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Wer oder was ist ein "Ramrodder"? Berechtigte Frage. Das schöne englische Wort "Ramrod" bezeichnet üblicherweise einen Ladestock, der dazu verwendet wird, um eine alte Waffe, einen sogenannten Vorderlader, zu munitionieren. Er wird auch dazu genutzt, den Lauf dieser Waffe zu reinigen. Ein "Ramrodder" könnte also derjenige sein, der diese Aktivitäten durchführt. Früher, im Wilden Westen, nannte man einen Viehtreiber umgangssprachlich ebenfalls "Ramrodder". Allerdings hat das Wörtchen noch eine weitere Bedeutung, die mir hier zutreffender erscheint. Ein "Ramrodder" könnte nämlich auch ein strenger Erzieher, ein Züchtiger, ein Bestrafer sein. Und da es in diesem Film eine bemerkenswerte Szene gibt, in der eine junge, nackte Frau aufrecht stehend an einen Ast gefesselt ist und von einem vor Freude beinahe sabbernden Mann gezüchtigt (sprich: ausgepeitscht) wird, wird man bei der Betitelung dieses Streifens wohl genau daran gedacht haben (obwohl diese Szene keine fünf Prozent der Gesamtlaufzeit einnimmt). Das Bemerkenswerte an dieser Sequenz sind nicht die vielen heftigen Peitschenschläge, die auf den wohlgeformten, sich windenden Körper der hilflosen Indianerin niederprasseln, sondern die Tatsache, daß die Frau dadurch sexuell erregt wird. Die fährt voll auf BDSM ab, was ihrem "Ramrodder" jedoch leider verborgen bleibt. Macht nichts. Das aufgegeilte Luder findet rasch anderweitig Befriedigung.

The Ramrodder ist ein akzeptabler Exploitation-Western, dessen dürftige "Handlung" nur dazu da ist, die Unmengen an T(itten) & A(ersche), mit denen der Konsument unaufhörlich bombardiert wird, zu verbinden. Lange Zeit passiert so gut wie gar nichts. Rancher Rick Thompson (Roger Gentry, Gallery of Horror) reitet erst mal etwas durch die Gegend, dann beobachtet er einige Indianerfrauen beim Baden in einem Fluß, und schließlich schaut er bei seiner feurigen, rothaarigen Schnecke Lucy (Julia Blackburn, The House Near the Prado) vorbei, um sie zu vernaschen. Er ist mit Häuptling Minowa (Kedric Wolfe, Eat My Dust), dem Chef eines kleinen, in der Nähe ansässigen Indianerstammes, befreundet, und bei einem Besuch überreicht ihm der freundliche, langhalsige Mann eine schöne Kette mit einem Medaillon. Die wird ihm auf dem Heimweg prompt von einem Halunken (Bobby Beausoleil) geklaut, der danach Cochina (Catherine Share), Minowas Tochter, vergewaltigt und tötet. Dummerweise verliert der Unhold das gestohlene Medaillon beim Gerangel, weshalb die Indianer natürlich denken, Rick wäre der niederträchtige Vergewaltiger und Mörder. Die Rothäute sinnen auf Rache, obwohl Tuwana (Kathy Williams, Love Camp 7) unseren Helden entlastet, hat sie ihm doch just zur Zeit des Verbrechens ihre Jungfräulichkeit geschenkt. Was wiederum dem Häuptlingssohn Brave Eagle (Robert Aiken, Russ Meyers Vixen!) gar nicht schmeckt, denn der hat mehr als nur ein Auge auf die Hübsche geworfen.

Jegliche Versuche, Spannung und Dramatik zu erzeugen, scheitern kläglich. Als Film im Allgemeinen und als Western im Speziellen ist der völlig ernst angelegte The Ramrodder eine Totgeburt. Aber als an die niederen Instinkte appellierende Exploitation funktioniert er ganz vorzüglich. Regisseur Van Guylder (Hollywood Babylon) und sein ungenannter Mitstreiter Ed Forsyth (Superchick) machen keinen Hehl daraus, wo der Schwerpunkt liegt. Es ist schon erstaunlich, wie DoP Robert Maxwell (The Astro-Zombies, The Centerfold Girls) immer wieder neue Mittel und Wege findet, um den weiblichen Körper abzulichten. Da gleitet die Kamera über nasse Schenkel, umschmeichelt knackige Hinterteile, fängt schöne, naturbelassene Brüste ein. Es vergehen keine fünf Minuten am Stück ohne wippende Titten und wackelnde Ärsche. Jeder noch so fadenscheinige Vorwand ist recht und billig, um die Darstellerinnen dazu zu animieren, sich wieder mal zu entblättern. Eine der gelungensten Szenen diesbezüglich ist der "Dance of the Virgin", ein ritueller Tanz, dargeboten von Tuwana, der man für dieses kleine Highlight den Körper bemalt hat. Für etwas Abwechslung in der T & A-Parade sorgen etwas simulierter Sex, ein lustiger Catfight (wo sich die Brüste der Beteiligten ständig berühren), eine unorthodoxe Überprüfung, ob eine Indianerin noch unberührt ist, sowie die oben bereits angesprochene Auspeitschszene. Realistisch ist nichts davon, schon gar nicht die Indianer, die in etwa so "echt" sind wie die Kannibalen in Jess Francos Mondo cannibale (1980).

The Ramrodder ist überwiegend sehr harmlos und bietet lediglich einen kleinen Vorgeschmack auf das, was die Siebziger noch bringen werden. Im Prinzip ist der Streifen ein Nudie-Western, der hin und wieder ins Roughie-Territorium vordringt. Die Auspeitschszene ist zwar recht lang und explizit, aber sowohl die Vergewaltigung(en) als auch andere Brutalitäten finden nur im Off statt. Immerhin ist das Ende, obwohl so gut wie alles der Phantasie überlassen wird, sehr grausam und recht effektiv. Gedreht wurde der vom legendären David F. Friedman (1923 – 2011) produzierte Film im Herbst 1968 auf der Spahn Ranch in der Nähe von Chatsworth, Kalifornien, kurz nachdem sich dort ein gewisser Charles Manson mit seiner "Familie" breitgemacht hat. Zwei Mitglieder dieser berüchtigten "Familie", Catherine Share und Bobby Beausoleil, sind im Film zu sehen, wobei letzterer laut Internet Movie Database die Schurkenrolle innehat (andere Quellen behaupten, er wäre einer der Indianer). Rückwirkend gesehen ist es fraglich, wieviel Spiel von seiner Seite mit dabei war, wurde er doch kurz darauf wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Nüchtern betrachtet ist The Ramrodder ein lachhaftes Flick. Grausig schlechtes Schauspiel, furchtbar unpassende Musik, scheußliche Kostüme, lächerliche Perücken, ruppiger Schnitt, null Spannung, flunderflache Figuren, blöde Dialoge, und eine Dramaturgie zum Haare raufen. Ja, qualitativ ist The Ramrodder eine mittelschwere Katastrophe. Aber kann man(n) einem Film, der die weiblichen Rundungen mit so viel Hingabe und so unermüdlich abfeiert, sie förmlich zur Raison d'Être des Werkes erhebt, ernsthaft böse sein? Ich kann das nicht, sorry.

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