Als Nachfolger von GoldenEye (1995) und in dessen Fahrwasser des Erfolges schwimmend, hat der hiesige Regisseur Roger Spottiswoode mit einem reichlich angezogenen finanziellen Rahmen, fast das Doppelte der dort veranschlagten 60 Mio. USD zu tun; für den Filmemacher in der Ausführung ist die Handhabung dessen für ihn eher ungewohnten Größenordnung entscheidend, weniger eine eigene Handschrift, welches Spottiswoode trotz oder wegen auch Kommerzialität in der Laufbahn durchaus besitzt. Dabei ist zuweilen die schiere Masse an Aktion und Spektakel hier weniger auffallend, besaß der Vorgänger schon eine Handvoll gut durchgeschüttelter Actionszenen, die allerdings mit reichlich Tempo aneinandergereiht wurden und fast im Schnellvorlauf vorausgingen schienen. Masse statt Klasse oder zuweilen auch Klasse in der Masse weist der (selbstironische, nicht selbstkritische, dies aber auch nicht nötig habende) Film dabei durchaus auf, eine Modernisierung der betagten Spionagefilme, ein Gang hinaus in das androhende neue Jahrhundert, deren Kinoalltag vergleichbare Helden aufwarf und vergleichbare Geschichten, aber nicht das Alleinstellungsmerkmal der Tradition und Nachhaltigkeit der Reihe, welche auch hier durchscheint und dies mit positiver, in Erinnerung an Albert R. "Cubby" Broccoli gehaltener Neigung:
Der britische Medienmogul Elliot Carver [ Jonathan Pryce ] möchte die Weltherrschaft in Sachen Information und Beeinflussung erlangen, wozu er mit seinem Stealthschiff und der Hilfe seines Handlanger Stamper [ Götz Otto ] und des Technikexperten Gupta [ Ricky Jay ] zugunsten der Einschaltquoten einen Krieg zwischen dem Vereinigten Königreich und der Volksrepublik China heraufbeschwört und beide Länder bereit für Angriff und Verteidigung bringt. Im Auftrag von M [ Judi Dench ] ermittelt James Bond [ Pierce Brosnan ] gegen den bereits zuvor mit seiner manipulierenden Nachrichtenorganisation auffällig geworden Carver, wobei er über dessen jetzige Frau Paris [ Teri Hatcher ] und mit leichter Unterstützung vom amerikanische CIA-Agenten Jack Wade [ Joe Don Baker ] Zugriff auf mancherlei erste Informationen und Beweise über die Absichten des Tycoons gelangt. Dabei trifft er auf die erst mysteriöse Wai Lin [ Michelle Yeoh ], die sich bald als sein chinesisches Pendant entpuppt.
Ausgehend von der Pre-Title, die bereits das Feuerwerk aus Handwerk und Effekten zelebriert, an der Grenze zu Russland eingeleitet und einen Waffenbasar in Schutt und Asche zerlegt, wird auch folgend die Leichtigkeit des Vorgängers noch angedacht und dennoch die Veränderungen, eine erste Doppeldeutigkeit, einige Referenzen an möglicherweise realen Ereignisse, ein Flohmarkt der Waffenhändler, eine militärische Operation, die Auflegung und Auslebung des Kalten Kriegs, eine Feuererlaubnis mit eindeutiger Ansage, ein operatives Ereignis mit drohenden Einschlag, ein Befehl und eine Verweigerung aus guten Grunde, eine aktionstechnische Zuneigung. Spottiswoode orientiert sich hier noch an die bestehende Tradition, kurze und knappe Erläuterungen, ein Film vor dem Film und ein Film in ihm, mit Chuzpe gehandhabt und Souveränität, die ersten grellen Explosionen vom Arsenal, eine Leichtfüßigkeit von Bond und die extremen Situationen. Maschinengewehrfeuer und Handgranaten im Sekundentakt, umkippende Laster und davonrasende Menschenmassen, Destruktion eher im Fernen statt im Nahen außer der aktuellen Bedrohung. Ein ähnliches Setting wie beim Campbell und dem Einstieg von Brosnan, winterliches Gefilde und abgelegener Stützpunkt, viel Krawall und Wagnis, Bodenkampf und luftige Ereignisse, ein Fliegermanöver und die Wahl zwischen Leben und Tod; dazu eine humoristische Darreichung zum Ende der Sequenz, eine aufschlussreiche Fortführung und gleichzeitig Einleitung neuer Geschehnisse. Auch die angekündigte Besetzung ist durchaus statthaft bis zuweilen eher nicht, gerade das Bondgirl, der erste, von Vincent Schiavelli verkörperte Profikiller, aber auch der plakative Gegenüber in der Platzierung von "weißer Springer" und "schwarzer Läufer", ein großangelegtes Schachduell mit mancherlei Bezügen in die gegenwärtige Welt hinein; geschrieben das Ganze in singulärer Verantwortung von Bruce Feinstein.
