermutet, ist im Grunde nicht übel, aber dadurch, dass man allein schon bei dem Handlungsort in Form der Pension, in der Menschen verschwinden, an Alfred Hitchcocks Hotel in "Psycho" denkt, weiß man bei diesem Gespräch sofort schon, wer sich da tatsächlich mit der alten Frau unterhält. Ganz am Ende gibt es zudem eine überdeutliche Kopie einer Szene aus besagtem Klassiker, in der die in einem Stuhl sitzende Leiche des Opas von einer Person entdeckt wird, wobei die Deckenlampe fleißig hin und her schwenkt, was bei Hitchcock sehr stimmig ausgefallen ist, hier aber nicht überrascht und zudem schlecht umgesetzt wurde, da die Lichtquelle zwar im Bild wackelt, die Beleuchtung der Szene aber konstant unbeweglich bleibt.
Bei der Zeichnung der Figuren beschränkte man sich auf Oberflächlichkeiten. Die Hauptfigur ist das junge Mädchen, das lieb und nett ist, natürlich darf ein männlicher Schwarm nicht fehlen, der an ihrer Seite steht, es gibt einen dummen Arbeiter, einen Polizisten, der sich nicht ernst genommen fühlt und ein paar Gäste, die in der Pension übernachten und bald einem "Unbekannten" zum Opfer fallen. Am Interessantesten ist die Großmutter ausgefallen, die mit ihrer gottgläubigen und oberfrommen Art für Konflikte mit sündigen Personen gut ist und sich zudem merkwürdig verhält, wobei wie gesagt das offensichtliche Vorbild nicht zu übersehen ist.
Die darstellerischen Leistung sind durchweg mittelmäßig, wobei durch die teilweise unpassende deutsche Synchronisation die Darbietungen noch negativer erscheinen als sie sind.
Wer auf Gewaltorgien hofft, der sei gewarnt, denn Bluteffekte beschränken sich auf Minifarbtupfer, denn die wenigen Morde, die im Film gezeigt werden, sind optisch harmlos ausgefallen und finden zudem im Dunklen statt, so dass man sowieso recht wenig erkennen kann.
Doch trotz der überwiegend vorherrschenden Dunkelheit wird nur selten eine wohlige Gruselatmosphäre aufgebaut. Dies liegt zum einen an der wenig spannenden bzw. unheimlichen Story und zum anderen an der nicht immer gelungenen Umsetzung, denn einfach nur dunkle Bilder ohne überzeugende Kameraführung oder Schnitte erzeugen noch keine dichte Stimmung. Die Musikstücke könne sich hören lassen, werden aber zu verhalten eingesetzt.
Insgesamt ist "Schreie der Nacht" eine zum Großteil öde Inszenierung und da man auf eine Überraschung am Ende hinauszielt, die sehr vorhersehbar ist, funktioniert der Film auf diese Weise nicht. Als Trashvariante des großen Klassikervorbildes hat der Streifen jedoch einen gewissen Reiz.