Hostel 2 oder auch "Wie jubele ich den Leuten dasselbe ein weiteres Mal unter". Ich finde, dass Teil 2 nicht schlechter ist als Teil 1. Aber Hostel 1 war meiner Meinung nach auch nur Durchschnitt. Hostel 2 reiht sich eigentlich nahtlos an. Man könnte beide Filme auch zusammen schneiden und als einen verkaufen.
Zum Film an sich. Manche Sachen fand ich besser, als im Erstling, andere Sachen fand ich nicht so toll. In Hostel fiel die deutliche Dreiteilung des Films auf: ein klischeeüberladener erster Teil, ein recht atmosphärischer und gut umgesetzter Mittelteil und ein banaler, langweiliger dritter Teil. Hostel 2 hat eher eine Zweiteilung. 50 Minuten Vorgeplänkel bis dann der erste Gewaltfall kommt. Ja, es dauert tatsächlich noch länger...da hab ich dann schon auf die Uhr geschaut. Erschienen mir schon die 35 Minuten im ersten Teil als recht lang, muss man hier echt 50 von 91 Minuten warten, um mal Blut zu sehen. Zumindest erspart Roth uns hier die peinlichen American Pie-Zoten. Die Figuren wirken nicht mehr so nervig, wie im ersten Teil.
Was ich wirklich klasse fand, war die Beleuchtung der Folterer. Das Wettbieten hatte echt was, auch wenn es für den ersten Teil keinen Abzug gibt, weil er die Folterer nicht näher vorgestellt hat. Das war auch okay. Aber so hat Roth zumindest etwas neues in diesen Teil eingebracht. Richard Burgi als Todd empfand ich auch als Highlight des Casts, der Rest ist eigentlich scheißegal. Die Wandlung, die sein Charakter am Ende durchmacht, fand ich sehr überzeugend. Er denkt, er ist hart, spielt aber eigentlich nur Spielchen. Als er merkt, dass es Ernst ist, verliert er die Fassung. Die Wandlung seines Kumpels Stuart fand ich dagegen voll daneben. Vom Weichei und Softie mit Zweifeln zum Brutalo off the leash...keine Chance. Das war zuviel des Guten.
Die Gore-Szenen waren...klasse. Keine peinlichen falschen heraus hängenden Augen, wie bei Teil 1. Der Film ist immernoch keine Gewaltorgie, es gibt im Grunde nur sechs wirkliche Gewaltszenen (vergleiche man das Mal mit der Anzahl blutiger Opfer in Die Hard o.ä.). Die betroffene geschnitte Szene findet man beim ersten Opfer, Lorna (glücklicherweise kann man sich die fehlenden Sekunden im Bonus auf der Make-Up-Effekte-Doku ansehen). Ob das fehlende Material allerdings der Szene die "schwere Jugendgefährdung" nimmt, sei dahingestellt. Der schönste und zugleich ekligste Effekt war in der sehr kurzen Sequenz mit dem Kannibalen zu finden. Ist zwar ein dreister Klau bei "Silence Of The Lambs" (der Kannibale, die Klassik, Kerzenschein = Intellektueller, etc.), aber gut ausgesehen hat es schon.
Dass eines der Kinder aus der slowakischen Kinder-Crime-Gang erschossen (eher hingerichtet) ird, fand ich nicht so schlimm. Erstens passiert es im Off und zweitens finde ich, dass man bei solch einer Art von Film auch konsequent sein kann. Kinder erwischt es im Film eh viel zun selten.
Was mir dann wieder wirklich gut gefallen hat, war das Ende ("I wanna buy my way out of here!"). Fand ich irgendwie zufrieden stellend und nicht so überzogen, wie die endlose Flucht im Vorgänger.
Im Endeffekt ist Hostel 2 nicht besser und nicht schlechter, als Teil 1. Er reiht sich im Durchschnitt ein. Die Figuren wirken nicht so abstoßend, wie zuvor, aber wirklich interessant sind sie immer noch nicht. Es gibt mehr Gewalt und ein recht gutes Ende, aber wirkliche Spannung oder Ausweglosigkeit, wie im Mittelteil vom Erstling, fehlt hier vollends. Somit ist der Film ein Lückenfüller. Nichts, was man sehen muss, aber auch nichts, mit dem man seine Zeit verschwendet. 6 von 15 (4+).