Die Terrorwelle kennt keinen Abbruch, sowohl auf der Leinwand als auch bei der FSK. Nachdem dieses Jahr bereits "The Hills Have Eyes" seine Fortsetzung fand, "Saw 3" in die deutschen Kinos kam und Ende des Jahres wohl auch "Saw 4", hatte es mit "TCM - The Beginning" seit langer Zeit zum ersten Mal ein Film wieder schwer, ungekürzt in die deutschen Lichtspielhäuser zu kommen. Stattliche 6 Minuten Gewalt mussten damals entfernt werden, das Ende der Gewaltfahnenstange scheint bei der FSK langsam erreicht zu sein. Was auch kein Wunder ist, ist der Blutverguss, sowie der Verschleiss von allerlei Gedärmen, Gliedmaßen und vor allem Menschenleben derzeit so hoch wie schon lange nicht mehr. Und da macht "Hostel 2", der Nachfolger von Eli Roths letztjährigem Horrorhit, keine Ausnahme. Doch während in Amerika die Besucherzahlen unter den Erwartungen bleiben, müssen wir Deutschen wieder einmal auf einige Szenen verzichten. Und das obwohl (Bzw. weil) "Hostel 2" definitiv eine (kleine) Steigerung zum Vorgänger ist und das nicht nur aus Gore-Sicht!
"Hostel 2" setzt mit seiner Geschichte genau da an, wo der Vorgänger aufgehört hat. Paxton, der einzige Überlebende des Massakers in Bratislava, wird mittlerweile von Alpträumen geplagt, bis er eines Tages kopflos am Frühstückstisch sitzt. Diesen haben sich die Leiter der Folteranstalt mal flugs besorgen lassen, bevor in Kürze neues Fleisch auf sie wartet. Dieses mal sind es die drei amerikanischen Girls Beth, Whitney und Lorna, die von der rattenscharfen Axelle in das berüchtigte Hostel gelockt werden, aus dem die Amerikanerinnen in den Folterschuppen verschleppt werden, um dort von reichen Geschäftsmännern zu Tode gefoltert zu werden... Sicher, auf den ersten Blick klingt die ganze eher wie ein Remake des Vorgängers, als eine wirkliche Fortsetzung des Ganzen und komplett zu leugnen ist dies auch sicher nicht. Ganz klar hält sich Roth hier an die erfolgreiche Linie des Vorgängers, möglichst wenig Story mit allerhand kranken Ideen vollzustopfen, und das nach Foltersequenzen geifernde Publikum erst hinzuhalten, um ihnen dann die ganze Bandbreite des Blutvergießens zu präsentieren. Und doch unterscheidet sich der Nachfolger in einigen Dingen spürbar.
Am deutlichsten vor allem in der Tatsache, dass man auf den üblen Sexklamauk, den vor allem der Vorgänger aufgefahren und diesen dadurch empfindlich störte, nahezu komplett verzichtet hat. Nackte Brüste, blöde Schoten und sexistische Smalltalks der Marke Oberpeinlich sind hier so gut wie gar nicht auszumachen. Zwar ist das dafür gebotene Gelaber auch nicht unbedingt das Gelbe vom Ei, doch wenigstens geht es einem bei weitem nicht so auf die Nerven, wie das peinliche Sexgeplänkel des Vorgängers. Anstatt auf geile Ficks, sind die Charaktere hier mehr auf große Partys aus, was zwar alles in allem auch abgedroschen sein mag, aber wenigstens nicht so peinlich gedrückt und nervig wirkt.
Ein weiterer Pluspunkt geht zudem an den Versuch (wohlbemerkt: Versuch), hier nicht nur den Opfern ein Gesicht zu verleihen, sondern auch aufzuzeigen, was das eigentlich für Typen sind, die sich hier den Spaß machen, um andere Leute bis aufs Blut zu quälen. Hauptsächlich um zwei dieser Folterknechte geht es hier, immer im Wechsel mit dem Storystrang der drei Mädels, werden sie dem Zuschauer näher gebracht. Das diese dabei aber natürlich dennoch Klischeebehaftet bis ins Mark bleiben, für keinerlei Überraschungen gut sind und jeden Möchtegern-Aha-Effekt schon meilenweit gegen den Wind riechen lassen, durch ihr völlig vorhersehbares Verhalten, dürfte jedem Kenner des Genres schon von Anfang an klar sein. Aber immerhin, es wurde wenigstens mal versucht und das kann man dem Streifen dann durchaus anrechnen.
