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Nachdem „BloodRayne“ ja zumindest in den Kinos ein Totalflop war, erschien es mir doch recht seltsam, als ich von einer geplanten Fortsetzung hörte. Hoffnungen keimten in mir auf, dass vielleicht dieses Mal die Story der Computerspiele aufgegriffen werden würde und es richtig zur Sache ginge. Nur leider wurde die Rechnung ohne Boll gemacht. Dieser zog es nämlich vor, das Teil direkt auf DVD rauszuhauen und die Handlung in den Wilden Westen zu verlegen. Na super!

Billy The Kid fällt in die kleine Stadt Deliverance ein, mit dem genialen Plan Amerika zu unterjochen. Die Eisenbahn soll es möglich machen. Allerdings steht bald Rayne auf dem Plan, da sich Billy an ihren Freunden zu schaffen gemacht hat. Nachdem einige Haudegen rekrutiert worden sind, wird in Richtung Showdown geritten.

Da habe ich die Geschichtsbücher doch immer richtig interpretiert und nur meine Geschichtslehrer lagen falsch. Billy The Kid war ein Vampir, ganz eindeutig. Uwe hat das genauso gesehen und einen historisch korrekten Vampirwestern rund um Billy gedreht. Damit auch Geschichtsmuffel den Streifen noch ansehen, wurde noch schnell BloodRayne ins Drehbuch geschrieben und fertig war die Geschichtslehrstunde.

Aber mal im Ernst. Nachdem der erste Teil eigentlich gute Genre Unterhaltung bot, hat Boll hier leider (wieder) einiges verbockt. Angefangen bei den öden Goreszenen (gerade hier wäre viel mehr drin gewesen) hin zu einer lahmen Handlung, die mit "BloodRayne" mal so eben gar nix zu tun hat. Das Westernszenario trägt da eigentlich nicht die Hauptschuld, bietet sogar willkommene Abwechslung im Horror Genre, obwohl endlich eine adäquate Version der Spiele sinnvoller wäre.

DTV bedingt gibt es natürlich Punktabzug in Sachen Ausstattung etc. Trotzdem wird noch ein gutes Niveau gefahren. "BloodRayne" Darstellerin Kritanna Loken hatte anscheinend keinen Bock mehr oder war zu teuer, daher wurde sie ersetzt durch die ebenfalls schnuckelige Natassia Malthe. Die übrige Cast ist eher unbekannter Natur und nur Billy the Kid Darsteller Zack Ward („Postal“) dürfte einigen bekannt vorkommen. Dieser macht seinen Part sogar angenehm gut und steckt sogar Ben Kingsley aus dem ersten Teil als Bösewicht locker in die Tasche.

Klingt eigentlich alles gar nicht mal soo schlecht, wäre da nicht die lahme Inszenierung. Der Schnitt des Films ist vor allem in den raren Actionszenen viel zu lahm, gleiches gilt für die Reaktionszeit der Darsteller, die auf alle Aktionen immer erst viel zu spät reagieren und damit das Trashniveau nach oben treiben. Da wird beispielsweise jemand von Kugeln zersiebt, reagiert auf die Einschüsse aber erst nachdem der halbe Film vorbei ist. An der Logik hadert es auch gewaltig. Eigentlich keine Aktion von Rayne möchte so richtig Sinn ergeben, bestes Beispiel die Rekrutierung der Revolverhelden oder die mangelnde Kontinuität zu Teil 1. Weiterhin fragt man sich eigentlich ständig wie sie so viele Jahre überleben konnte, bei dermaßen bescheuerten Kampfstrategien. Da erscheint der Gurkenplan Billys Amerika per Bahn zu unterjochen schon fast genial.

Die bitterste Pille ist aber der gestutzte Goreanteil, was bei Uwe schon etwas verwundert, zumal hier ja gleich für den Videomarkt produziert wurde. Naja. Ansonsten werden hier und da gerne mal alte Italowestern zitiert (Zeitlupe, Musik und Close-Ups), ohne nur annährend an die Qualität dieser heranzureichen. In Sachen Kampfszenen stolpern die Darsteller ganz wie im ersten Teil nur über die eigenen Füße und lassen runde Bewegungsabläufe zur Mangelware werden. Von daher dürfte eigentlich alles gesagt sein.

Fazit: „BloodRayne II – Deliverance“ hätte anständige B-Unterhaltung werden können, nur ist die Story praktisch nicht existent und der Action/Horror Anteil stimmt ebenfalls nicht. Von daher nur bedingt zu empfehlen.

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