Story: Mit einem Alptraum beginnt der Film: Paxton (Jay Hernandez), der im ersten Teil gerade noch mit seinem Leben davon gekommen war (dafür zwei tote Freunde und zwei Finger in der Slowakei lassen musste), wird in einem Krankenhaus in Italien von der Polizei verhört - und der Polizeichef (großartig: Luc Merenda) schenkt seiner Geschichte vollstes Verständnis, schließlich trägt er selbst die Tätowierung des „Elite Hunting Club". So endet das Verhör in den Eingeweiden von Paxton. Doch zum Glück war alles nur ein Traum und es bleiben ihm in der Realität mindestens noch ein paar Stunden zu Leben. Mit seiner Freundin hat er sich im Haus deren Großmutter vor den Häschern des „Hunting Club" versteckt. Doch zu einem gemeinsamen Frühstück kommt es nicht mehr (höchstens für die Katze), denn sein Kopf ist schon auf dem Weg nach Italien - ohne seinen Körper.
In Rom geben sich drei Freundinnen ganz dem Aktzeichnen hin (natürlich Amerikanerinnen, den wer den ersten Teil kennt, weiß, dass sie den besten Preis auf dem Markt einbringen): Die sehr naive und schüchterne Lorna (Heather Matarazzo), die vergnügungssüchtige Witney (Bijou Philips) und die ausgewogene Beth (Lauren German) - gemeinsam wollen sie am Wochenende Prag unsicher machen. Doch ihr Aktmodell Axelle (Vera Jordanova), die sie auf der Zugfahrt wiedertreffen, hat einen besseren Vorschlag: In einem kleinen Dorf in der Slowakei gibt es die schönsten natürlichen Quellen der Welt, sowie die heißesten Jungs Europas - was die Unterkunft angeht, brauchen sie sich auch keine Sorgen machen, schließlich ist schon ein wunderschönes Zimmer in einem einschlägigen Hostel reserviert. Während der Fernseher in der Wartehalle das Problem mit dem metrischen System in Europa erörtert, geben die Drei dem äußerst vertrauenswürdigem Portier (Milda Havlas) ihre Pässe. Dieser scannt sie im Keller des Hostels ein und schon befinden sich Witney und Beth in einer Art e-bay des „Elite Hunting Clubs". Weltweit klingeln Pager bei gut betuchten Menschen, die gerne mal einen kleinen Folterurlaub in der Slowakei verbringen möchten. Ganz nach dem Moto: „3,2,1 ...meins" flattern die Gebote ein. Die Glücklichen Gewinner sind die beiden Freunde Todd (Richard Burgi) und der Familienvater Stuart (Roger Bart). Also ab in den Flieger, tätowieren lassen, die Annehmlichkeiten der slowakischen Kleinstadt genießen und warten bis der Pager klingelt und die „Ware" in der Fabrik angekommen ist. Und es kommt natürlich wie es kommen muss: Lorna begibt sich mit einem charmanten Mann auf eine einsame Bootsfahrt und wacht nackt und kopfüber über einer leeren Badewanne auf, Witney kann dem lieblichen Miroslav (Stanislav Ianevski) nicht widerstehen und wird in der alten Fabrik „hübsch" gemacht für den Kunden und Beth schläft vollkommen entspannt in der Wellnesslandschaft ein. Für Todd und Stuart bleibt dadurch, neben der moralischen Frage, nur noch ein Problem: Die Wahl der Waffen ...
Review: „Momentmal, habe ich das nicht schon in Part One gesehen?" Im Prinzip: Ja. Viel Neues ist zu der Geschichte des ersten Teils nicht dazu gekommen. Eli Roth tauschte nur das Geschlecht der Hauptdarsteller aus - selbst die Kombination der Charaktere blieb im Wesentlichen gleich: Die Schüchterne Lorna (Part One: Josh), die abenteurlustige Witney (Part One: Unschlagbar Oli) und Beth (Part One: Paxton). Obwohl den Charakteren mehr Raum geboten wurde, erreichten sie meiner Meinung nicht die Qualität der Charaktere des ersten Teils. Zu klischeehaft und dünn sind sie dargestellt, was leider zur Folge hat, dass der Zuschauer emotional nicht mehr so stark an dem Schicksal der Hauptdarsteller beteiligt ist. Von den drei Schauspielerinnen trotzdem eine solide Leistung, aber das Drehbuch hätte Ihnen mehr Raum lassen können. Dass Roth irgendwie die Frage nach dem Verbleiben von Paxton beantworten musste, war zu erwarten. Doch dies ist ihm nicht gerade sehr glorreich gelungen. Nachdem die Traumsequenz spannend inszeniert war, kehrt er in eine ziemlich unausgegorene Minisequenz zurück (wahrscheinlich um die Macht der Organisation zu etablieren). Irgendwie hat man aber dabei das Gefühl, dass er möglichst schnell und einfach Paxton loswerden wollte, ohne ihm eine dramaturgisch wichtige Rolle zukommen zu lassen. Auch der Weg in die Slowakei ist im Gegensatz zum ersten Teil, weniger unterhaltsam: Aktzeichnen und eine skurrile Bahnfahrt - der Spaßfaktor und auch das etwas Mysteriöse fehlt. Dafür öffnet Roth den Blick auf die Folterer, die im ersten Teil eher gesichtslos blieben. Richard Burgi und Roger Bart aus der „Desperate Housewifes" bilden ein sehr gutes Paar, der eine ein koksender Geschäftsmann, der andere ein zurückhaltender Familienvater - doch wie so oft trügt der äußere Schein.
Angereichert werden die Hauptplots mit vielen kleinen Szenen. Natürlich taucht wider die Kindergang auf und auch ein Dorfbewohner versucht Beth seine Hilfe anzubieten, wenn auch ohne Erfolg.
O.k. im Bereich Gewalt bietet „Hostel: Part Two" wieder so einiges: Kannibalismus, Blutbad (in diesem Fall sogar wörtlich), Elektroschocks, Kastration, Kettensägen, usw. - auch vor einer Exekution eines Kindes schreckt Roth nicht zurück. Die genutzten Effekte sind durchgängig auf höchstem Niveau - und das möchte man als Hostelzuschauer schließlich auch sehen, wobei man hier anmerken muss, dass die in den deutschen Kinos gezeigte Fassung nahezu alle harten Szenen geschnitten hat und zwar so stark, dass teilweise (ich sage nur Blutbad) nur wenige Tropfen Blut zu sehen ist, wo man im Original noch eine Wanne voll Blut geboten bekommt ...
Insgesamt ist „Hostel: Part Two" ein gelungener Horrorstreifen, der leider nicht ganz an seinen Vorgänger anschließen kann, was Atmosphäre, Charaktere, Humor und Schockelemente angeht. Wem Hostel gefallen hat, der wird auch im zweiten Teil auf seine Kosten kommen ... von mir deshalb für die ungeschnittene Version:
7 von 10 Punkten