Schade nur, dass man sich damit auch dieses mal wieder extrem viel Zeit lässt, bevor man sich dann auf die, wieder recht atmosphärisch geratenen, Szenarien im Folterkeller einlässt. Fast eine geschlagene Stunde wird damit verbracht, die Charaktere zu sympathisieren, was aber natürlich nicht wirklich auf die Dauer überzeugen kann, vor allem wenn die ganzen Vertiefungsversuche unterm Strich eh nichts bringen. Ab und an wird zwar mal der ein oder andere Horror-Shorty-Brocken dazwischen geworfen, aber alles in allem schaut man spätestens nach gut 45 Minuten auf die Uhr, wann es denn nun endlich losgeht.
Wenn es dann aber losgeht, dann schmeißt Roth mit harten und sadistischen Szenen wieder einmal nur so um sich und das erneut auf eine Art und Weise, die einem erschaudern lässt. Extrem atmosphärisch zeigt sich das Szenario, der Ekelfaktor kennt teilweise keine Grenzen und überschreitet schon manches mal die Grenze der Geschmacklosigkeit. Ob Kannibalismus, Folter mit einer Sense und dem anschließenden Baden im Blut, bis hin zu einer der wohl heftigsten Kastrationen die das Medium Film je gesehen hat, lässt Roth absolut nichts aus, um sein Publikum die Qual zu bereiten, die es beim lösen der Kinokarte wohl gewünscht hat. Sogar vor der Erschießung eines wehrlosen Kindes macht Roth nicht halt, wobei diese Szene zwar schockiert aber auch in seiner Unnötigkeit nicht zu überbieten ist. So etwas braucht eigentlich selbst der härteste Horrorstreifen nicht. Aber von alledem kriegt der deutsche Kinogänger eh nichts mit, da er von der FSK vor diesen Szenen nahezu komplett "geschützt" wird. In wie weit die spätere DVD-Auswertung komplett sein mag, wird sich zeigen.
In punkto Darsteller ist zudem ebenfalls eine leichte Steigerung zu erkennen. Nicht nur das mit Richard Burgi und Roger Bart sich zwei renommierte TV-Darsteller verpflichten ließen, hier endlich einmal die absoluten Bad Guys raushängen zu lassen, auch mit Lauren German, Bijou Phillips und Heather Matarazzo hat man drei Darstellerinnen gefunden, die durchaus überzeugen können. Wirklich kennen dürfte man dabei zwar nur Matarazzo (z. Bsp. "Scream 3"), schauspielern können sie aber eigentlich alle drei ganz zufriedenstellend. Alle anderen gehen dann für Genre-Verhältnisse auch soweit in Ordnung.
Fazit: "Hostel 2" entpuppt sich, überraschenderweise, als eine Steigerung zum durch und durch mittelmäßigen Vorgänger, wenn auch alles in allem nur als eine sehr geringfügige. Hauptsächlich sind dafür vor allem der Wegfall des blödsinnigen Sexklamauk des Originals, sowie der Versuch(!) den Folterern ein Gesicht zu verleihen, dafür verantwortlich. Ansonsten bleibt aber soweit alles beim alten, sprich die Vorbereitung auf den kommenden Terror zieht sich auch dieses mal wieder eklatant in die Länge, um danach ein sadistisches Foltertheater aufzuführen, was die Welt so explizit, mal wieder, noch nicht gesehen hat. Freunde des Vorgängers werden hier dran jedenfalls ihre Freude haben, wer den Vorgänger schon nicht mochte, der wohl eher nicht. Und auf alle Fälle gilt: Hände weg von der deutschen (Kino-)Fassung!
Wertung: 6/10 Punkte