Review
von Leimbacher-Mario
Mehr, als man auf der Bühne sieht
Mein Herren, da hat mich Truffaut dieses Wochenende nochmal richtig in seinen Bann gezogen! Und das gleich mit zwei Meisterwerken, zwei ganz besonderen Menage-a-trois'. Auch wenn "Le dernier Metro" gegen "Jules & Jim" kein Wasser sieht, gefällt mir auch diese feine Ode an das Theater, die Liebe & den Kampf für die Freiheit. Ein Highlight aus dem späteren Katalog des Ex-Kritikers & Meisterregisseurs.
Der Film, der unverkennbar auch Tarantino zu seiner Kinoepisode in "Inglorious Basterds" inspiriert hat , handelt von einem pariser Theater in der Zeit der Nazi-Besatzung. Die Besitzerin des Hauses steckt mitten in den Vorbereitungen zum nächsten, vielleicht letzten, großen Stück, hat dabei mit den Tücken der Liebe zu kämpfen & versteckt zu allem Überfluss ihren jüdischen Mann & Ex-Chef im Keller des Gebäudes, vor den Nazis & den kooperierenden Franzosen...
Warum ich den Film nur mag & nicht liebe? Vielleicht hätte ich noch größere Sympathien entwickelt, wäre mir eine größere Zuneigung zum Theater inne. Da ich aber kaum Kontakt & Interesse an dieser Kunstform habe, geht mir auch ein Teil der Begeisterung zu "The Last Metro" flöten. Auch wenn ich die fließenden Übergänge zwischen realer & Theater-Bühne beeindruckend & überraschend fand. Grandios sind auch Deneuve & Depardieu - beide definieren das Wort Star & ihnen gehört die Leinwand. Allgemein ist der Film äußerst hübsch, die 40er wurden sehenswert auf die Leinwand gezaubert & man spürt auch im fortgeschrittenen Alter noch Truffauts Charme, Stil & Spritzigkeit.
Mit einer etwas strafferen & auch (trotz oder gerade wegen dem Keller-Versteckspiel) mehr Spannung & Ernsthaftigkeit, hätte auch "Die letzte Metro" von mir die uneingeschränkte Empfehlung bekommen. Aber eigentlich ist dieser besondere Geschichtsfilm, bei dem immer wieder Truffauts gewiefter Witz durchschimmert, schon allein auf Grund dessen Kommentaren zum Theater, der Kunst & insbesondere Kritikern ein Schmankerl. Denn auch wenn Truffaut etliche Kritiken verfasst & auch über seine eigenen Werke genug hinterlassen hat, war ein eindeutiger Kommentar von ihm selten so fein & spitzfindig verpackt.
Fazit: ein weiterer, sehr schicker Truffaut-Film über das Theater, die Liebe, Wahrheit, Kunst & das besetzte Frankreich. Diese Aufzählung klingt nach Meisterwerk, dafür hat mich "Le dernier Metro" aber nicht genug gepackt & wirkt etwas zu lang.