Im Grunde hat man es natürlich bereits geahnt. Und eigentlich hätte man zumindest dieses eine Mal die Vernunft über die unverbesserliche Neugierde siegen und die DVD einfach in den Regalen der Videothek verstauben lassen sollen. Doch offensichtlich sind gerade Videothekenkunden ein nahezu unbelehrbares und unkonditionierbares Klientel. Anders lässt es sich nicht erklären, dass diese Spezies - und selbstverständlich zähle ich mich dazu - im Halbjahresrythmus beispielsweise einen neuen Steven Segal-Film ausleiht, in der Hoffnung, er knüpft eines Tages doch wieder an die guten alten Zeiten an. Oder eben das jeweils neue Werk eines Uwe Boll in der Hoffnung, er würde endlich nicht mehr an seine alten Zeiten anknüpfen. Bei Uwe Boll fällt es einem darüber hinaus tatsächlich irgendwie schwer, unpersönlich zu bleiben. Denn so skurril und damit irgendwie auch sympathisch seine Boxring-Aktion gegen einige seiner Dauer-Kritiker auch gewesen sein mag, so sehr fühle ich mich von jedem seiner Filme aufs neue regelrecht beleidigt. Vielleicht liegt es daran, dass ich als Verehrer von Videospielen regelmäßig Zeuge werde, wie großartige Vorlagen durch miserable Umsetzungen ohne jegliches Gespür für Atmosphäre, Inszenierung oder Verständnis für die Spielvorlage zunichte gemacht werden. Vielleicht liegt es auch daran, dass trotz Millionenbudget nicht einmal die TV-Optik einer Xenia-Folge erreicht wird und einst großartige Schauspieler unter seiner Regie zu untalentierten Knallchargen mutieren.
Im Falle von Bloodrayne II ist es dies alles zusammen und noch etwas mehr. Dabei kommt die neue Hauptdarstellerin rein optisch dem Videospiel-Vorbild schon deutlich näher als Frau Loken aus Teil 1. Dumm nur, dass die Handlung in den Wilden Westen verlegt wurde und Rayne nur ein einziges Mal zumindest ihren Mantel ablegt. Man stelle sich als Vergleich einmal vor, Kate Beckinsale würde in Underworld über ihrem engen Lederoutfit immer einen Lodenmantel tragen oder - noch naheliegender - Kristanna Loken hätte in Bloodrayne ständig eine Ritterrüstung getragen. Erstaunlich, wie man auf so einfache Art und Weise einen Film seines einzigen optischen Reizes berauben kann. Und ganz nebenbei natürlich den Bloodrayne-Charakter völlig demontiert - aber dies zielt natürlich auf eine Ebene, auf die keine von Bolls Spieleverfilmungen bislang vorgedrungen ist. Von daher verwundert es auch kaum, dass die Halbvampirin Rayne beim Kampf gegen eine kleine Vampirbrut in einer noch kleineren Stadt kein einziges Mal von irgendwelchen übernatürlichen Fähigkeiten Gebrauch macht und für den einzigen, finalen Kampf auch gleich eine Horde Mitstreiter aquiriert, die dann auch promt den Löwenanteil an der Aufräumarbeit erledigen. Aber letztendlich fragt man sich ohnehin nicht mehr, warum die Hauptprotagonistin neunzig Prozent der Zeit einfach nur passiv in der Gegend herumsteht, wenn man sie einmal mit beiden Klingen hantieren hat sehen. Ebenso peinlich wie ihre nicht vorhandene Choreographie muten die Versuche an, große Westernvorbilder in Einstellungen und Musik zu kopieren. Unter dem Troma-Banner hätte in den Achziger Jahren eine solche Mixtur aus Unzulänglichkeiten verbunden mit einer ordentlichen Portion Sex und Gewalt ja in einem durchaus unterhaltsamen Gebräu für Trashfans aufgehen können. Da Boll dem Blutzoll der Spielevorlage und des filmischen Vorgängers jedoch nicht im geringsten Rechnung trägt, wird auch diese Chance kläglich verspielt.
Übrig bleibt ein gähnend langweiliger Anti-Film, der ohne Übertreibung sämtliche Direct-to-Video-Produktionen der letzten Monate spielend unterbietet und am Ende für den geplagten Zuschauer eigentlich nur noch eine Frage offen lässt: Wann endlich werde ich es lernen...? Auf der DVD findet man bereits den Trailer zu Bolls neuem Werk "Dungeon Siege". Der sieht auf den ersten Blick gar nicht mal so übel aus und kann - wieder mal - mit einigen bekannten Gesichtern aufwarten. Die Neugierde ist geweckt und eines somit gewiss: Wenn Boll auch kein begnadeter Filmemacher ist, ein guter Geschäftsmann ist er allemal...