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Japan 1865. Das Land befindet sich in Unruhe, Isolationisten kämpfen gegen solche, die das Land öffnen wollen und die öffentliche Ordnung ist durch marodierende herrenlose Samurais gefährdet. Die Shinsen-gumi, eine zum Schutz gegen eben diese Samurais gegründete "Sondereinheit", rekrutiert neue Mitglieder. Obwohl es zahlreiche Anwärter gibt, schaffen es nur zwei, in die Sondereinheit aufgenommen zu werden: der androgyne Kano, ein aus reicher Familie stammender Achtzehnjähriger, und Tashiro, ein verwahrloster Samurai. Tashiro verliebt sich in Kano, aber nicht nur er verfällt der Anziehungskraft des eher unbedarft wirkenden Samurais. Der Vizekommandant Hijikata (Takeshi Kitano) muss eingreifen, um zu verhindern, dass die aufkommende Emotionalität den strengen Kodex der Einheit zerstört.

Nagisa Oshimas bisher letzter Film erforscht wie seine früheren Filme, erneut die tabubrechende und oftmals zerstörerische Kraft der Sexualität in einem System, das von rigiden Moralvorstellungen und Regeln normiert und bestimmt wird. Der Schauplatz ist eine hermetische Männerwelt, in die nun nicht nur äußere, politische Krisen einzubrechen drohen, sondern noch unkontrollierte Gefühle, die ein androgyner Mann auslöst. Erstaunlich ist es zu sehen, wie relativ unbefangen in den Reihen der Samurai bzw. Armee mit Homosexualität ungegangen wurde (man sah es irgendwie als Kavaliersdelikt), doch die viel größere Bedrohung für die Kommandierenden ist die Gefahr, die Kano bei den Männern durch seine Attraktivität auslöst. Eifersucht und Leidenschaft sind viel größere Gefahren für die interne Ordnung als die „reine“ Homosexualität.
Leider ist Oshimas Film, so interessant seine Ausgangslage ist, doch auch etwas behäbig und auch der Schauspieler des Kano (Ryûhei Matsuda) bleibt blass und die ganze Inszenierung, so sorgfältig sie auch ist, bleibt doch hölzern und träge. Hervorragend ist wie gewohnt Kitano und auch die Musik von Ryuichi Sakamoto ist sehr passend, ebenso eine gewisse Künstlichkeit in der Ausstattung des Films.
Der Film „Gohatto“ wirkt demnach eher wie eine Versuchsanordnung als wie eine organische Story (und verliert sich dabei in einigen etwas sinnlosen Nebenhandlungen) und darunter leidet dann auch mein Zugang zum Film.
Insgesamt eine interessante Umsetzung eines unbekannten Themas, aber leider auch zu akademisch und trocken umgesetzt. Nagisa Oshimas bester Film ist es sicher nicht.

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