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Mit erstaunlich wenig Tamtam an die Öffentlichkeit entlassene Produktion der Brüder Oxide und Danny Pang, die wohl keine Aufmerksamkeit von ihrem Hollywooddebüt The Messengers und dem Bangkok Dangerous Remake Time to Kill ablenken soll. In der mittlerweile dünn gesäten Hong Kong Filmlandschaft fällt man selbst als Zwischenmahlzeit aber natürlich trotzdem auf wie ein bunter Hund; immerhin sind die thailändisch stämmigen, aber mittlerweile international vielbeschäftigten Filmemacher massgeblich mit dafür verantwortlich, dass sich auch der kantonesische Film zumindest etwas an dem Horrorboom der letzten Jahre beteiligen konnte. Erregten sie doch mit mysteriösen Spannungswerken wie The Eye, Ab-normal Beauty und Re-Cycle auch ausserhalb des asiatischen Raumes Aufsehen und sind die meisten ihrer Arbeiten auch hierzulande mit dem jeweilig wohlgesonnenen Zuspruch veröffentlicht.

Danny Pangs Soloinszenierung Forest of Death konnte anders als gemeinhin üblich allerdings mit nicht viel Mundpropaganda rechnen und schien dies auch gar nicht heraufbeschwören zu wollen. Die plötzlich mangelnde Marketingpräzenz lässt den Rückschluss auf wenig Vertrauen in das eher kleine, bedeutungslose Schnellschussprojekt zu und die Hoffnung, dass man sich geschickt apart am Publikum vorbeimogeln kann.
Wie als Abschreckung wurden Shu Qi und Ekin Cheng in den Hauptrollen gecastet, die ihre Sache aber entgegen vorverurteilender Meinungen in durchaus grundanständiger Blockabwehr meistern:

Detective Ha Chung-chi [ Shu Qi ] muss nach dem Herztod ihres Kollegen gleich zwei Fälle auf einmal stemmen, die aber eine ominöse Verbindung aufweisen. In einem nahegelegenen Wald findet Forstaufseher Tin [ Lau Siu Ming ] aufsehenerregend viele Selbstmordopfer; das grüne Dickicht scheint Lebensunwillige geradezu anzulocken und gleichzeitig alle Anderen mit unheimlichen Erscheinungen zu verschrecken. Ausserdem wurde vor einiger Zeit der mutmaßliche Vergewaltiger und Mörder Patrick Wong [ Lawrence Chou ] in dem Anwesen gestellt; allerdings fehlen trotz eindeutiger Indizien hieb- und stichfeste Beweise. Wong stimmt einer Tatortbesichtigung und damit auch einem Experiment zu: Der Botaniker Shum Shu-hoi [ Ekin Cheng ] möchte aufzeigen, dass Pflanzen nicht nur ein personales Eigenleben haben, sondern auch durch gemessene Schwingungen und Sinneseindrücke wie als Lügendetektor funktionieren und so die wahren Vorgänge erzählen können. Shums Freundin, die Reporterin May Kim [ Rain Li ], ist wenig begeistert von dieser Wissenschaft des ökologisches Bewusstseins, macht sie doch mit allerlei Spukgeschichten gerade ihre Einschaltquote. Dennoch kann auch sie dem schaurig-magischen Ort nicht widerstehen.

Auf den Ausgangspunkt des Skripts muss man sich natürlich bedenkenfrei einlassen. Aber auch wenn man die Voraussetzung anerkennt, tritt seitab der Synopsis vom Pflanzenflüsterer mit dem grünen Daumen ein unendlicher Kosmos narrativer Fallhöhen auf, unter die kein Netz der linearen Logik gespannt ist. Die introvertierte Stimmung versucht die Ereignisse um den japanischen Aokigahara-Wald am Fuss des Mount Fuji aufzunehmen, dessen enorme 3500 Hektar umfassende Wildnis nach einigen Berichten und Novellen [ "Der Wellenturm" und "Meer aus Bäumen" von Seichō Matsumoto ] als einer der bekanntesten Orte für den Suizid betrachtet wurde und zuweilen wahre Nachahmungsepidemien auslöste. Ein dunkler Gegenpol zur bunten Mythologie. Die erzählerische Substanz selber zeichnet fern von aufklärerisch-dechiffrierbaren Wahrscheinlichkeiten einen spirituellen Hintergrund, der zwischen dem chinesischen Geisterglauben, dem buddhistischen Wissen um die Reinkarnation und der meta-textlichen Auseinandersetzung mit dem Tod angesiedelt ist. Eine anstehende Konfrontation mit den ursprünglichen Naturgewalten, die die Angst vor dem Unbekannten mit der Angst vor dem Unterbewusstsein mischt.

