Mit dem Folterschocker „Hostel“ hat Regisseur Eli Roth seinen sehr umstrittenen Beitrag zur momentan grassierenden härteren Horrorfilmwelle beigesteuert. Durch eine geschickte Marketingkampagne wurde „Hostel“ zum härtesten Film aller Zeiten hochgepushed. Doch nach dem Sichten des Filmes kam für viele Fans der härteren Gangart die Ernüchterung: Trotz einiger äußert drastischen Effekte wurde vieles nur im Off gezeigt, was bei vielen Zuschauern für Enttäuschung gesorgt hatte. Dennoch was „Hostel“ ein beachtlicher Erfolg und schrie gerade zu nach einem Sequel. 1 ½ Jahre später läuft nun die Fortsetzung „Hostel 2“ in den Kinos.
Story: Die drei amerikanischen College - Studentinnen Beth, Whitney und Lorna erfahren von dem Model Axelle von einer Jugendherberge in der Slowakei wo sie Wellness und Männer en Masse bekommen. Neugierig fahren die 3 Mädels mit dem Model in Richtung Slowakei. Doch was sie nicht wissen ist, dass sie gleich nach Ankunft in der Jugendherberge an den meistbietenden Versteigert werden um auf möglichst brutale Weise getötet zu werden.
Klingt wie Teil 1? Ja, tut es. Storytechnisch gibt es kaum einen Unterschied zwischen den beiden Filmen. Roth hat lediglich das Geschlecht der Opfer gewechselt und gibt darüber hinaus noch Details in den Ablauf der Folterorganisation: Die Opfer werden über PDAs an Menschen in der ganzen Welt versteigert. Der Meistbietende wird in die Slowakei eingeflogen wo er am Flughafen abgeholt wird. Luxus und Frauen erwarten den angehenden Folterern und natürlich das Hundetattoo von Elite Hunting, welches man sich vertraglich machen lassen muss.
Doch bevor die Geschichte der 3 Mädchen beginnt, erfährt man was mit dem Paxton, dem Überlebenden aus „Hostel“ passiert. Immer noch von Alpträumen geplagt, lebt Paxton mit seiner Freundin Stephanie ein einem kleinen Haus. Doch die Idylle wird bald zerstört, denn die Folterorganisation will Rache und so findet Stephanie eines morgen dem enthaupteten Paxton am Frühstückstisch sitzen.
Leider wird die Geschichte um Paxton in wenigen Minuten abgehandelt und trägt auch nicht wirklich zum Verlauf der Handlung bei, sondern dient lediglich als Aufmacher für 2 kurze Gewaltszenen, in denen man auch Requisiten aus Roth’s Trailer zu „Thanksgiving“ wieder finden kann. Die Fortführung ist zwar gut gemeint, aber man hätte Paxton schon in die reguläre Storyline integrieren können. Die Auftritte von Jay Hernandez und Roth’s Best Friend Jordan Ladd bekommen dadurch nur einen kurzen Cameo Charakter.
Dafür hat man sich bei der Charakterzeichnung der anderen Figuren mehr Mühe als beim Erstling gegeben. Die Darstellerinnen Lauren German (Beth), Heather Matarazzo (Lorna) und Bijou Phillips (Whitney) sind überhaus gut besetzt und geben ein perfektes Abbild ihrer Charaktere. Vor allen Phillips überzeugt als coole, leicht schlampige Whitney. Eine wahrhaft klasse Frau.
Im Gegensatz zu Teil 1 legte Roth auch Wert auf die Einführung der Folterer. Waren sie im Vorgänger noch gesichtslose Figuren, werden sie hier als richtige Figuren eingeführt. Dargestellt werden sie von Richard Burgi und Roger Bart, welche man bereits aus der TV-Serie „Desperate Housewifes“ kennt. Hervorzuheben ist die Wandlung von Roger Bart, vom anfänglichen Zweifler zum skrupellosen Folterer. Die Rolle der Verführerin, welche in Teil 1 von der unvergleichlichen Barbara Nedeljakova dargestellt wurde, wird diesmal vom finnischen Model Vera Jordanova verkörpert.
Auch wenn Roth versucht seinen Film intelligenter wirken zu lassen und den Figuren mehr Raum zum entfalten bietet, wartet er dennoch mit viel nackte Haut und reichlich Blut und Gewalt auf. Hat man den Tittenfaktor etwas zurückgeschraubt, lässt Eli Roth seiner kranken Phantasie wieder freien Lauf: Kinder welche mit abgehackten Köpfen Fußball spielen, Blutduschen, Kannibalismus, Spielereien mit einer Kreissäge und eine äußerst explizite Kastration. Auch vor einer kaltblütigen Kindererschießung schreckt Roth nicht zurück. Das der Film mit Pauken und Trompeten durch die FSK Prüfung gerasselt ist, kann man beim Anblick der Szenen durchaus nachvollziehen wenn man sich ansieht wie Eli Roth die Sau raus lässt. Auch wenn die Szenen nicht mehr ganz die dichte Atmosphäre vom Vorgänger haben, sind die Folterungen um einiges expliziter geworden und die Kamera schwenkt auch nicht mehr permanent weg. Ein „Torture Porn“ wie er im Buche steht.
„Hostel 2“ bietet alles was man auch von dem Film erwartet: Eine briefmarkengroße Story, die mit reichlich Blut und nackter Haut angereichert ist. Die Fortsetzung ist wesentlich exploitativer als Teil 1 und sprudelt nur so vor kranken Ideen, welche die Grenze des im Mainstream zeigbaren noch weiter verschiebt. Allen die aber „Hostel“ schon nicht gefallen haben, werden auch hier enttäuscht aus dem Kino gehen. Allen anderen wird ein gelungener Kinoabend bevorstehen welcher nichts für schwache Nerven ist. Ein kleines Meisterwerk!