Tja, wer “A” sagt, muss wohl auch “B” sagen. Die Erfahrung muss man nicht nur im Sequel-wütigen Hollywood der Gegenwart machen, sondern überall und zu jeder Zeit, in der Filme Kasse machen. Dass das 80er-Jahre-Hong Kong da keine Ausnahme macht, hat Jackie Chan mehr als genug unter Beweis gestellt: “Powerman”, “Police Story” und die “Arm der Götter”-Reihe, sie alle gingen mindestens in eine zweite Runde. Der Herr ist damals ziemlich oft in ein und dieselbe Rolle gesprungen und meist wurde dabei nicht viel Zeit verplempert.
Zwischen “Project A” und “Project B” liegen immerhin vier Jahre, ein Entwicklungszeitraum, den es natürlich nicht unbedingt gebraucht hat. Der Hauptdarsteller benötigt üblicherweise nicht viel Einfühlungszeit für seine Rolle, immerhin spielt er nur sich selbst, und die Story schließt ganz einfach ans Ende des Vorgängers an und wendet sich dann zwanglos einem neuen Bereich zu. Waren in Teil 1 stänkernde Piraten an der Bucht des Hong Kongs Anfang des 20. Jahrhunderts das Problem, sind es nun korrupte Polizisten. Dragon Ma (Chan) ist inzwischen selbst vom Adjutanten zum Polizeichef befördert worden und hat nun allerhand damit zu tun, einerseits seinen korrumpierenden Kollegen das Handwerk zu legen und andererseits rebellische Revolutionäre zu beschwichtigen. Und dann kommen auch noch die besiegten Piraten zurück und wollen sich rächen...
Nicht gerade ein meisterhaftes Skript, das herhalten muss, um die Reihe fortzuführen. Aber: Das geht vollkommen in Ordnung, denn von einem Film dieser Reihe erwartet man vor allem gute Stunts. Schließlich hatte “Project A” mit dem Uhrenturm-Sprung den wohl größten Stunt in Jackie Chans Karriere zu bieten. Auch sonst lagen alle Stärken in dem dynamischen Kulissenwechsel mit variantenreicher Kampf- und Stuntarbeit in einer Vollendung, die mir begeisterte Anerkennung abringen konnte.
Doch da liegt auch schon der erste Hund in der Pfanne: Sammo Hung und Yuen Biao hingen wohl gerade in den Dreharbeiten zu “Operation Eastern Condors” und konnten deswegen für “Project B” nicht mehr reaktiviert werden. Das ist zunächst mal wie ein Überraschungsei ohne Spannung und Spiel, wie die heilige Dreifaltigkeit ohne den Vater und den Sohn, kurz: Es ist nicht hinnehmbar. Der energiegeladene Dreierkampf im Schlussakt gegen die Piraten gehörte damals immerhin zu den Highlights. Weil das Showbiz aber weitergehen muss, fehlen nun Hung und Biao im Cast, und sie fehlen ganz eindeutig auch auf der Leinwand. Ohne jede Erklärung, wo sie nun plötzlich hin sind, versagen sich Chan als Regisseur dadurch viele Wege und Möglichkeiten, die Kampfchoreographien und das Handlungsgerüst attraktiver zu gestalten. Es ist nur halb so viel Spaß, einen Jackie Chan ohne seine rechte und linke Faust losziehen zu sehen, wenn man weiß, dass diese Konstellation vorher gegeben war. Für ein Sequel, das natürlicherweise das “Bigger & Better”-Prinzip befolgen will, ein kleiner Rückschlag.
Mit den Piraten, einem Überbleibsel der Serie, wusste man wohl auch nicht mehr so recht was anzufangen. Sie haben für den eigentlichen Plot keinen Zweck, werden aber trotzdem wieder zurückgebracht. Darauf hätte man konsequenterweise besser verzichtet. Anfangs gibt es ein paar kurze Racheschwüre gegen Dragon Ma, dann eine im Gesamtverhältnis kleinere Kampfszene und schon weicht der Piratenspuk wieder dem viel wichtiger erscheinenden Problem rund um die bestechlichen Cops. Zumal die Seeräuber wieder mit einer Synchronisation ausgestattet wurden, die suggeriert, dass es gleich nach den Dreharbeiten zum nächsten Ligaspiel des HSV geht - mit einem Holsten in der Pranke. Yo ho, Kameraden.
Ansonsten ist “Project B” ähnlich wirr konstruiert wie sein Vorgänger: Es gibt hübsch viele verschiedene Parteien, Jeder-gegen-Jeden-Situationen und allerlei Schauplätze in einem kontinuierlichen und 1:1 übernommenen historischen Produktionsdesign. Zwischendrin kann man auch schnell mal den Faden verlieren, da die Szenen sehr direktional und kognitiv aufeinander aufbauen und man als unvorbelasteter Zuschauer nicht immer in der Lage ist, sagen zu können, was Chan nun genau im Sinn hatte, als er diese und jene Szene drehte.
Beispiele dafür sind zwei der größeren Szenen, die Verwechslungskomödie mit Action verbinden: Die Amulett-Diebstahl-Sequenz sowie das Versteckspiel in Maggie Cheungs Haus. Gleichzeitig sind das Handlungszentren, in denen viele latente Figurenkonstellationen ans Tageslicht gebracht werden und die vor allem viel Zeit schlucken. An Stuntakrobatik kommt dabei nicht sehr viel zum Tragen, so dass man rückblickend auf den Gedanken kommen könnte, “Project B” setze mehr auf Situationskomik mit sehr dezentem Einsatz von körperlicher Betätigung, ein Rezept, das hier eigentlich nur durchschnittlich gut funktioniert.
Dem wäre auch so, würde das Tempo zum Ende hin nicht ordentlich zunehmen und schließlich doch noch in einem atemberaubenden Finale kulminieren. Egal was Chan hier auch auffährt, nichts davon kann freilich noch die Uhrenturmszene toppen, für die er vier Jahre zuvor noch sein Leben riskiert hat, doch am Abgrund gerannt wird hier auch - im wortwörtlichen Sinne. Ein Bambusgerüst dient als Grundlage für einen fulminanten Abschluss einer Abfolge von durchaus kreativen Actionszenen mit Einbezug fast aller zum Genre gehörenden Elemente: Zweikampf, Verfolgungsjagd, Massenaufläufe, waghalsige Lauf- und Sprungmanöver, Schusswaffenduelle und Missbrauch von Gegenständen als Waffe - zur Vollendung hätte eigentlich nur noch eine zünftige Explosion gefehlt.
Im Gesamteindruck nutzt Jackie Chan im Sequel zu seinem Regie-Zweitling nicht ganz dessen Räume und verfehlt die Möglichkeit, noch mehr mit der Umgebung zu spielen. Die Piraten weiß er ohnehin nicht mehr allzu gut in den Plot einzubinden und Hung und Biao fehlen sehr, obwohl Bill Tung als verrückter Polizeikommissar die Lücke auf einer anderen Position ausgezeichnet zu stopfen weiß. Actionelemente gibt es jedenfalls reichlich und in guter Qualität, ohne einen der ganz großen Kieferverrenker vorweisen zu können. Wäre der humoristische Part noch eine Spur origineller geworden, hätte man trotz aller Mängel rundum zufrieden sein können - so reicht es zumindest für gehobenen Durchschnitt.