Der Konflikt mit der Macht der Medien dabei als interpretierbarer Faktor, erst die Gefechtsstation, bald die Narration, höchste Alarmstufe in den weiteren Bildern, China als Bedrohung, eine nicht nur industrielle Großmacht schon als prophezeiender Staatsfeind, eine doppelbödige Installation kommender Einflüsse, eine durchaus erstaunliche Vorhersagekraft der gerade im Nachhinein Recht habenden Produktion. Dabei werden Erzählpunkte wie das Kapern oder Versinken fremder Schiffe gerade aus den zahlreichen Geschichten um Der Spion, der mich liebte aufgegriffen und übernommen, eine rasche Spannungskomponente, die der fortschreitenden Handlung weitere statthafte Merkmale bringt, das Einschweißen und Durchdrillen mechanischer Objekte, die Effektarbeit mit Ausnahmen beeindruckend und dies in der möglichen, wenn machbaren Realität; ein Spielen mit Schlagzeilen und das Sorgen und Verwenden richtiger Munition. Im ersten Voranschreiten und in der Ausdehnung dabei gleichermaßen stramm gehalten, das Zehren und Nachrüsten von bekannten Elementen, dazu einige offensive Darstellungen, gerade vom Hauptschergen des Medienmoguls und des Großverbrechers selber, ein Leben von Theatralik und Krise, was auch so bespielt wird und genossen im Spiel. Schlechte Nachrichten sind hier nicht immer die besten Nachrichten, nehmen wir doch die guten Nachrichten, die Anwesenheit und Erdung durch Brosnan (und seine Chemie mit Yeoh), hier noch jünger und mit vergleichbarer Leichtigkeit, die kommenden hochdramatischen Entwicklungen und Verwicklungen, das Bondeske Thema und deren Abweichungen und Verschattungen, die Einfachheit der Synopsis mit dem von Anfang an durchschaubaren Feind, die Einigkeit im Vermeiden von Undurchsuchbaren und Mysteriösen, die vorwärts preschende Illusion. Eine Fährte wird aufgenommen und dieser auch nachgegangen, genau ein Erzählstrang und ähnlich die narrative Struktur in der Quittung, "für König und Vaterland, James", in entsprechender Süffisanz ein Wecken von Erinnerungen.
Hamburg als erstes (vergleichsweise schäbiges) Ziel auf der Agenda, Produktverweise in lächerlicher, aber nicht störender Weise, ein tadelloser Zustand der bekannten für den Wiedererkennungseffekt auch nötigen Instruktionen, der Auftritt von M und Q und die eher kurze als ausschweifende Installation. Die Prämisse steht spätestens nach einem Viertel des Filmes und ist im Grunde dort auch angezählt und aus erzählt, der Rest ist Wiederholung des Geschriebenen und in den Bildern eine Steigerung, ein Formulieren des Entertainments, welches gerade Stirb an einem anderen Tag (2002) in dessen Ernsthaftigkeit recht abging und zur Last wurde, hier ist man noch nicht erwachsen und eher kindlich mit offenen und staunenden Augen unterwegs, es wird die Theatralik und die Flüssigkeit bevorzugt. Ein Kennenlernen des hiesigen Universums, etwas Charme und Flirtversuche, etwas Eleganz im Smoking und einige Einladungen und nächtliche Abschweifungen, ein Abklappern der Gästeliste des Drehbuchautoren und dessen zweistündige Abweichungen. Ein Auslösen von Krisen zur Unterhaltung des Publikums, Gut leicht identifizierbar und dies ebenso wie das Böse, ein Mann und seine Mission und sein Anpacken und schaffen, mehr Information im Vorlauf als die Desinformation, die lebhafte Fantasie nur im visuell bunten Ausgestalten.
So gibt es Festlichkeiten und Showtime, feindliche Übernahmen und veraltete Absätze, es gibt ein live auf Sendung in der Arbeit und Präsentation der Second Unit, erst im Kleineren und dann im Größeren, eine Prügelei im schalldichten Raum als Einleitung und Befragung und Befreiung. "Schluss mit dem Werbeblock", ein Aufruhr erst im Inneren und dann dem Äußeren, der Vollzug von Autostunts und dem mit dem Motorrad, die stuntintensiven Materialschlachten im Parkhaus und im Wohnblock von Saigon, das Herbeirauschen von Helikoptern direkt über und in der bevölkerten Stadt, das dortige Hineinschleichen in die fernöstliche Actioncomedy, der Bombast im graumetallenen Finale, das Warten bis dahin und das sich Zeit und Muße lassen. Eingelegt und auch mal eingepflügt als Füllung werden Erklärversuche des Tycoons, wird das "Wieso" hier doch betrachtet, im Film und vom Film abgewartet und die Entwicklungen der Figuren tatsächlich ausgemacht. Ein "Ich wollte dich nicht in die Geschichte hineinziehen" findet statt, wird nach den Gründen gefragt und die Charakterisierung sowohl von der Dpppelnull mit der Lizenz zum Töten als auch den anderen Personen versucht, trotz zuweilen gängigen Schauspiels und Karikaturen mehr als dreidimensionale Figuren. Helfen tun vergleichsweise altmodische Wendungen, das Eindringen in ein geheimes Labor, die Flucht daraus und allgemein in der zweiten Erzählhälfte die Flucht nach vorn, die intendierte oder unfreiwillig installierte Humor, die Blitz Illu im Safe als Hauptlektüre des größenwahnsinnigen Bösewichts; "Heutzutage drucken die auch wirklich alles", die Gadgets, die Gimmicks, die allgemein käseblattartige, die Unterhaltung bringende "Jimbo" - Frohnatur mit bisweilen träumerischen Panoramen vor dem Südchinesichen Meeresgrund.