Die Handlung greift dabei verschiedenartige Quellen-Details auf und ist so eine Kooperation zuweilen flüchtiger Faktoren. Mehrere Einzelstränge ohne selbstständiges Eigensein, die erst in Verbindung zueinander so etwas wie ein kreisförmig konstruiertes Ganzes ergeben, aber dennoch eine gewisse Isoliertheit zueinander aufweisen. Ein Szenario, dass die gewohnten Kenntnisse wie auch das Gleichgewicht der Natur aus den Fugen hebt und umkehrt. Eine dauernde Aufeinanderfolge von kausalen Zusammenhängen und wechselseitig beeinflussenden Faktoren mit nebelhaft-philosophischen Reflexionen. Weniger Horrorthriller, auch keine Geistergeschichte, surrealistischer Traum oder gar eine Serienkiller-Anekdote, sondern eigentlich ein menschliches Porträt um Anerkennung, Liebe, Vertrauen und Zurückweisung, Ablehnung und Versagen. Das aber starr an der Oberfläche verbleibt und im Spiel mit der phantastischen Objektivität statt einer düster-melancholischen Subjektivität nie wirklich Gefühl für die Figuren erweckt. Und sich trotz vorhandener Meditation deswegen auch nie zu einem mitfühlenden Drama ausweiten kann.

Über bleibt ein jenseitiges Märchen aus dem Horrorwald. Eine umsonst verlängerte Outer Limits Episode mit lyrischen Brechungen, die das Gehölz als imaginären urban legend Raum mit Empfindungsvermögen darstellt und eine zur Erklärung der Dinge notwendige Vorstellungsweise bebildert, aber nicht tief genug in die Angelegenheit einzudringen vermag. Das wildverwachsene, schwer einsehbare Dickicht mitsamt dem esoterischen Magnetfeld scheint auch gleichzeitig Impressionen und Wahrnehmungen zurückzuhalten und so eine etwaige atmosphärische Dichte von vornherein auszuschliessen. Eine subtile Herangehensweise mit Nuancen und Zwischentönen weicht den rein visuellen Schattierungen einer Sinnestäuschung. Dabei macht man sich die Wechselwirkung zwischen Zivilisation / unberührter Natur, Realismus / traumhaft Unheimlichem, Transzendenten / Materiellem und Einsamkeit / Sehnsucht zunutze und projiziert aus den Kontrasten eine Reise zum Weg der Selbsterkenntnis. Die profillosen Figuren als durch ihr Leben ziehende Wesen, die dringend nach Halt und Ziel suchen, sich aber nicht wie die Bäume verwurzeln können und mit orientierungsloser Existenzangst durchs Unterholz eilen.

Der Film lebt dabei wesentlich von dem Antagonismus zwischen der technisierten Welt, in der ohne Strom und moderner Kommunikation rein gar nichts funktioniert, und der Sogwirkung des begrünten Ortes des Schauderns, in der man in einer Negation von traditionellen Fortschritt weder Mobiltelefon noch Kompass benutzen kann und die Uhren exakt im Zeitpunkt des Todes stehenbleiben. Eine Welt von Mythen und Sagen, in der die Anwesenheit von Wissenschaft, Gesetz und Ordnung keinen Rückhalt mehr geben.
Nur erreicht man auch in dieser Zone der inneren Seele selten eine befremdende Zweideutigkeit; die orakelhaften Vorahnungen werden zu augenfällig gehalten, die Phantasie des Zuschauers bezüglich der Todesboten seltenst angeregt und ein spiritistisch trance-artiger Zustand fast nie erreicht. Die beängstigend unterentwickelte Erzählführung verlässt sich oft darauf, den teilweise arg schwachen Dialogen die entsprechend einfachen, aber auch erstaunlich klinischen Bilder zuzuordnen. Man versucht, Haltloses zu erklären anstatt aus dem Instinkt heraus zu spüren und zu begreifen. Nie entsteht der Eindruck einer apokalyptischen Gefahr oder einer prophetischen Abgründigkeit.

Die morbide Faszination, der Selbstbetrug und der zwanghafte Ehrgeiz werden behauptet, sind aber selten nachvollziehbar und erreichen so keine Bedeutung über das bloße Abbild hinaus. Zu plakativ, zu sauber und auch zu gängig-vorhersehbar werden die Einstellungen bar assoziativer Ambivalenz skizziert; mehrere supranaturale Vorgänge lassen sich bereits Minuten im voraus erahnen und holen ihre Bestätigung rein automatisch nachexerziert ein. Dies desöfters nicht bloss seltsam unspektakulär, sondern fast unerklärlich kraftlos und mit einer dünnen Linie zwischen gravitätischen Auftreten und Lächerlichkeit in Szene gesetzt.
So ist das unterkühlte Werk als weitgehend herkömmliches Erzählkino mit vielen entbehrlichen Nebenhandlungen sicherlich kein grosser Wurf. Versteht aber zumindest eine handwerklich solide Profession, bedient relativ stilsicher die Ornamentik des Genres und kann abseits der spinnerten Idee immerhin vorübergehend Interesse und Kurzweil auslösen.

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